Anthem - Das reicht nicht, BioWare!

Dem ersten Anthem-Gameplay fehlt alles, was BioWare-Spiele früher so genial gemacht hat, findet Maurice.

von Maurice Weber,
12.06.2017 15:32 Uhr

Gleich mal vorneweg: Ja, das erste Gameplay zu BioWares neuem Actionspiel Anthem sieht verdammt spektakulär aus. Wenn alles glattgeht, könnte das Ding ein richtig bombastischer Shooter werden, ein eindrucksvoller Open-World-Titel und vielleicht sogar ein Beuteballerei-Konkurrent für Destiny 2.

Nur: Ob's auch ein gutes BioWare-Spiel wird, darüber verriet mir die Präsentation überhaupt nichts. Und das halte ich für einen riesigen Fehler.

BioWare heißt Story

Denn BioWare-Spiele kaufe ich nicht für das schnelle Vergnügen einer nervenaufreibenden Schießerei oder oberflächlichen Technik-Augenschmaus. Es sind die tieferen Freuden, die dieses Studio zu einem meiner absoluten Lieblingsentwickler gemacht haben: Die spannenden Geschichten, die liebenswerten und hassenswerten und rundum faszinierenden Charaktere.

Anthem - Gameplay aus dem neuen Bioware-Koop-Game 6:54 Anthem - Gameplay aus dem neuen Bioware-Koop-Game

Und klar: Anthem könnte genau das alles ebenfalls bieten. Sollte es sogar! Denn es wäre gerade im Bereich der Multiplayer-Beuteshooter ein enorm mächtiges Alleinstellungsmerkmal und für Leute wie mich der beste Grund, unsere Zeit lieber in Anthem zu versenken als in Destiny 2 oder The Division oder ein eventuelles Borderlands 3.

Das Falsche gezeigt

Umso unbegreiflicher also, warum BioWare bei der Weltpremiere von Anthem - jener Enthüllung, die die Erwartungen der Spielerschaft an den Titel maßgeblich bestimmen wird - so wenig mit seinen klassischen Stärken aufgetrumpft hat. Im Gegenteil: Man prahlte lieber mal wieder mit der nächsten ach so fantastischen offenen Welt, obwohl BioWare sich hier noch kaum mit Ruhm bekleckert hat, weder bei Dragon Age: Inquisition noch Mass Effect: Andromeda zählte.

Anthem - Biowares neues Online-Spiel im Ankündigungs-Trailer 0:52 Anthem - Biowares neues Online-Spiel im Ankündigungs-Trailer

Das »neue« BioWare will den Open-World-Trend mit voller Kraft voraus reiten, hat den Ehrgeiz, die allergrößten und schönsten zu basteln - aber bislang noch nicht bewiesen, dass man die dann auch so gut mit Leben und einzigartigen Quests füllen kann wie Bethesda oder CD Projekt Red.

Fasst euch kurz: Warum weniger oft mehr ist

Stattdessen arten die Aufgaben zu oft in eintönige Beschäftigungstherapie aus. Für Anthem muss BioWare das mit mehr Verstand angehen, als einfach nur wieder die größte, schönste, gewaltigste Welt aus dem Boden stampfen zu wollen. Anthem darf vor allem die Fehler von Andromeda nicht widerholen.

Der Autor
Maurice Weber ist eigentlich ein großer Fan von Beuteshootern. Er hat Borderlands mit großer Begeisterung gespielt und freut sich sehr, dass es Destiny 2 auch auf den PC schaffen wird. Aber noch viel lieber mag er die großen BioWare-Meisterwerke aus grauer Vorzeit: Baldur's Gate, Knights of the Old Republic, Dragon Age: Origins. Und er wünscht sich nichts sehnlicher, als sich über ein neues BioWare-Spiel endlich mal wieder so wahnwitzig euphorisch freuen zu können wie damals! Umso mehr frustriert es ihn, dass sich das Studio immer mehr zur Shooter-Fabrik entwickelt.

Ein Köder für Shooterfans?

Nun ist Story-Tiefgang in sechs Minuten Gameplay freilich schwer zu zeigen. Aus reiner Marketingsicht mag es sogar Sinn ergeben, sich erstmal auf Ballereien, Beute und die Open World zu konzentrieren. Damit kann BioWare ganz neue Fans ansprechen und sich drauf verlassen, dass die alten Jünger trotzdem erstmal davon ausgehen werdem, dass sich unter all der Action schon noch eine tolle Story verbergen wird. War ja bislang (fast) immer so.

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Aber: Diese alten Jünger sind inzwischen auch keine so unerschütterlich treue Fanbase mehr, wie sie mal waren. Wo ich BioWare-Spiele früher blind gekauft habe, bin ich nach Dragon Age 2 und Mass Effect: Andromeda vorsichtiger geworden. Das Studio hat nicht nur der neuen Action-Zielgruppe mit Anthem einiges zu beweisen - sondern auch seinen Fans der ersten Stunde. Und dafür sollte es sich auch auf seine Stärken der ersten Stunde besinnen.

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