Eine virtuelle Streamerin im 30.000-Dollar-Anzug erobert Twitch

CodeMiko hat sich innerhalb weniger Monate zum Streaming-Star hochgearbeitet. Wir erklären euch das Twitch-Phänomen.

von Dennis Zirkler,
05.03.2021 19:10 Uhr

CodeMiko begeistert als virtuelle Streamerin jeden Tag tausende Fans auf Twitch. CodeMiko begeistert als virtuelle Streamerin jeden Tag tausende Fans auf Twitch.

Twitch ist in der heutigen Zeit für so manchen Hype verantwortlich: Spiele wie Fall Guys, Phasmophobia oder Among Us sind in den vergangenen Monaten durch die Zugkraft der Streaming-Plattform zu wahren Hits geworden.

Doch nicht nur Spiele werden auf Twitch zum Phänomen: Seit einigen Wochen entwickelt sich die Streamerin CodeMiko zum nächsten großen Star - mit Hilfe eines ausgefallenen Konzepts und eines 30.000-Dollar-High-Tech-Anzugs.

Wer ist CodeMiko?

Während anderen Streamern ein Computer, ein Headset und eine Kamera genügen, setzt die Twitch-Streamerin CodeMiko mit ihrem Setup völlig neue Maßstäbe - denn die vollständig animierte Streamerin tritt in einer virtuellen Welt vor ihre Zuschauer.

Miko, so der Name des Avatars, sitzt dabei meist an ihrem Rechner und spricht mit ihrem Chat oder führt äußerst witzige Interviews mit anderen Streamern. Wie das genau aussieht, zeigt etwa folgender Clip, in dem Miko der Supermarkt-Streamerin HAChubby einen Streich spielen will:

Die große Besonderheit ist die Interaktivität, mit der die Streamerin ihren Chat in die Übertragung mit einbezieht. Nicht nur erscheint jede Chatnachricht im Brustbereich der Streamerin, der Chat kann auch aktiv in den Stream eingreifen. Wer hier rund 800 Bits (rund 10 Euro) spendet, kann Miko eine grüne Wolke pupsen lassen. Wer 4000 Bits (ca. 50 Euro) spendet, kann Miko sogar mit einer Atombombe in die Luft sprengen.

Ja, das Ganze ist technisch schon ziemlich beeindruckend. Doch wie funktioniert das alles und wer steckt überhaupt dahinter? Gespielt wird Miko von einer Programmiererin, deren echter Name nicht bekannt ist und sich selbst nur als »The Technician« bezeichnet. Laut eigenen Aussagen ist sie eine Gamedesignerin, die ihren Job verloren hat und mit dem Projekt CodeMiko Mitte 2020 alles auf eine Karte setzte.

Die Technikerin investierte 30.000 US-Dollar in einen Motion-Capture-Anzug und erstellte in der Unreal Engine 4 die komplette Umgebung sowie alle Funktionen, die man in ihren Stream zu sehen bekommt. Auch ihren Avatar Miko hat sie komplett in Eigenregie erstellt, inklusive aller Outfits und Kostüme. In einem Video zeigt die Entwicklerin, wie ihre Aktionen in der echten Welt in die virtuelle Realität übertragen werden:

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Auf Twitch ist CodeMiko jedenfalls ein riesiger Erfolg: Nachdem sie monatelang nur sporadisch streamte und dabei die Entwicklung ihres Projekts dokumentierte, startete sie im November 2020 als Vollzeit-Streamerin durch. Ihr Zuschauerschnitt steigerte sich innerhalb kürzester Zeit von durchschnittlich 400 auf über 9.000, die Anzahl ihrer Follower stieg von 20.000 auf über 500.000. Bis eine Sperre ihrem rasanten Wachstum einen Riegel vorschob.

Angst vor dem Twitch Ban

Miko bewegt sich gerne an der Grenze des auf Twitch Erlaubten: Sie ist dafür bekannt, provokative Themen zu besprechen und ihre Auftritte mit einer hohen Dosis sexueller Anspielungen zu versehen.

Ihre erste Sperre kassierte sie bereits im September 2020: Zuschauer konnten ihr damals für einen Dollar Bilder ihres »D« schicken - eigentlich harmlos, da es sich tatsächlich nur um Bilder des Buchstabens handelte. Twitch sperrte Miko trotzdem, da die Admins den Witz nicht verstanden haben und glaubten, dass sie pornographische Inhalte an ihre Zuschauer verkaufen würde.

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Im Februar 2021 folgte eine weitere Sperre, weil sie versehentlich die E-Mail-Adresse eines Zuschauers in ihrem Stream zeigte. Dieser Ban kostete CodeMiko nicht nur 4000 Abonnenten, die jeweils 5 Euro Monat zahlen - sie gilt seitdem für die Betreiber der Streaming-Webseite schon fast als Persona non grata. So wurde unter anderem ihre Einladung zu »Hivemind«, einer Quizshow auf Twitch, zurückgenommen.

All das nagt an der geistigen Gesundheit der Streamerin: Im Interview mit dem Psychiater Dr. Alok Kanojia, der den Kanal HealthyGamer_GG betreibt, sprach Miko darüber, sogar von Alpträumen geplagt zu werden:

"Im letzten Traum, den ich hatte, wollte ich Pizza bestellen. Ich hatte einen Flyer einer Pizzeria und ich zeigte meinem Chat den Pizzaflyer, ohne zu wissen, dass der Nachname und die Nummer des Besitzers auf dem Pizzaflyer waren. (…) Und ich wurde dafür gebannt und war so sauer."

Warum das Streaming kein so einfacher Job ist, wie viele meinen, erläutern wir euch in unsererm Plus-Report:

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Mittlerweile streamt Miko aber wieder täglich und begeistert ihre Zuschauer mit abgedrehten Interviews, neuen technischen Errungenschaften und ihrem gewohnt grenzwertigen Humor. Sie hat sich vorgenommen, in Zukunft noch mehr auf die Einhaltung der strengen Twitch-Regeln zu achten. Sofern keine weitere Sperre ihr einen Strich durch die Rechnung machen sollte, werden wir in Zukunft sicherlich noch eine Menge von CodeMiko hören.

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