Age of Empires 4 verärgert gerade viele seiner Fans - woran liegt's?

Das Winter Update ist der größte Patch, den Age of Empires 4 bislang bekommen hat. Doch die Neuerungen sorgen für etwas dicke Luft.

von Fabiano Uslenghi,
02.12.2021 11:53 Uhr

Na, was ist denn bei Age of Empires 4 los? Das RTS wird derzeit in den sozialen Medien, in den offiziellen Foren und auf YouTube ungewöhnlich scharf kritisiert. Und zwar von den eigenen Fans, die mit vielen der Neuerungen für ihr Strategiespiel mehr als unzufrieden sind.

Dabei kam das große Update erst einmal etwas früher, als viele wohl erwartet haben. Zwar wurde ein umfangreiches Winter Update schon mit der Bekanntgabe der Roadmap angekündigt, da Patch 7879 aber erst kurz davor veröffentlicht wurde, rechnete man eher mit Mitte bis Ende Dezember. Jetzt erschien der nächste Patch (Update 8324) bereits am 29. November 2021.

Schon nach dem letzten Patch gab es verfrühten Unmut vieler Fans. Damals regte man sich hauptsächlich darüber auf, dass der Patch zu wenig leistete. Zumal das Spiel zu diesem Zeitpunkt bereits einige Woche erhältlich war. Das neue Update wird nun einerseits aus ähnlichen, andererseits aus ganz anderen Gründen bemängelt.

Was die Fans genau an Update 8324 stört, fassen wir hier für euch zusammen. Die Patch Notes gibt es an anderer Stelle zu sehen:

Age of Empires 4: Riesiges Winter-Update   36     8

Mehr zum Thema

Age of Empires 4: Riesiges Winter-Update

Ärgernis Nummer 1: Das Reiter-Dilemma

Insbesondere im kompetitiven Multiplayer laufen Spiele wie Age of Empires 4 Gefahr, dass nicht alle Inhalte auch den selben Nutzen bringen. Wenn es um Sieg oder Niederlage geht, halten sich Profis und alle, die es werden wollen, nicht mit scheinbar überflüssigen Spielinhalten auf.

Gutes Spieldesign zeigt sich also in diesem Fall auch dann, wenn alle Mechaniken einen Nutzen haben und verschiedene Strategien ermöglichen. Und hier droht Age of Empires 4 laut der Einschätzung der Fans gerade eine Säule wegzubrechen. Die Reiter-Einheit soll nach Update 8324 nämlich jeglichen Nutzen verloren haben.

Als Reiterfraktion könnten die Mongolen von guten Reitern profitieren. Allerdings kommt das Volk in der Meta aktuell auch ohne ganz gut klar. Als Reiterfraktion könnten die Mongolen von guten Reitern profitieren. Allerdings kommt das Volk in der Meta aktuell auch ohne ganz gut klar.

Bereits vor Update 8324 boten die Reiter bis auf die geringeren Kosten quasi keinen Vorteil gegenüber den Rittern und wurden deshalb meistens übergangen. Deshalb sind Spieler nun verwundert, dass der neue Patch die Reiter sogar noch weiter abschwächt. Ein kurzer Blick auf den Nerf:

  • Die Fernkampf-Rüstung aller Reiter wurde von 0 auf 1 gehoben.
  • Die Gesundheit der frühen Reiter wurde von 125 auf 100 gesenkt.
  • Die Gesundheit der Reiter wurde von 155 auf 125 gesenkt.
  • Die Gesundheit der Veteranen Reiter wurde von 190 auf 155 gesenkt.
  • Die Gesundheit der Elite Reiter wurde von 225 auf 180 gesenkt.

Alle Reiter sind nun also deutlich fragiler, ohne an Stärke oder Geschwindigkeit zu gewinnen. Zwar haben sie nun eine bessere Rüstung gegen Fernkampfwaffen, doch dieser Buff wird durch die niedrige Gesundheit nahezu ausgeglichen. Mit dem ergänzenden Nachteil, dass Nahkämpfer noch mehr Schaden anrichten. Zusammen mit dem Schadensbuff für Speerkämpfer gegen berittene Einheiten sieht die unmittelbare Zukunft der Reiter düster aus.

Ärgernis Nummer 2: Delhi-ted

Der zweite Grund, wieso viele Fans aktuell schockiert vermuten, dass »die Entwickler wohl ein ganz anderes Spiel spielen«, hängt mit den Abzügen für das Delhi Sultanat zusammen. Die Fraktion mit den Kriegselefanten und den weisen Gelehrten bekommt durch Update 8324 nämlich ein paar sehr heftige Nerfs. Solche Schwächungen einzelner Fraktionen aus Balance-Gründen sind bei Updates von Multiplayer-Spielen nicht selten. Doch niemand hätte erwartet, dass es ausgerechnet das Sultanat so hart trifft.

Age of Empires 4 hat wieder Kriegselefanten, dank des Delhi-Sultanats 0:55 Age of Empires 4 hat wieder Kriegselefanten, dank des Delhi-Sultanats

Delhi galt schon vor dem Patch als eine eher schwache Fraktion. Das Sultanat blüht mit seinen Elefanten eigentlich erst gegen Ende auf und muss davor schwer mit der Forschungsgeschwindigkeit kämpfen. Technologien kosten die Delhi zwar nichts, aber sie bekommen sie viel langsamer. Es sei denn, man bildet Unmengen an Gelehrten aus. Das macht Delhi vor allem für Anfänger eher schwer zugänglich.

Der größte Vorteil von Delhi war im kompetitiven Multiplayer lange, mithilfe der Technologie Heiligkeit schon im dunklen Zeitalter Heilige Stätten zu erobern. Früher als alle anderen Fraktionen. Das funktioniert nun erst ab der Feudalzeit. Damit soll das Sultanat praktisch unspielbar sein - zumindest laut vieler aktiver Spielerinnen und Spieler.

Was ist mit den Forschungsbuffs?

Wer die Patch Notes kennt, der weiß: Die Forschungsgeschwindigkeit der Delhi hat sich verändert. In der Dunklen Zeit und in der Feudalzeit forschen die Delhi jetzt laut Patch Notes etwas schneller. Gleichzeitig dauert das Forschen im Imperialzeitalter dreimal länger. Von einem spürbaren Buff, kann man hier also nicht reden. Zumal die schnellere Forschung derzeit verbuggt scheint. Es gibt mehrere Berichte mit Bildbeweisen, in denen Gelehrte das Tempo der Forschung nicht mehr erhöhen.

Age of Empires 4 Völker-Guide: Das Delhi-Sultanat   0     3

Mehr zum Thema

Age of Empires 4 Völker-Guide: Das Delhi-Sultanat

Ärgernis Nummer 3: Alte und neue Probleme

Final ärgern sich die Fans von Age of Empires 4, dass der Patch einerseits bekannte Problem weiterhin nicht angeht und andererseits neue Erzeugt. Fangen wir erst einmal bei den alte Schwierigkeiten an.

Alte Schwierigkeiten:

Bereits nach der Beta wurden einige Elemente von Age of Empires 4 kritisiert. Darüber haben wir schon im Detail berichtet, unter anderem im GameStar-Test. Die fehlenden Hotkey-Funktionen beispielsweise oder dass keine Wegmarken angezeigt werden. Probleme solcher Art gibt es nach wie vor. Viel mehr stört besonders der kompetitive Community allerdings, dass die Übermacht der Rutten bestehend bleibt. Aktuell sind diese Belagerungswaffen nämlich in jedem Spiel ausschlaggebend für den Sieg und haben praktisch keinen natürlichen Konter, außer sich selbst.

Die Hoffnung war, dass das nächste Update dieses bekannte Problem in den Griff bekommt. Das haben sie aber nicht. Gleiches gilt für einen Exploit, mit dem durch das Löschen von Steinmauern unendliche Ressourcen möglich sind. In den Patch Notes wurde stattdessen darauf hingewiesen, dass dem Team diese Probleme bekannt sind.

Es gibt einen Exploit in Age of Empires 4, mit dem durch den Abbruch des Baus von Steinmauern unendlich Stein generiert wird. Es gibt einen Exploit in Age of Empires 4, mit dem durch den Abbruch des Baus von Steinmauern unendlich Stein generiert wird.

Neue Probleme:

Age of Empires 4 ist im Großen und Ganzen erfreulich Bugbefreit, aber kleine Fehler sind fast nie zu vermeiden. Mit dem neuen Update haben sich weitere Bugs ins Spiel geschlichen, die Laut der Meinung einiger Spielrinnen und Spieler bestimmt vermeidbar gewesen wären. Der mittlerweile infamste dieser Bugs betrifft die Speerkämpfer der Abbasiden Dynastie. Hier ist besonders ärgerlich, dass es sich zusätzlich um einen Exploit handelt, mit dem im Multiplayer leichte Siege errungen werden können.

Der Exploit macht es möglich, Speerkämpfer mehrmals die Phalanx-Technologie zu verpassen. Da diese Technologie die Reichweite aber um 100 Prozent erhöht, können Speerkämpfer irgendwann auf absurde Distanzen angreifen. Mehr dazu hier:

Age of Empires 4: Absurder Bug erzeugt übermächtige Speere   9     1

Mehr zum Thema

Age of Empires 4: Absurder Bug erzeugt übermächtige Speere

Über den Bug bei dem Delhi Sultanat haben wir ja schon gesprochen. In seiner Summe hat das jetzt diesen Unmut unter der Spielerschaft zur Folge.

Die andere Seite

Fairerweise sei gesagt, dass es auch viele positive Aspekte des neuen Updates gibt. Beispielsweise wurde sich einiger Exploits angenommen und es wurden Design-Probleme angegangen, die viele Spieler gestört haben. Beispielsweise hat Relic auf die Übermacht der Franzosen reagiert. Ihre Schiffe lassen sich jetzt leichter knacken und da Speerkämpfer nun effektiver gegen berittene Einheiten sind, sollten auch die Königlichen Ritter sich besser in Acht nehmen. Chinesen-Spieler freuen sich zudem darüber, dass der Dynastie-Knopf nun nicht mehr mitten im Bildschirm prangt.

Die Minimap sieht nun etwas anders aus, mit kleineren oder besser zu erkennenden Symbolen. Die Minimap sieht nun etwas anders aus, mit kleineren oder besser zu erkennenden Symbolen.

Auch die Mini-Map wurde überarbeitet, in dem viele Symbole verkleinert wurden und einige wie die Relikte optisch leicht angepasst. In der Theorie überlappen die Symbole dann nicht mehr so oft wie vor dem Update. Optimal ist diese Lösung allerdings noch nicht, zumal manche Hinweise wie Fischvorkommen in einigen Flüssen komplett entfernt wurden. Die Rufe nach einer größeren Karten sind immer noch laut.

Das sagen die Entwickler

In einem Stream auf Twitch sprachen einige Entwickler bei Relic bereits über das Update und gingen hier auch auf die Kritik ein. Zum Nerf für das Delhi Sultanat sagten sie etwa:

Das Problem, das wir mit der Heiligkeit-Technologie hatten, war, dass sie so mächtig war, dass sie zur einzigen Strategie wurde, die in jedem Spiel genutzt wurde. Wir wollen aber, dass es eine Varianz an Strategien gibt. Delhi hat immer nur diese Strategie genutzt und sie war so gut, dass der Gegner reagieren musste. [...] Um das anzugehen, wollten wir dafür sorgen, dass sich Delhi nicht so anfühlt, als müssten sie diese Strategie nutzen um effektiv zu sein. Deshalb haben wir die Forschungsgeschwindigkeit in den ersten beiden Zeitaltern erhöht, damit alle Delhi-Strategien jetzt effektiver sind und man das Gefühl hat, viele verschiedene Optionen und Strategien zu haben, anstatt dazu gezwungen zu sein, Heiligkeit zu benutzen.

- Eric Wrobel, Game Designer

Auch zur Überarbeitung der Reiter gab es einiges zu sagen:

Reiter sollten der Konter für Bogenschützen sein, oder? Das ist der Grund, warum wir die Gesundheit reduziert, ihnen aber Fernkampfrüstung gegeben haben. Weil wir wollten, dass sie weiter gut gegen Bogenschützen sind, aber nicht so gut gegen andere Reiter oder wenn sie gegen Einheiten wie Waffenknechte kämpfen, da Waffenknechte sehr viel langsamer sind, also haben die Reiter einen großen Mobilitäts-Vorteil und kann deshalb in die Basis gelangen, plündern und viele Einheiten töten, während die Waffenknechte hinterherlaufen.

Wir finden, dass Reiter Bogenschützen in niedriger Anzahl wirklich abschlachten könnenm aber sobald es sehr viele Reiter gegen sehr viele Bogenschützen sind, wird es schwerer für die Reiter. Wir überlegen uns also immer noch nach ein paar Änderungen und haben ein paar Verbesserungen geplant, aber wir betreiben sehr viel Playtesting um sicher zu gehen, dass wir es beim nächsten Update richtig hinkriegen.

- Eric Wrobel

Das Team verspricht einige der neue Bugs wie das Problem mit den Speeträgern mit einem Patch zu fixen, der in der Woche vom 6. Dezember erscheinen soll. Dann will man sich außerdem die Übermacht der Rutten zur Brust nehmen.

Wie steht es bei euch, seid ihr mit dem Update zufrieden oder wiegen die Probleme eurer Meinung nach zu schwer. Stimmt in unserer Umfrage ab.

zu den Kommentaren (60)

Kommentare(60)

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.