CS:GO - Skandalteam 100 Thieves aufgelöst, bevor ein einziges Match gespielt wurde

Es sollte ein Neustart werden: Die Ex-Immortals-Spieler wurden von 100 Thieves unter Vertrag genommen. Nach weiteren Skandalen und einer WM-Absage hat sich die Organisation jetzt von den Spielern getrennt, bevor ein einziges Match gespielt wurde.

von Stefan Köhler,
02.02.2018 16:13 Uhr

100 Thieves wurde aus den Überresten des Immortals-Teams gegründet, den ehemaligen Vizemeistern in Counter-Strike. Nach Problemen wurde die Mannschaft aufgelöst, ohne ein einziges Match bestritten zu haben.100 Thieves wurde aus den Überresten des Immortals-Teams gegründet, den ehemaligen Vizemeistern in Counter-Strike. Nach Problemen wurde die Mannschaft aufgelöst, ohne ein einziges Match bestritten zu haben.

Das dürfte ein neuer Rekord sein: Die Organisation 100 Thieves hat sich von seiner Counter-Strike-Mannschaft getrennt, bevor auch nur ein einziges Spiel gespielt wurde. Für die brasilianische Skandaltruppe, die noch im Sommer 2017 im Finale der CS:GO-Meisterschaft unter dem Namen Immortals spielte, schließt sich damit erneut eine Tür zurück zum großen Profibereich.

Dem offiziellen Statement nach wird sich 100 Thieves nach nur wenigen Monaten komplett aus Counter-Strike: Global Offensive zurückziehen, das gilt zumindest für 2018. Die Verträge mit den Spielern wurden aufgekündigt. Grund waren die anhaltenden Visa-Probleme und »Schwierigkeiten innerhalb des Teams«, womit wohl die jüngsten Eskapaden gemeint sein dürften.

Ein Blick zurück: You'll prove it or I'll kill you!

Wir erinnern uns: Die Spieler Henrique »HEN1« Teles, Lucas »LUCAS1« Teles, Vito »kNg« Giuseppe, Ricardo »boltz« Prass und Lucas »steel« Lopes waren im Sommer 2017 noch bei Immortals unter Vertrag und setzen ein Zeichen, als sie das Finale der CS:GO-Meisterschaft im Sommer 2017 in Krakow erreichten.

Im September 2017 kam es zur Kontroverse, als die Mannschaft im Rahmen des Turniers Dreamhack Montreal zu spät zum Finalspiel kam und disqualifiziert wurde. Auf den als Scherz gemeinten Tweet eines Kontrahenten, dass die Immortals-Spieler wohl zu viel gefeiert hätten, reagierte der als aufbrausend geltende Vito »kNg« Giuseppe mit einer Todesdrohung. Außerdem soll er vom Coach physisch daran gehindert worden sein, FNS persönlich aufzusuchen und die Gewaltdrohung in die Tat umzusetzen.

Nach der Kontroverse wurde zunächst kNg entlassen. Außerdem mussten LUCAS1, HEN1 und kNg wegen dem Verschlafen des Turnierfinales auf ein Monatsgehalt verzichten und durften nicht ihren Gewinnanteil für den zweiten Platz der Dreamhack Montreal einstreichen, das Geld wurde vom Immortals-Gründer Noah Whinston an eine gemeinnützige Organisation gespendet. LUCAS1 und HEN1 baten daraufhin Whinston, ihre Verträge ebenfalls zu kündigen.

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100 Thieves: Der Neustart, der keiner war

LUCAS1, HEN1 und kNg setzen sich mit Lincoln »fnx« Lau und Bruno »bit« Lima zusammen, um ein neues brasilianisches Team zu gründen. boltz wurde hingegen bei der brasilianischen Nummer 1, SK Gaming, unter Vertrag genommen. Der Teamkapitän steel nahm von den talentierten, aber schwierigen Mitstreitern Abstand und trat Team Liquid bei.

Nach Immortals fand sich bald eine große, neue Organisation: 100 Thieves, das Team des ehemaligen Call-of-Duty-Weltmeisters und 2014 zum E-Sportler des Jahres gewählten Matthew »Nadeshot« Haag. Keine schlechte Adresse für einen Neuanfang ohne Skandal und Probleme, man konnte sich wieder auf das konzentrieren, was man im Sommer 2017 zur CS:GO-Meisterschaft aufgebaut hatte.

Aber erneut gab es Probleme: An der CS:GO-Meisterschaft im Frühjahr 2018 konnte man nicht teilnehmen, da es Visaprobleme bei der Einreise in die USA gab. Der Legenden-Titel und die automatische Qualifikation durch die Platzierung in der letzten Meisterschaft waren damit verschwendet.

Der Graph zeigt den Wert von 100-Thieves-Stickern im Steam-Marktplatz. Der erste Sprung folgte nach dem Aus bei der WM, der zweite Sprung folgte nach dem Auflösen des Teams.Der Graph zeigt den Wert von 100-Thieves-Stickern im Steam-Marktplatz. Der erste Sprung folgte nach dem Aus bei der WM, der zweite Sprung folgte nach dem Auflösen des Teams.

Das Ende vor dem Anfang

Und abermals sorgte das Temperament von kNg für Ärger: Der aufbrausende Spieler stritt sich via Twitter mit der Branchen-Legende Duncan »Thorin« Shields und warf dem schwulen Shields einen homophoben Witz entgegen. Vier Tage später war kNg erneut ohne Team, 100 Thieves hatten ihn wie Immortals wegen seinen unangebrachten Äußerungen aus dem Lineup entfernt. kNg legte später noch mit einem Schreiben nach, in dem er sich nicht entschuldigte und sogar rechtliche Schritte wegen Diffamierung in Aussicht stellte.

Und schließlich war es das für 100 Thieves. Nach Visa-Problemen, dem verschwendeten Legenden-Titel in der WM und kNgs weiteren Ausfällen wurde das komplette Team aufgelöst und die Organisation zieht sich nun vorerst aus Counter-Strike zurück. Gehälter, gezahlte Ablösesummen für die Spieler, Bootcamps - all das muss der 100-Thieves-Gründer Nadeshot jetzt abschreiben.

Ein trauriges, wenn auch kurzes Kapitel. Bleibt zu hoffen, dass die anderen hochtalentierten Spieler entweder Abstand von kNg nehmen und ein neues Team mit Meistertitel-Ambitionen aufstellen, oder aber endlich die Skandale aufhören. Ob sich aber nochmal eine Top-Organisation mit ausreichend Geld potentiell die Finger verbrennen möchte? Das Video unterhalb zeigt nochmal, was hätte sein können, wenn die Spieler mehr Professionalität an den Tag gelegt hätten.


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