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Seite 3: Star Wars Battlefront 2 im Test - Kontrollverlust im Weltraum

Ein Fest für Fans

Nach der eher enttäuschenden Kampagne, wenden wir uns nun den Multiplayer-Schlachten zu, die das Herzstück von Star Wars: Battlefront 2 darstellen und uns gleich vom ersten Moment an Star-Wars-Atmosphäre vom Allerfeinsten auf den Bildschirm zaubern. Es passiert sehr selten, dass sich im GameStar-Büro gleich mehrere Redakteure um den Monitor des Spieletesters scharen und staunen, aber bei Battlefront 2 war regelmäßig ein "Oh, wow!" oder "Mann, sieht das gut aus" zu hören.

Tatsächlich ist es nicht übertrieben zu behaupten, dass Star Wars: Battlefront 2 der bis dato schönste Multiplayer-Shooter ist, den wir jemals gesehen haben. Wenn die Frostbite Engine zur absoluten Hochform aufläuft, vergisst man für einen Moment glatt, den Abzug zu drücken und stolpert mit offenem Mund über die grandios inszenierten Maps.

Bevor die eigentliche Schlacht beginnt, bewundern wir eine toll inszenierte Landeoperation. Die Kulisse von Battlefront 2 ist einmalig.Bevor die eigentliche Schlacht beginnt, bewundern wir eine toll inszenierte Landeoperation. Die Kulisse von Battlefront 2 ist einmalig.

Das gilt vor allem im größten Spielmodus "Galaktischer Angriff" für 40 Teilnehmer, bei dem speziell inszenierte Skript-Sequenzen sowie Dutzende computergesteuerte Statisten ein enorm stimmungsvolles Schlachtengemälde erzeugen. Im legendären Raumhafen Mos Eisley fliehen Javas panisch vor anrückenden Sturmtruppen, in der Starkiller-Basis krachen abgeschossene X-Wings zu Boden und auf Yavin IV hüpfen exotische Äffchen durch den dichten Dschungel.

Zusammen mit den authentischen Waffen- und Fahrzeugmodellen und einem Sound, der direkt aus der Filmvorlage zu stammen scheint, schafft Battlefront 2 eine Star-Wars-Atmosphäre, die ihresgleichen sucht - ein echtes Fest für Fans.

Zudem läuft das Spiel erfreulich rund stabil, in unserem Test kam uns kein einziger Absturz oder Verbindungsabbruch in die Quere. Allerdings kann die Implementierung von DirectX 12 nicht überzeugen, hier verlieren fast alle Grafikkarten durch die Bank spürbar an Leistung, wie unser Technik-Check zeigt.

Wenn wir uns im Millennium Falken einen Dogfight mit der Slave I von Boba Fett liefern, kommt auch im Multiplayer echtes Star-Wars-Feeling auf.Wenn wir uns im Millennium Falken einen Dogfight mit der Slave I von Boba Fett liefern, kommt auch im Multiplayer echtes Star-Wars-Feeling auf.

Von Anakin bis Kylo Ren

Ein weiterer großer Vorteil gegenüber dem Vorgänger: Battlefront 2 deckt nicht nur die Original-Trilogie ab, sondern die gesamte Star-Wars-Ära und kann entsprechend das volle Repertoire aus Schauplätzen, Waffen, Fahrzeugen und Helden ausschöpfen.

So treffen Klontruppen und die Droiden-Armee der Separatisten bei der Invasion von Kashyyyk aus Episode 3 hier genauso aufeinander, wie die Erste Ordnung und die Widerstandskämpfer aus Das Erwachen der Macht oder die Rebellen und das Imperium auf Hoth. Dadurch liefert Battlefront 2 mit elf Welten, 14 spielbaren Helden und Dutzenden Vehikeln deutlich mehr Inhalte und vor allem Abwechslung als der erste Teil. Mit dem Kinostart von Episode 8: Die Letzten Jedi kommen außerdem weitere Schauplätze und Figuren aus dem neuesten Film kostenlos dazu.

Kein Season Pass & Gratis-DLCs
Im Gegensatz zum Vorgänger, gibt es für Star Wars: Battlefront 2 keinen Season Pass oder kostenpflichtige Map-Packs. Stattdessen werden neue Gratis-Inhalte in sogenannten Seasons nachgereicht, zum Beispiel neue Maps und die beiden Helden Finn und Captain Phasma zum Kinostart von Episode 8: Die Letzten Jedi. Aber auch weitere Story-Missionen sind als kostenloser Bonus-Content geplant, die Geschichte von Iden Versio wird also noch fortgesetzt. Durch die Abschaffung der Paywall für Multiplayer-Inhalte, verhindern DICE und EA zudem die Spaltung der Community und wollen so für langlebigeren DLC-Content sorgen.

Umso ärgerlicher, dass wir uns vor Matchbeginn mangels Filterfunktion und Serverbrowser nie selbst entscheiden können, auf welcher Map und in welcher Ära wir spielen wollen. Lediglich der Spielmodus lässt sich festlegen, danach müssen wir mit dem klarkommen, was uns das Matchmaking vorsetzt. Und das bleibt nicht der einzige Punkt, an dem uns Battlefront 2 unnötigerweise die Kontrolle entzieht.

Einmal im Match angekommen, entscheiden wir uns für eine von vier Klassen: Der Assault konzentriert sich aufs Schießen und Sprengen, der schwere Truppler auf die großen Kanonen und Sperrfeuer, der Offizier platziert Geschütztürme und heilt seine Kameraden, der Spezialist fungiert als Späher und Sniper. Dieses System ist grundsätzlich zwar ein Fortschritt zum klassenlosen Vorgänger, bringt aber auch einige teils gravierende Probleme mit sich.

Per Jetpack fallen wir ein paar nichtsahnenden Gegnern in die Flanke. Den Raketenrucksack gibt’s allerdings nur als temporäres Power-Up gegen verdiente Punkte.Per Jetpack fallen wir ein paar nichtsahnenden Gegnern in die Flanke. Den Raketenrucksack gibt’s allerdings nur als temporäres Power-Up gegen verdiente Punkte.

Das Spiel mit den Karten

Zum einen haben wir durch das tief im Spieldesign verankerte Sternkarten-System so gut wie keine Möglichkeiten, unsere Lieblingsklasse gezielt aufzuleveln. Da abgesehen von den Primärwaffen das komplette Fortschrittssystem an den Sternkarten hängt, sind wir auf Lootboxen angewiesen, die wir für erspielte Credits kaufen. Mit den Sternkarten aus diesen Kisten verbessern wir die Fähigkeiten unseres Soldaten oder ersetzen sie durch neue. Der Inhalt ist allerdings komplett zufällig, sodass wir unter Umständen Sternkarten für eine Klasse erhalten, die wir kaum oder überhaupt nicht spielen.

Star Wars: Battlefront 2 - Video: So funktioniert das »neue« Lootbox-System 15:50 Star Wars: Battlefront 2 - Video: So funktioniert das »neue« Lootbox-System

Zum anderen steigt eine Klasse nicht einfach im Einsatz auf, sondern ausschließlich durch entsprechende Sternkarten. Es kann also durchaus passieren, dass unser Assault-Truppler selbst nach mehreren erfolgreichen Matches auf Stufe 0 verharrt - wie stark welcher Soldat wird, hängt vom Losglück ab. Das nervt und frustriert gewaltig. Dass wir Sternkarten auch mithilfe von Crafting-Materialien herstellen können, ist da nur ein schwacher Trost. Denn selbst diese Materialien lassen sich nicht gezielt sammeln, sondern wir sind hier ebenfalls auf Lootboxen angewiesen. So kann es wenn wir Pech haben locker mehrere Stunden dauern, bis wir alles Nötige für unsere Wunschkarte zusammenhaben.

Kompliziert & unnötig:So funktionieren Lootboxen & Sternkarten in Battlefront 2

Lootboxen & Pay2Win-Vorwürfe
Aufgrund des Echtgeld-Shops, der Lootboxen mit Ingame-Boni in Form von Sternkarten anbot, hatten wir ursprünglich eine Abwertung von Star Wars: Battlefront 2 vorgesehen. Nach einem massiven Aufschrei aus der Community, wurden die Mikrotransaktionen jedoch noch vor Release vorübergehend entfernt, um die Mechanik grundlegend zu überarbeiten. Wann und in welcher Form der Shop zurückkommt, ist bislang unklar. Unsere Wertung bezieht sich daher auf die Fassung ohne Mikrotransaktionen, wird aber gegebenenfalls angepasst und überarbeitet, sobald der Echtgeld-Shop wieder implementiert ist.

Ein weiteres schwerwiegendes Problem des Sternkarten-Systems ist die Spielbalance, immerhin ein entscheidender Faktor in einem Multiplayer-Shooter. So kommt es regelmäßig vor, dass wir einem voll aufgerüsteten Sternenjäger oder Helden begegnen, der dank hochwertigem Equipment deutlich mehr Schaden verursachen oder mehr einstecken kann, als wir selbst.

Das fällt vor allem im Helden-gegen-Schurken-Modus auf, bei dem Viererteams aus bekannten Charakteren aufeinander losgehen, wobei sich meist die Figuren mit mächtigen Sternkarten durchsetzen können. Durch die vorübergehende Abschaltung des Echtgeld-Shops sind zwar die Pay2Win-Vorwürfe vorerst vom Tisch, das System hinterlässt aber dennoch einen faden Beigeschmack.

Rückwärtsrolle bei EA:Was die Abschaltung des Echtgeld-Shops bedeutet (Kolumne)

Denn Spielfortschritt aus Kisten mit Zufallsfaktor entspricht eher dem, was man aus dem Free2Play-Segment kennt - zumal direkte Werte-Booster der Marke "Deine Primärwaffen machen zehn Prozent mehr Schaden" nicht gerade in einen Online-Shooter passen. Statt Upgrades wären "Sidegrades" eine elegantere und spielerisch sinnvollere Lösung gewesen, also Boni, die gleichzeitig auch Nachteile mit sich bringen. So könnte ein Raumjäger eine schwerere Panzerung zum Beispiel mit geringerer Wendigkeit bezahlen, was im Hinblick auf Balance und Logik durchaus Sinn ergäbe.

Battlefront 2 Lootboxen - Video-Talk: Welchen Plan verfolgt EA? 10:23 Battlefront 2 Lootboxen - Video-Talk: Welchen Plan verfolgt EA?

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