Hinweis: Dieser Artikel erschien ursprünglich im April 2020. Damals haben wir uns im Rahmen des fünften Jubiläums des Rollenspiels die Entwickler geschnappt, um mit ihnen in Erinnerungen zu schwelgen und lustige Anekdoten aus ihnen herauszuquetschen. Weil diese Erzählungen auch heute noch super spannend sind, ziehen wir diesen Artikel zum 10. Jubiläum des Rollenspiel-Meisterwerks nochmal aus unserem Archiv hoch.
Eigentlich müssten die Spieler die Welt von The Witcher 3: Wild Hunt schon auswendig kennen. Schließlich wird das Open-World-Spiel von CD Projekt Red seit Mai 2015 rauf- und runtergespielt und erlebt gerade durch die Netflix-Serie und den Release auf der Nintendo Switch sogar einen zweiten Frühling. Da haben wir ja auf jeden Fall schon jedes Geheimnis gelüftet, jedes Easter Egg ausgebrütet und alles mindestens einmal auf Reddit gepostet! Oder?
Die verantwortlichen Entwickler können darüber nur lachen. Wie uns Leveldesigner Miles Tost und Questdesigner Philipp Weber im Interview verraten, hat CD Projekt den Spielern da mehr als nur einmal ein Schnippchen geschlagen und das ein oder andere kuriose Geheimnis direkt vor ihrer Nase versteckt. Ein paar konnten wir ihnen dann aber doch entlocken und für euch zusammenstellen.
Welche geheimen Bugs lange Zeit in The Witcher 3 steckten und wie sie die Entwickler an den Rand eines Nervenzusammenbruchs brachten, lest ihr im großen Plus-Report:
Wie The Witcher 3 im Addon fast eine düstere Kriegsgeschichte erzählt hätte
Was es mit der Pestmaid auf sich hat
Die Questreihe von Keira Metz recht früh im Hexerabenteuer schickt euch auf die Reuseninsel, wo ihr den Turm von Magier Alexander untersuchen sollt. Dort trefft ihr den Geist der jungen Anabelle. Deren Familie versteckte sich im Turm, als Nilfgaard ins Land einfiel. Die örtlichen Bauern fühlten sich dadurch allerdings verraten und stürmten das Gemäuer kurzerhand mit Fackeln und Mistgabeln.
Um ihnen zu entgehen nahm die junge Adlige einen Zaubertrank des Magiers und verfiel so in eine künstliche Leichenstarre. Allerdings hielt ihr Geliebter sie wirklich für tot und die tragische Geschichte nahm ihren Lauf. Die durch den Trank vollkommen unbewegliche Anabelle wurde zurückgelassen und schließlich bei lebendigem Leibe von Ratten verspeist.
Seither lastet ein Fluch auf dem Turm, den Geralt nur brechen kann, wenn er die Gebeine der Verstorbenen zu ihrem Geliebten zum Begraben bringt - das glaubt der Hexer zumindest. Allerdings stellt sich Anabelle dann als Pestmaid heraus, die ihren Geliebten tötet und fortan Tod und Krankheit über das Land bringt. Hier endet ihre Geschichte im Spiel, ursprünglich sollte sie aber noch weitergehen.
Eine Seuche als biologische Waffe
Die erste Erweiterung für The Witcher 3 hätte sich nämlich ursprünglich um genau diese Pestmaid und die Auswirkungen des Krieges auf Novigrad drehen sollen. Die Pestmaid sollte tatsächlich die Pest über das Land bringen, was sich durch die schlechten hygienischen Zustände in Novigrad als fatal herausstellt. Gleichzeitig sollte das Addon zeigen, wie grausam Nilfgaard mit der Bevölkerung von Velen umgeht und uns regelmäßig mit Bergen von Leichen und anderen düsteren Abgründen des Krieges konfrontieren.
Es war sogar geplant, dass Nilfgaard die Pest als biologische Waffe instrumentalisieren sollte. Unser Hexer Geralt wäre dabei noch viel mehr in politische Machtkämpfe hineingeraten und vor schwere moralische Entscheidungen gestellt worden. Auch Spion Dijkstra sollte dort eine deutlich größere Rolle spielen.
Warum wurde die Story geschnitten? Die Antwort fällt denkbar simpel aus: The Witcher 3 war ohnehin schon riesig und wurde auch ohne 10 Stunden zusätzliche Handlung gerade so fertig. Deshalb verlegte man den Erzählstrang zunächst auf ein Addon, strich ihn letztlich aber ganz.
Überreste finden sich übrigens durchaus noch in der Open World: Habt ihr euch je gefragt, warum die Teufelsgrube in Velen komplett ausgebaut, aber verlassen und ohne jeden Questinhalt daherkommt? Hier hätte ursprünglich eine Quarantäne-Station für Pestkranke mit eigenem Queststrang entstehen sollen. Weil der sich ohne die übergreifende Handlung fremd und unfertig anfühlte, musste er aber ebenfalls weichen und der Ort blieb leer.

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