Manche Spiele klingen auf Papier nach absoluter Standardkost. Ein verfluchtes Haus, ein paar Rätsel, viel Erkundung und Herumlaufen, Notizen lesen – das klassische Einmaleins der Horror-Walking-Simulatoren eben. Aber dann macht dieses Spiel irgendwas mit mir. Geht mir selbst nach Abschluss nicht aus dem Kopf. Erweckt die Sehnsucht nach mehr.
The Occultist ist so ein Spiel.
In etwa sieben Spielstunden hat es mir mehrfach den Atem geraubt – und genau deshalb muss ich den Indie-Horror mit euch teilen!
Der Witcher wird zum Geisterjäger
Falls euch die Stimme im Trailer bekannt vorkommt: Nein, ihr habt keine Watte in den Ohren – Doug Cockle, der englische Geralt von Riva, leiht dem Hauptcharakter seine raue Stimme (es gibt eine deutsche Übersetzung für Texte und Untertitel). Und die passt perfekt in das düstere Setting!
Als Alan Rebels begebe ich mich auf die geheimnisumwobene Insel Godstone, um das Verschwinden meines Vaters aufzuklären. Sein Schicksal ist aber nicht das einzige Mysterium, über das ich stolpere. Die drückende Stille von Godstone ist nur eine Illusion. Denn die nebligen Straßen der Stadt, die verlassenen Gebäude und all die verlorenen Seelen darin schreien nach Erlösung und wollen gehört werden.
Wie gut, dass Alan der Sherlock Holmes der Geisterwelt ist! Mein treuer Begleiter: Ein Pendel. Mit vier unterschiedlichen Fähigkeiten kann ich versteckte Dinge sichtbar machen, an bestimmten Stellen die Zeit zurückdrehen und Krähen und Ratten befehligen. Mit diesem mystischen Werkzeugkasten knobele ich mich durch die Rätsel und decke so Stück für Stück Godstones verborgene Vergangenheit auf.
Langsam aber sicher lerne ich die Insel und ihre Bewohner kennen, erlöse Geister von ihrem Leid und verfange mich in einer riesigen, okkulten Verschwörung. Die Story zieht mich direkt in ihren Bann und gibt mir ein zufriedenstellendes Finale. The Occultist spielt sich wie ein klassischer Gothic-Schauerroman: Es hat ein Herrenhaus, exzentrische Charaktere, eine tragische Liebesgeschichte, perfide Motivationen und herzzerschmetternde Schicksale. Chef's kiss!
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The Occultist: Im neuen Horrorspiel untersucht ihr als Ermittler eine Geisterstadt und ein uraltes Geheimnis
Ein schauriges Bilderbuch
Für seine Story jagt mich The Occultist durch unterschiedlichste Schauplätze – und das fühlt sich stellenweise an, als hätte das spanische Entwicklerteam Daloar direkt in meinem Kopf rumgekramt. Das Spiel hakt nämlich eine regelrechte Checkliste meiner absoluten Lieblings-Locations für gepflegten Grusel ab.
Statt einer monotonen Kulisse erlebe ich in The Occultist einen richtigen Sightseeing-Ausflug. Ich starte in einem nebligen Wald – und werde direkt von der Grafik-Wucht des Indie-Spiels erschlagen. Kein Wunder: Die Entwickler haben nämlich ihre Wurzeln in der professionellen Architektur-Visualisierung und 3D-Animation. Befeuert von der Unreal Engine 5 merke ich diese Expertise jedem einzelnen Umgebungs-Pixel an.
Mein entspannter Waldspaziergang hält nicht lange an. Denn eine mysteriöse Gestalt beobachtet mich und lockt mich immer weiter in das Labyrinth der Geheimnisse von Godstone. Ich suche nach Antworten in einem verlassenen Haus mit einem gruseligen Keller. In einem Waisenhaus, in dem nicht nur die Dielen unter meinen Füßen knarzen, sondern auch die Wände kichern. Ich besuche einen Zirkus, der mich mit tödlichen Spielereien unterhält. Ich verirre mich in einem Irrgarten, bevor ich in ein riesiges Herrenhaus stolpere, das hinter all dem Prunk eine tragische Wahrheit verbirgt.
The Occultist hetzt mich nicht durch das Spiel, sondern lässt mich für den Großteil entspannt durch Godstone flanieren. Es offenbart sich vor mir wie ein schauriges Bilderbuch, das ich Seite für Seite aufsauge. Die düstere Atmosphäre ist so greifbar und cineastisch inszeniert – da wundert es mich kein Bisschen, dass die Entwickler bereits einen Deal für die Verfilmung des Spiels unterschrieben haben.
The Occultist auf SteamGänsehaut ab der allerersten Note
Wenn die Schauplätze die wunderschönen Illustrationen dieses Bilderbuchs sind und die Schicksale der Menschen die Geschichte erzählen, dann ist die Musik von Occultist der unsichtbare Faden, der alles meisterhaft zusammennäht.
Schon im Hauptmenü verliebe ich mich in den gespenstischen Soundtrack aus der Feder von Komponist Pepe Herrero. Und auch im Spiel bleibe ich regelmäßig stehen, nur um den wundervollen Klängen, den unterschiedlichen Variationen des Hauptthemas zu lauschen und mich in meiner Gänsehaut zu baden.
Wuchtige orchestrale Arrangements wechseln sich mit zögerlichen, sanften Melodien ab und besonders das unheimliche Wiegenlied trifft einen Nerv, der mich einfach zum Schmelzen bringt. Daloar, Daedalic, bitte veröffentlicht den Soundtrack auf YouTube!
Diese tolle Mischung aus grandioser Atmosphäre, spannender Story und herausragender Musik macht das Spiel für mich zu einem Geheimtipp für Genre-Fans. The Occultist ist weder besonders herausfordernd, noch stellt es neue Maßstäbe für das Genre auf. Falls ihr aber Fans von Horror-Walking-Simulatoren mit spaßigen Rätseln seid, auf okkulte Geschichten steht und ein paar stimmungsvolle Stunden verbringen wollt, dann kann ich euch The Occultist nur wärmstens ans Herz legen. Falls ihr euch noch unsicher seid, gibt es aber auch eine kostenlose Demo, die ihr vorher ausprobieren könnt!
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