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Seite 2: Wird Crunch im Gaming künftig illegal? - Das sagen die Anwälte

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Kann man schon absehen, wie eine zukünftige Regelung zur Aufzeichnungspflicht aussehen wird?

Nach der Pressemitteilung ist den Mitgliedstaaten dabei ein Ermessensspielraum zugestanden, wie ein objektives, verlässliches und zugängliches System aussehen kann, mit dem die von einem jeden Arbeitnehmer geleistete tägliche Arbeitszeit gemessen werden kann.

Die Anthem-Entwicklung durchlief viele Kurswechsel, die sich auf das Wohl der Mitarbeiter auswirkten. Die Anthem-Entwicklung durchlief viele Kurswechsel, die sich auf das Wohl der Mitarbeiter auswirkten.

Die Regelungen der EU-Mitgliedstaaten sollen dabei ausdrücklich den Besonderheiten des jeweiligen Tätigkeitsbereichs oder Eigenheiten eines Unternehmens, etwa seiner Größe, Rechnung tragen. Die Stechuhr muss also nicht mehr reaktiviert werden, vielmehr stehen heute zahlreiche Möglichkeiten offen, Zeiten zu erfassen, zum Beispiel über eine Zeiterfassungsapp etc.

Wie könnte sich das auf die Games-Branche auswirken, die ja neuerdings häufig von Crunch, zu hoher Arbeitslast und unvergüteten Überstunden betroffen scheint?

Neben deutlich erhöhtem Verwaltungsaufwand hat die Aufzeichnungsverpflichtung von Beginn an zur Folge, dass Arbeitgeber noch mehr als bisher geeignete Maßnahmen treffen müssen, um z. B. auch nicht angeordnete überobligatorische Arbeit zu unterbinden. Gerade in der Kreativwirtschaft ist erhöhte Arbeitslast, Stichwort »Crunch«, aufgrund fester Veröffentlichungstermine natürlich ein Dauerthema. Durch eine Aufzeichnungspflicht ab Minute eins wird die Arbeit für Arbeitsschutzbehörden in Zukunft jedoch deutlich erleichtert.

Sie werden deshalb bei gleichem Personaleinsatz in deutlich mehr Unternehmen als bisher die Einhaltung der Arbeitszeitvorgaben überprüfen können. Um nicht dem Risiko eines Bußgeldes oder sogar einer Geldstrafe bzw. Freiheitsstrafe ausgesetzt zu sein, sollten Unternehmen bereits jetzt handeln und geeignete Maßnahmen ergreifen, um ihre Arbeitnehmer im Einklang mit den Vorschriften des Arbeitszeitgesetzes zu beschäftigen.

Video starten PLUS 18:21 Deutsche Entwickler über Crunchtimes - »Bringt uns die Spiele-Entwicklung um?«

Finanziell kann das Urteil eine verstärkte Geltendmachung von Überstundenvergütung zur Folge haben. Derzeit scheitern Überstundenklagen häufig daran, dass der beweisbelastete Arbeitnehmer die Erbringung der Überstunden nicht nachweisen kann. Bei einer entsprechenden Aufzeichnungsverpflichtung entfällt diese Hürde.

Bei der Geltendmachung von Klagen zur Überstundenvergütung können sich beispielsweise Arbeitnehmer, die Mitglied in einer Gewerkschaft sind, an diese wenden, um von dort kostenfreie Rechtsberatung für die Durchsetzung ihres Anspruchs zu erhalten. In der Videospielbranche bleibt aber erst noch abzuwarten, ob und wie sich tatsächlich Gewerkschaften formieren. Der Prozess hat hier erst begonnen.

Welche Auswirkungen könnte es auf große Entwicklerstudios mit Standorten überall auf der Welt haben?

Strengere Regelungen zur Arbeitszeit in der EU können im Markt dazu führen, dass Unternehmen Arbeitsplätze in nicht-EU-Länder verlagern. Das ist natürlich einfacher, wenn ein Unternehmen bereits über entsprechende Betriebe im nicht-europäischen Ausland verfügt, die dann entsprechend aufgestockt werden können.

Aufgrund der großen Nachfrage von Fachkräften in diesem Gebiet werden Unternehmen aber häufig nicht auf ihre erfahrenen Mitarbeiter in den EU-Ländern verzichten können und werden deshalb versuchen, intelligente Arbeitszeitlösungen zu finden, die im Einklang mit zukünftigen Aufzeichnungsregelungen stehen.

Stellt eine solch umfassende Dokumentationspflicht von Arbeitszeiten wie jetzt vom EuGH angeordnet nicht zugleich auch einen Datenschutzverstoß dar? Denkbar wäre schließlich auch, dass die Dokumentation der Arbeitszeit für Mitarbeiter in einigen Fällen nachteilhaft ist.

In der Tat spielte schon während des vorausgegangenen Verfahrens in Spanien eine Rolle, ob die Schaffung einer Liste über die von jedem Arbeitnehmer geleistete Arbeitszeit nicht zu einer Verarbeitung personenbezogener Daten mit der Gefahr eines ungerechtfertigten Eingriffs des Unternehmens in das Privatleben der Arbeitnehmer führen würde.

Der EuGH hat diese Bedenken in seiner Entscheidung jedoch nicht aufgegriffen. Unternehmen werden dennoch darauf achten müssen, dass sie bei der Einhaltung der neuen Verpflichtung zur Dokumentation von Arbeitszeiten nicht zugleich in Konflikt mit der Datenschutzgrundverordnung oder nationalen Datenschutzgesetzen geraten.

Video starten 23:00 Crunch bei Red Dead Redemption 2 - Videodiskussion: Braucht es 100-Stunden-Arbeitswochen für ein Meisterwerk?

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