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Seite 2: The Witcher im Test - Ein großes Rollenspiel, das aber mit Bugs kämpft.

Geralts Schwert

Was faszinierend klingt, funktioniert in der Praxis nur durchwachsen. Denn nur wenige der Handlungspersonen in The Witcher haben Profil, die meisten bleiben nichtssagend. Das liegt auch an den häufigen Logiklücken in Dialogen und Quests. Teils ist das Verhalten der Protagonisten schwer nachzuvollziehen, oft wechselt ihre Stimmung grundlos. In einigen Quests bleibt unklar, was als Nächstes zu tun ist; etwa wenn Sie Beweise für die Schuld oder Unschuld von Verdächtigen finden sollen, aber kei- ne Ahnung haben, wie.

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Weil es zu wenige Charaktermodelle gibt, werden die Siedlungen von Klonmassen bevölkert, was auf die Atmosphäre drückt. Ebenso eintönig ist die Gestaltung von Gebäudeinnenräumen, die alle ähnlich aussehen und nur immergleiche Kisten und Schränke mit generischem Kleinkram enthalten. Das wirkt seltsam schizophren, denn The Witcher belohnt Neugierde und Entdeckungslust durchaus reichlich – nur eben kein bisschen in der Spielwelt, dafür umso mehr bei den Aufträgen. Wer geduldig mit normalen Passanten plaudert oder in jedes fremde Haus spaziert, bekommt immer wieder versteckte Nebenaufgaben. Auch die Rückkehr in besuchte Gebiete und zu alten Bekannten lohnt sich, denn dort ist oft Neues zu erfahren. Besonders ehrgeizig ist Geralt bei der Pirsch auf das schöne Geschlecht. Mit sage und schreibe 22 Frauen kann der Hexer im Spielverlauf ins Bett steigen, was jeweils durch ein frivoles Portrait belohnt wird.

Geralts Schwerter

Ausrüstung spielt in The Witcher eine untergeordnete Rolle. Zwar kann Geralt diverse Zweitwaffen einsetzen, hauptsächlich kämpft er aber mit zwei Schwertern.

Die Stahlklinge ist dabei effektiv gegen Menschen und Tiere, die Silbervariante gegen Monster und Geister. Je nach Situation schalten Sie zudem durch drei Kampfstile: für starke Gegner, flinke Feinde oder Gruppenangriffe. Die Varianten geben den Gefechten eine taktische Komponente, denn Sie müssen die effektivste Schwert-Stil-Kombination für jeden Feindtyp herausfinden. Zudem darf Geralt mit fünf Zaubersprüchen und alchemistischen Tränken nachhelfen, die er selbst aus Dutzenden von Zutaten braut.

Im Kampf wird dann nur noch rhythmisch geklickt: Geralt schlägt automatisch zu, Sie drücken lediglich beim Aufleuchten des Zeigers die Maustaste, um die Angriffskombinationen am Laufen zu halten. The Witcher gelingt damit ein vernünftiger Kompromiss zwischen den Action-Gefechten eines Gothic 3 oder Oblivion und den komplexen Gruppentaktiken von Neverwinter Nights 2. Das originelle System hat allerdings seine Tücken. Geralt reagiert träge auf Kommandos und greift manchmal nicht an, ohne dass die Gründe klar wären. Der Gruppen-Kampfstil ist schlicht übermächtig, die Zauber bleiben weitgehend unwichtig.

Gut, aber kompliziert

Seine Kampfkünste verbessert Geralt durch neue Talente. Charakterwerte im klassischen Sinn gibt es nicht. Stattdessen wählen Sie bei jedem Levelaufstieg bis zu fünf neue Fertigkeiten aus 15 Kategorien. Die Benutzung der Menüs ist gewöhnungsbedürftig.

Während das Programm die Talente wild über Bildschirmseiten streut, quetscht es die Ausrüstung als millimetergroße Symbole in ein Mini-Inventar. Auf der praktischen Karte markiert das Spiel selbstständig wichtige Punkte, allerdings gestaltet sich das Reisen mühsam, denn die Quests erfordern viel langweilige Laufarbeit. Einen Teleportstein erhalten Sie erst nach vielen Stunden, und der entpuppt sich als wenig nützlich.

Grafisch überzeugt The Witcher mit hübsch gebauten Levels, schicker Lichtregie und guter Fernsicht. Dazu kommen gelungene Animationen, vor allem im Kampf; in den Gesprächen wiederholen sich die Bewegungen zu oft und wirken aufgesetzt.

Stellenweise sind die Levels zu stark begrenzt, kniehohe Stege werden zu unüberwindlichen Hindernissen. Generell litt unsere Testversion an Dutzenden von Fehlern, die zum Teil Quests unlösbar machten. Wir raten Rollenspiel-Fans dringend, vor dem Kauf den aktuellen Patch-Stand zu überprüfen.

In einem speziellen Bug-Artikel lesen Sie welche Fehler uns beim Spielen von The Witcher in der Verkaufsversion aufgefallen sind. Viele davon wurden spätestens mit dem Enhanced Edition-Patch beseitigt, lesen Sie deshalb auch den Test zu The Witcher: Enhanced Edition.

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