Bei Early-Access-Titeln spricht man bei der Zeit zwischen Erstveröffentlichung und vollständigem Release oft von einer Reise: Die nach dem Start folgenden Updates heißen Meilensteine und dienen auf der »Roadmap« genannten Route als wichtige Leuchttürme Richtung Zielhafen namens Version 1.0.
In diesen Hafen läuft Valheim nach mehr als fünf Jahren im Early Access endlich ein. Die Community und die Entwickler erlebten die Zeit seit Februar 2021 wie einen wilden Ritt. Nach dem überwältigenden Start realisierte das schwedische Studio Iron Gate erst, welches riesige Potenzial ihr Open-World-Crafting-Koop-Rezept birgt. Nach einem Content-Stopp und einer Einstellungsoffensive folgten in den letzten Jahren mehr Biome, Rezepte, Materialien, Bosse und Mechaniken.
Und wo sollte die fast schon magische Reise von Valheim besser enden als im von Schnee und Eis bedeckten hohen Norden? Dieses letzte Biom erscheint offiziell mit Version 1.0 und erweist sich als würdiger Abschluss eines immens vielschichtigen Abenteuers. Wir bewerten auf den folgenden Seiten die komplette Reise.
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Valheim: Wir betreten endlich den Hohen Norden!
Aller Anfang ist kalt. Und nass.
In Valheim schlüpfen wir in die Rolle eines nordischen Kriegers, den Odins Walküren nach einem ehrenvollen Tod auf dem Schlachtfeld einsammeln und in die sogenannte zehnte Welt, Valheim, bringen (mehr Infos im Kasten). Zu lange entzieht sich dieses Land bereits dem Einfluss des Allvaters, sodass dort immer stärker werdende Monster ihr Unwesen treiben. Also sorgen wir im Auftrag des Einäugigen für Ordnung.
Anfangs kämpfen wir aber nicht gegen riesige Waldwesen oder stinkende Fleischberge, sondern eher mit trivialen Sorgen: Wo penne ich? Wie halte ich mich warm? Anders als in Minecraft und Co. zimmern wir nicht in wenigen Handgriffen ein komplettes Anwesen in die stimmungsvoller Low-Poly-Postkartenidylle, sondern agieren wesentlich kleinteiliger.
Die neun Welten der nordischen Mythologie
In der Altnordischen Glaubenswelt, verbindet der Weltenbaum Yggdrasil alle neun Reiche miteinander. In der Krone des Baumes leben die Götter in Asgard, Wanaheim und Alfheim. Im Zentrum liegt Midgard, die Heimat der Menschen, umgeben von der eisigen Riesenwelt Jotunheim und dem lodernden Muspelheim im Süden. Tief im Untergrund verbergen sich die düsteren Reiche. In Schwarzalbenheim schmieden die Zwerge ihre Schätze, während im Norden Niflheim in ewigem Eis und Nebel erstarrt. Ganz unten erstreckt sich Helheim, das stille Totenreich der Göttin Hel.
Aus dem Inventar craften wir einen Hammer. Dann stellen wir eine Werkbank auf, die das Bauen in einem bestimmten Radius erlaubt. Geht der Hammer kaputt, reparieren wir ihn an der Werkbank. Allerdings braucht die wie jede andere Crafting-Station auch ein Dach, sonst funktioniert sie nicht. Steht dann unsere Unterkunft, brauchen wir zum Schlafen neben dem Bett stets ein warmes Feuer. Weil das Rauch produziert, handeln wir uns ohne Schornstein oder Fenster im Dach eine saftige Rauchvergiftung ein. Weil uns beim Holz holen ein paar Bäume den Schädel eingeschlagen haben, kennen wir bis hierhin auch das beeindruckende Physik-System des Spiels.
Diese Mechaniken gehören zur Valheim-DNS, das Spiel zieht sie mit allen Werkbänken und Schmieden bis zum Ende durch, und wir bekommen sie von Anfang an eingeimpft. Nach etwas Anstrengungsgeknirsche zu Beginn gewöhnt man sich aber schnell an die Eigenheiten und plant bei jedem Haus und Außenposten entsprechend.
Zweckmäßige Story, bildgewaltige Inszenierung
In Valheim gibt es, wenn wir den Ozean mitzählen, neun Biome, die sich in Sachen Optik, Anforderungen, Belohnungen und Gegnern unterscheiden. In jedem Biom der prozedural generierten Welt (bis auf den Ozean) treffen wir auf einen von Odin gefürchteten Boss, den wir besiegen und anschließend ins nächste Biom weiterziehen. Vor den Bosskämpfen durchkämmen wir die Biome, entdecken neue Erze wie Bronze, Eisen und Silber, verbessern unser Equipment und stellen uns fürs aktuelle Biom maximal ausgerüstet dem dicken Brocken.
Das beschreibt im Prinzip den Gameplay-Loop von Valheim: ankommen, Biom erkunden, Ausrüstung verbessern, Boss legen, weiterziehen, insgesamt neunmal, fertig. Story-Enthusiasten vergnügen sich zum einen mit an Runensteinen geschriebenen kryptischen Texten über die Mythologie der Welt und ihren vorherigen Bewohnern. Außerdem erscheinen Hugin und Munin, Odins treue Raben, immer wieder mit wertvollen Tipps zu neuen Gebieten und Mechaniken.
Zum anderen schalten wir nach jedem Bosskampf eine extrem coole Zwischensequenz frei, die die zurückliegende Schlacht aus der Perspektive einer Wikingergruppe zeigt und den Weg ins nächste Biom andeutet. Diese Clips fallen durch ihre bildgewaltige und teils brutale Inszenierung im Anime-Stil positiv auf und übernehmen die wichtige Funktion der Spielerführung. Durch die Zwischensequenzen kennen wir unser nächstes Ziel für den Storyfortschritt genau. Ob wir dann da hingehen, lässt das Spiel uns aber offen.
In dieselbe Kerbe wie die Videoclips schlägt die Musik, die praktisch immer den richtigen Ton trifft. Von sanften Melodien beim Flanieren über satte Wiesen bis hin zu fetten Metal-Klängen in packenden Bosskämpfen präsentiert uns Valheim ein breites Spektrum akustischer Annehmlichkeit.
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