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Feiert Marvel's Avengers mit War for Wakanda 2021 sein großes Comeback?

Knapp ein Jahr nach Release steht mit War for Wakanda die größte DLC-Erweiterung in den Startlöchern. Aber kann das Addon das strauchelnde Service Game retten?

von Dimitry Halley,
16.08.2021 17:48 Uhr

In der Gaming-Welt gibt es so viele schöne Comeback-Geschichten. No Man's Sky, Battlefront 2, Rainbow Six: Siege, selbst Ghost Recon: Breakpoint - allesamt Spiele, die zum Release so beliebt waren wie Mückenstiche in der Kniekehle, aber über die Jahre reiften wie gutes Bier oder so. So zornentbrannt die Gaming-Community auch manchmal sein mag: Wenn ein Spiel sich verbessert, bekommt es in den meisten Fällen eine zweite Chance.

Stellt sich natürlich die Frage: Gilt das auch für Marvel's Avengers? Der Superheldenklopper bot zum Release im August 2020 zwar eine sehr launige Kampagne, aber bloß maues, eintöniges »Ich verdresche die immer gleichen Gegner«-Gameplay. Kein Wunder, dass der groß angepriesene Live Service des Spiels ähnlich tot an den Start ging wie damals die HD DVD.

Mit War for Wakanda kommt ein Jahr nach Release am 17. August 2021 die bisher größte Erweiterung. Als jemand, der Avengers weit länger die Treue gehalten hat als der Rest der GameStar-Redaktion, habe ich mir natürlich gesagt: Gut, das lasse ich mir von den Entwicklern gerne mal zeigen. Reichen Wakanda und der neue Held Black Panther für das Comeback? Oder ist es - wie der Franzose sagen würde - »too little too late«?

Was liefert der kostenfreie DLC War for Wakanda?

War for Wakanda liefert einen neuen spielbaren Helden - Black Panther -, neue Feinde, eine Handvoll neue Kampagnenmissionen, Drop Zones für Singleplayer wie Multiplayer und einen neuen Schauplatz. Ihr könnt jetzt kurz raten, um welchen es sich handelt. Fängt mit »W« an, endet mit »akanda«. Zwei dieser Kampagnenmissionen konnte ich mir in Gänze anschauen, die Präsentation dauerte etwa eine Stunde. Der Reveal-Trailer gibt einen ganz guten Einblick:

Marvel's Avengers: Black Panther Reveal Trailer 0:54 Marvel's Avengers: Black Panther Reveal Trailer

Black Panther kämpft dort im Dschungel Wakandas gegen feindliche Söldner, es gibt sogar einen neuen Bosskampf gegen Hydra-Handlanger Crossbones. Außerdem prügelt er sich mit Roboterspinnen, erkundet alte Ruinen (Entwickler Crystal Dynamics hat für die ja ein altbekanntes Faible) - und das alles ist eben mehr von dem, was es auch im Hauptspiel schon gab. T'Challa spielt sich wie ein Mix aus Black Widow und Captain America, also ein etwas flinkerer, muskelbepackter Haudrauf, der alternativ Wurfmesser schleudert oder einen mächtigen Panther beschwört.

In ruhigeren Momenten erkundet ihr die neue Hub-Basis im Herzen von Wakandas Hauptstadt, unterhaltet euch mit T'Challas Schwester Shuri und den Dora Milaje. Vertont wird Black Panther vom legendären Stargate-Darsteller Christopher Judge (Teal'c), der auch Kratos im 2018er God of War die Stimme lieh. Worum es im DLC genau geht? Tja, gute Frage.

Worum geht's denn eigentlich?

Die Story erreicht in den ersten beiden Missionen in etwa das Niveau eines guten Samstagmorgen-Superhelden-Cartoons (gibt es sowas heute noch?). Das formuliere ich jetzt bewusst optimistisch, weil ich mich permanent zusammenreißen musste, nicht das Interesse zu verlieren. Marvel-Schurke Klaue hat irgendwas im Dschungel angestellt und jetzt mischen Robo-Spinnen und Söldner und Crossbones und Co. mit und deshalb muss ich jetzt irgendwas zerstören und ... also nicht falsch verstehen, das alles ist nicht komplex oder schlecht, bloß ein bisschen belanglos.

Neben den regulären Synths gibt es jetzt auch Roboterspinnen. Neben den regulären Synths gibt es jetzt auch Roboterspinnen.

Judge und Co. machen beim Vertonen einen guten Job. Wenn später die anderen Avengers mitmischen ergibt sich eine nette Dynamik, aber die Story wirkt weit, weit vom Charme eines Black-Panther-Kinofilms entfernt, der massiv vom Zusammenspiel eines Chadwick Boseman mit Michael B. Jordan profitierte. Aber da man im Avengers-Spiel abseits von Prügeleien ohnehin nie groß mit der Spielwelt interagiert, wird zumindest schnell klar, was ihr hier bekommt: mehr Action.

Spielt sich das denn gut?

Marvel's Avengers hat fast schon unerträglich realistisch den Alltag eines 70er-Jahre-Comichelden simuliert: Jede Woche muss ich gegen die immer gleichen Bosse (Taskmaster, Abomination) antreten, weil die Vögel einfach nicht im Knast bleiben wollen. Dass War for Wakanda mir direkt im ersten Level einen neuen Superschurken - Crossbones - entgegenschleudert, hach, das schmeckt wie Pina Colada nach sechs Stunden Bierhalle.

Crossbones erweitert den extrem überschaubaren Pool an Superschurken. Crossbones erweitert den extrem überschaubaren Pool an Superschurken.

Und das beschreibt den generellen Effekt von War for Wakanda ganz gut: Black Panther, die neuen Feinde und Schauplätze fühlen sich unheimlich erfrischend an, weil das Hauptspiel auf Dauer so furchtbar austrocknet. Und das sei wirklich gesagt: Wenn ihr die Kämpfe in Marvel's Avengers mochtet, bekommt ihr hier sehr wahrscheinlich ein paar launige Stunden, und das völlig kostenlos! Es sieht super spaßig aus, mit T'Challas Fertigkeiten zu experimentieren, Wurfmesser zu schleudern, den Panther zu entfesseln und, und, und.

Aber blickt man aufs große Ganze, dann ändert War for Wakanda zu wenig an Marvel's Avengers' grundlegenden Engpässen: Die Kämpfe bleiben ein langatmiges »Runterchippen« der gegnerischen Lebensleisten - schon in den ersten zwei Missionen wiederholen sich die Feinde in jedem Areal, das ganze Loot-System will immer noch nicht so recht motivieren und, und, und.

Klaues Söldner bilden die neue Schurkenfraktion und attackieren euch im Nah- wie Fernkampf. Klaues Söldner bilden die neue Schurkenfraktion und attackieren euch im Nah- wie Fernkampf.

Und aus Marketingsicht dürfte Black Panther auch nicht der richtige Schachzug sein, um vergraulte Fans zurückzubringen. So gern ich T'Challa als Comicfan auch mag, rein spielmechanisch ist er halt der mittlerweile vierte muskulöse Haudrauf-Kerl. Für eine echte spielerische Abwechslung hätte wahrscheinlich eher eine kosmische Superheldin wie Captain Marvel oder Netzschwinger Spidey oder auch mal ein mystischer Schurke wie Loki gesorgt - eben Figuren, deren Fähigkeiten das altbekannte Kampfsystem mal wirklich umkrempeln.

Bringt War for Wakanda die große Wende?

Beschert War for Wakanda dem Hauptspiel also das große Comeback? Nö. Dafür springt der Panther einfach nicht weit genug - all die Probleme, die viele Leute am ursprünglichen Avengers genervt haben, stecken nach wie vor im Spiel. Klar, Kleinigkeiten wurde verbessert. Meine Kollegen und ich können jetzt vier Thors spielen, falls wir wollen. Aber solche Trostpflaster heilen nicht die tiefen Wehwehchen, die Avengers plagen.

Und jetzt das große Aber: Ich habe schon im ursprünglichen Test zu Marvel's Avengers eine asgardische Lanze dafür gebrochen, das Spiel wegen seines behämmerten Battle-Pass-Systems und all der Gleichförmigkeit nicht gleich in die Ecke zu feuern. Falls ihr Lust auf ein bisschen Superhelden-Klopperei habt für ein paar Koop-Feierabende mit Bekannten, dann kann Avengers echt Laune machen. Und War for Wakanda wird hier sehr wahrscheinlich - sofern die übrigen Missionen den Trend der ersten beiden fortsetzen - eine schöne, kostenlose Inhaltserweiterung bieten.

Abseits der Missionen erkundet ihr das neue Hub-Gelände von Wakanda. Abseits der Missionen erkundet ihr das neue Hub-Gelände von Wakanda.

Falls ihr das Spiel also besitzt und seit Release nicht mehr angefasst habt: Jetzt wäre eine gute Gelegenheit, die neuen Figuren (Hawkeye, Kate Bishop und T'Challa) mitzunehmen und euch die neuen Inhalte anzuschauen. Ich wäre nur persönlich vorsichtig, direkt 40 Euro dafür zu latzen. Selbst mit kostenlosem Addon.

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