Ihr solltet Star Wars: Squadrons jetzt spielen, bevor es zu spät ist

Meinung: Squadrons ist ein grandioses Star-Wars-Spiel mit jeder Menge Potenzial, doch wer zu lange wartet, wird davon nichts mehr mitbekommen.

von Fabiano Uslenghi,
08.11.2020 12:00 Uhr

Es ist noch gar nicht so lang her, da sehnte ich mich verzweifelt nach einem neuen X-Wing. Ein Star-Wars-Spiel, das sich wieder voll und ganz auf Dogfights im Weltraum konzentriert. In dem ich selbst wieder im Pilotensitz eines der ikonischen Raumschiffe Platz nehmen darf, die Funksprüche der Flügelleute auf dem Ohr habe und gleichzeitig wilde Manöver fliege, um dem Beschuss eines riesigen Sternenzerstörers auszuweichen.

Damals hielt ich das für einen naiven Wunschtraum. Doch nur vier Monate später kündigte EA plötzlich Star Wars: Squadrons an. Ich konnte mein Glück kaum fassen. Klar, ein wirklich vollwertiges X-Wing ist Squadrons nicht. Doch ich nehme, was ich kriegen kann, und Squadrons fängt dieses Gefühl einer Star-Wars-Schlacht im Weltraum trotzdem grandios ein. Man nehme allein diesen Trailer zum Einstimmen:

Star Wars: Squadrons zeigt im Gameplay-Trailer, wie sich X-Wings in Ego-Perspektive fliegen 5:46 Star Wars: Squadrons zeigt im Gameplay-Trailer, wie sich X-Wings in Ego-Perspektive fliegen

Einen Monat nach dem Release bin ich immer noch glücklich, verbringe viel Zeit in meinem personalisierten X-Wing mit den roten Streifen und einer kleinen Baby-Yoda-Figur auf dem Armaturenbrett. Doch ich weiß, dass dieses Gefühl nicht von Dauer ist. Weltraum-Sims gehören nach wie vor nicht in den Mainstream. Squadrons ist eine außergewöhnliche Anomalie, die ich nicht erwartet hätte. Die sich vermutlich aber auch nicht lange halten wird. Deshalb spielt dieses Spiel - und zwar jetzt!

Der Autor:

Fabiano verbrachte seine frühe Kindheit bereits in dem Cockpit eines X-Wings. Egal ob Rogue Squadron, Rebel Assault und ganz besonders X-Wing: Alliance - Weltraumschlachten der Marke Star Wars haben ihn geprägt. Dass genau diese Spiele in den letzten 20 Jahren komplett von der Bildfläche verschwunden sind, hält er für ein absolutes Desaster. Squadrons ist für ihn daher das Licht am Ende eines langen Tunnels. Doch vermutlich wird dieses Licht nicht lange flackern.

Nicht nur für Einzelspieler

Schon in unserem Squadrons-Test wurde eine Seite der Weltraum-Simulation sehr genau beleuchtet: Das Spiel bietet eine famose Einzelspieler-Kampagne. Hier erleben wir den Konkurrenz-Kampf zweier Elitestaffeln und zwar von beiden Seiten. Wir fliegen für die ehemaligen Rebellen und kämpfen gleichzeitig für das zersplitterte Imperium. Dieser Teil von Squadrons allein macht das Spiel schon einen Blick wert.

Ich persönlich werfe mich allerdings häufiger in die Multiplayer-Schlachten. Ich habe die Kampagne auch ehrlich gesagt noch nicht komplett durchgespielt. Wenn Zeit da ist, sammel ich eher vier meiner Staffelmitglieder und wir messen uns direkt in den Flottenkämpfen mit unseren realen Gegenspielern. Diese Multiplayer-Schlachten motivieren mich persönlich deutlich mehr als jeder Ego-Shooter!

Im Flottenkampf legt sich die Staffel immer mit einem Großkampfschiff an. Um das in die Knie zu zwingen und gleichzeitig das eigene zu verteidigen, benötigt man eine gute Strategie. Im Flottenkampf legt sich die Staffel immer mit einem Großkampfschiff an. Um das in die Knie zu zwingen und gleichzeitig das eigene zu verteidigen, benötigt man eine gute Strategie.

Es stimmt zwar, eigentlich gibt es im Multiplayer-Modus nicht viel zu tun. Es gibt nur zwei Spielmodi und die ganze Zeit über schaltet man lediglich neue Komponenten für die zehn Raumschiffe frei oder neue kosmetische Anpassungen. Doch wer sich voll und ganz auf das Spiel einlässt, wird auch langfristig Spaß haben.

Es fasziniert mich stets von neuem, wie viele taktische Entscheidungen während und vor einer Schlacht gefällt werden können. Mit jeder Runde lernt man die Systeme seines Schiffs besser kennen. Erkennt, wann sich eine technische Komponente am besten eignet.

In meiner Staffel werden zudem oft neue Strategien durchgeplant. Welche Zusammenstellung lohnt sich mehr? Brauchen wir einen U-Wing? Sollten wir uns alle einen Bomber schnappen und die Systeme des Kreuzers aufs Korn nehmen? Squadrons bietet unheimlich viel Potenzial zum Lernen, zum Optimieren und um das persönliche Skill-Level zu verbessern. Das bringt mich immer wieder zurück. Cosmetics sind schön und gut, aber in Squadrons will ich ein Ass werden. Sein wie Luke Skywalker. Nicht umsonst haben wir dem Besserwerden im Multiplayer einen Guide gewidmet:

Star Wars: Squadrons Guide - Fliegen und siegen im Multiplayer-Modus   19     7

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Die große Befürchtung

Doch damit das geht und es sich auch befriedigend anfühlt, braucht ich echte Gegner. Und so wie es aussieht, werden die mir irgendwann ausgehen. Squadrons hält sich momentan noch sehr wacker. Selbst wenn ich in einer vollen Staffel von insgesamt fünf Piloten starte, finden wir in der Regel ein Match und können gleich loslegen. Die Wartezeiten werden aber irgendwann länger.

Squadrons hat zumindest auf Steam seit seinem Release ungefähr 50 Prozent der aktiven Spielerschaft eingebüßt. Im Schnitt sind hier immer etwa 2.000 Spieler gleichzeitig online. Das ist richtig, richtig wenig. Zumindest für ein Multiplayer-Spiel. Glücklicherweise unterstützt Squadrons aber das Cross-Platform-Feature und so zocken wir noch mit Spielern von Origins, Epic und der PS4 zusammen. Momentan reicht der Spielerstand also aus. Der Trend sagt mir aber: Bis zum kompletten Exodus dauert es nicht mehr lang.

Normalerweise gebe ich nicht viel auf Cosmetic in Online-Spielen. Aber bei Squadrons wünschte ich mir, es gäbe noch so viel mehr Anpassungsoptionen für meine Jäger. Normalerweise gebe ich nicht viel auf Cosmetic in Online-Spielen. Aber bei Squadrons wünschte ich mir, es gäbe noch so viel mehr Anpassungsoptionen für meine Jäger.

Das Problem: Ausgerechnet EA behandelt Squadrons wie einen Singleplayer-Titel und verzichtet vollkommen auf Ingame-Käufe und Live-Service. Das ist einerseits lobenswert und wussten viele Spieler auch schon bei Fallen Order zu schätzen. Es hält Squadrons aber andererseits davon ab, sein volles Potenzial zu entfalten.

Es müssen ja nicht gleich Lootboxen sein, aber neue Raumschiffe, Karten und vor allem Komponenten würden Squadrons' Hyperantrieb wieder in Gang setzen. Selbst kleine Ergänzungen wie das Mandalorian-Update können helfen, Spieler bei der Stange zu halten. Dabei soll es sich aber um eine Ausnahme handeln. Motive selbst hat sogar sofort das Gerücht dementiert, sie würden an einem weiteren Star-Wars-Spiel arbeiten. Auf Squadrons scheint damit erst Mal kein Fokus mehr zu liegen.

Ich bin froh, dass es Squadrons gibt. Ich genieße meine Zeit darin. Aber das Spiel hat ein Ablaufdatum. Wer also auch nur einen Hauch Interesse daran hat, sollte es ausprobieren. Und am besten jetzt. Wer zu lange wartet, wird irgendwann in einem leeren Hangar stehen.

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