Warum das Vegelbud-Anwesen in The Witcher 3 für gutes Open-World-Design steht

CD Projekt erzählt uns, wie die Vegelbud-Residenz in Witcher 3 immer weiter wuchs und warum sie zeigt, was eine gute Open World braucht.

von Elena Schulz,
21.04.2020 12:00 Uhr

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Vegelbud-Residenz: Hinter dem großen Herrenhaus in Velen verbirgt sich mehr, als ihr vielleicht denkt. Vegelbud-Residenz: Hinter dem großen Herrenhaus in Velen verbirgt sich mehr, als ihr vielleicht denkt.

Ihr seid in The Witcher 3: Wild Hunt wahrscheinlich schon zig Mal bei der Vegelbud-Residenz gewesen. Schließlich finden beim Herrenhaus einige Aktivitäten und Quests statt: Ihr kommt einem Mörder auf die Spur, begleitet Triss auf einen Maskenball oder beweist euch mit Plötze in Pferderennen.

Aber ist euch dabei je aufgefallen, wie viel Kreativität in diesem Anwesen steckt? Dass es mehr ist, als nur eine Kulisse? Die Vegelbud-Residenz wurde nicht einfach nur bis zum Bersten mit Inhalten vollgestopft, sondern erzählt selbst eine Geschichte, die wiederum die Open World von The Witcher 3 so viel lebendiger und glaubwürdiger erscheinen lässt. Wie CD Projekt das bewerkstelligt hat, verrät uns Leveldesigner Miles Tost im Interview.

Wie viel in der Open World steckt, zeigt übrigens auch unser Artikel zu den Details, die ihr vielleicht übersehen habt:

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Die Vebelbud-Residenz: Kleines Anwesen Nimmersatt

  • Miles erklärt uns, dass das Anwesen ursprünglich als kleines, von einer Mauer umsäumtes Haus begann, das gerade einmal die Größe des Innenhofs von Kaer Morhen hatte. Weil es auf einem Hügel recht herrschaftlich gelegen war, konnte er sich aber von Anfang an mehr dort vorstellen.
  • Das Herrenhaus war schon immer als Schauplatz für die Suche nach dem Serienmörder im Rahmen der Quest »Fleischliche Sünden« geplant. Beim Gestalten der offenen Welt bauten die Designer erst die Orte für Missionen und planten dann die Umgebung drumherum.
  • Dazu teilten sie die Karte in verschiedene Bereiche wie das »Umland von Novigrad« ein, das vor allem der Versorgung der großen Stadt dient.
  • Deshalb findet ihr dort auch so viel Ackerbau oder Viehzucht. Die Bauern erwirtschaften hier die Güter, die sie anschließend in die Stadt verkaufen. Damit wollte der Entwickler auch einen Kontrast zum Niemandsland erschaffen, wo der Krieg seine Spuren hinterlassen hat.
  • Das Vegelbud-Anwesen musste also in diesem Kontext funktionieren, was Miles zum Grübeln über seinen Zweck brachte - und dem Herrenhaus sein fast unkontrolliertes Wachstum, weshalb Miles es scherzhaft als »gutartiger Tumor« bezeichnet.

So fing es an... Das Vegelbud-Anwesen begann als kleines Gebäude in der Spielwelt...

... und so sieht es jetzt aus. ... wuchs mit der Zeit aber zu gewaltiger Größe heran.

Novigrad ist im Spiel zwar auch jetzt eine große Stadt, aber wusstet ihr, dass sie mal ein eigenes Areal bekommen sollte? Dem und mehr widmen wir uns in unserem Plus-Report zu den gestrichenen Inhalten von The Witcher 3:

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Außerdem gab es sogar mal zwei Novigrads auf einmal. Dem widmen wir uns aber in unserm Report zu den verrückten Bugs von The Witcher 3, die nie ein Spieler gesehen hat.


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Wenn ein Ort zum Gemeinschaftsprojekt wird

Die Vegelbuds sollten von Anfang an wohlhabend sein. Irgendwas mussten sie also erfolgreich nach Novigrad importieren, das ihnen solchen Reichtum beschert hatte. Miles entschied sich für ein Gut, das wirklich nur die Reichen interessiert: Parfüm - auch weil im Spiel immer wieder Parfüm-Flakons rumstehen und der Designer ihnen gerne einen Ursprung verpassen wollte.

Für die Parfüm-Herstellung musste die Fläche aber wachsen. Denn für herrliche Düfte braucht man Blumen, die nun rundherum um das Herrenhaus gedeihen. Weil die nicht einfach in die Fläschchen hüpfen, baute man dann noch einen Ort zur Verarbeitung an dem die Mixturen entstehen und Blumen zum Trocknen aufgehängt werden. Environment Artists schnappten sich die ursprüngliche Idee von Miles und kleideten sie dank eigener 3D-Modelle in ein schönes und vor allem passendes Gewand, das die Geschichte unterstützte.

Blumenfelder Hier werden die Blumen für das Parfüm angebaut...

Parfüm-Produktion ... und hier anschließend getrocknet und weiterverarbeitet.

Questdesigner platzierten anschließend wiederum die passenden NPCs: Arbeiter rühren die Töpfe um und hochnäsige Damen kommentieren mit passenden Voice Samples die lieblichen Gerüche. Das reichte ihnen aber noch nicht. Den Quest-Machern gefiel die Residenz mittlerweile so gut, dass sie gleich noch die Pferderennbahn dazubauten und einen Teil der Triss-Liebschaft hier stattfinden ließen. Ihr könnt die Magierin hier auf einen Maskenball begleiten und einen romantischen Abend mit ihr erleben.

Erfahrt, wie das Labyrinth den Entwickler ins Schwitzen brachte:

Was Parfüm mit einer guten Open World zu tun hat

Der Ort entstand aber nicht nur als Kulisse für diese Missionen. Er erzählt seine eigene Geschichte. Aufmerksame Spieler werden feststellen, dass das Vegelbud-Anwesen nicht für sie existiert. Es ist kein Spielplatz für Geralt, sondern Teil der Wirtschaft und Lebenswirklichkeit von Novigrad.

Genau wie die anderen Orte im Umland der Stadt: Novigrad besteht zum Beispiel größtenteils aus Ziegeln. Aber wo kommen diese Ziegel her? CD Projekt baute deshalb ein eigenes Dorf in die Umgebung, das sich ganz der Herstellung des Baumaterials widmet und sorgte für die richtige Infrastruktur.

Über die liefern die Einwohner dann die Ware nach Novigrad. Zu denen zählt übrigens auch ein alter Bekannter aus The Witcher 1, den ein Sprachfehler quält. Besucht ihn doch mal! Und erfahrt in unserem großen Reiseführer zu The Witcher 3 mehr über geheime Orte und versteckte Easter Eggs in der Open World.

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Dieses »Environmental Storytelling« macht für Miles auch gutes Leveldesign in einer Open World aus. Für ihn muss die Welt für sich sprechen und ein Designer stets hinterfragen, warum ein Ort im Spiel so aussieht und nicht anders. Nur wenn die Open World selbst eine Stimme hat, kann sie echt und glaubwürdig auf den Spieler wirken - auch wenn der nur selten bewusst zuhört.

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