Cyberpunk 2077: Über der Open World schweben die größten Fragezeichen

Cyberpunk 2077 erntet sehr viel Lob für die bisherigen Gameplay-Präsentationen, doch wie die Open World funktioniert, wissen wir noch nicht. Und hier wartet die spannendste Herausforderung.

von Dimitry Halley,
28.06.2019 16:47 Uhr

Was wird's in Pacifica zu tun geben? Autorennen? Kopfgeldjagden?Was wird's in Pacifica zu tun geben? Autorennen? Kopfgeldjagden?

Was macht man bloß mit seiner Open World? Heutzutage lassen sich beeindruckende Spielwelten erschaffen. Wir können uns im digitalen Bolivien von Ghost Recon: Wildlands herumtreiben, malerische Wälder in The Witcher 3 erkunden, Chaos in der Großstadt von GTA 5 anrichten. Derart imposante Kulissen zu erschaffen, ist für sich genommen schon eine gigantische Unternehmung.

Trotzdem scheitern viele Open-World-Spiele gar nicht an der Umsetzung einer opulenten Szenerie, sondern an lahmen Aktivitäten. An fehlender spielerischer Abwechslung. An zu viel Wiederholung. Die schönste Open World bringt nichts, wenn das Herumtoben darin schlicht keinen Spaß macht.

Cyberpunk 2077 erntet derzeit sehr viel Lob. Auch Kollege Peter Bathge zeigt sich in seiner riesigen Plus-Preview zur neuen E3-Demo durch die Bank begeistert. So wie wir es im vergangenen Jahr bei der ersten großen Gameplay-Demo waren. Doch bei aller Euphorie schweben über der Open World von Cyberpunk 2077 noch sehr, sehr viele Fragezeichen. Wir wissen schlicht nicht, was es in Night City zu tun gibt. Aber zumindest haben wir ein paar Hinweise von CD Projekt RED. Fassen wir die mal zusammen.

Wie funktioniert die Open World von Cyberpunk 2077?

Open-World-Aktivitäten kommen in unterschiedlichen Formen und Farben. In Minecraft könnt ihr mit jedem Baustein der Welt rumspielen, in Assassin's Creed und Co. klappert ihr Sammelkram und Hotspots ab, in Skyrim zerlegt man komplett frei zig Dungeons. Und in GTA 5 erledigt man vor allem Story-Missionen. Cyberpunk 2077 wird wohl in erster Linie eine quest- und story-basierte Open World. Zumindest deutet viele der bisherigen Entwickler-Versprechen und Andeutungen darauf hin.

  • Die Open World soll ohne Füller auskommen. Die Entwickler haben sich klar dazu geäußert, dass es keine Open-World-Icons gibt, die die Spielzeit strecken. Jeder Open-World-Inhalt soll eine eigene Geschichte erzählen.
  • Das gesamte Spiel lässt sich ohne einen einzigen Kill durchspielen. Klar, das bezieht sich in erster Linie auf die Hauptquest, aber der pazifistische Pfad soll ja generell Spaß machen. Dazu müssten dann auch viele Open-World-Aktivitäten ohne tödliche Gewalt funktionieren.
  • Gleichwohl soll es viel zu erkunden geben. Wie in Deus Ex lassen sich diverse Appartements betreten. Ob wir darin auch Schränke, Schubladen und Tresore leer räumen können, wissen wir derzeit noch nicht.
  • Wie in GTA (und im echten Leben) könnt ihr jedes Fahrzeug klauen. Viele davon lassen sich in der eigenen Garage lagern und zu Vs persönlichem Auto umfunktionieren. Ob man aber auch alle Autos, die man klaut, tatsächlich dauerhaft als seinen eigenen Schlitten in der Garage parken kann, ist noch nicht geklärt.
  • Fluggleiter lassen sich nicht frei benutzen. Anders als in GTA könnt ihr also nicht per Heli über die Stadt fliegen und das Gefährt selbstständig steuern. Eventuell fungieren Gleiter jedoch als Schnellreisemöglichkeit.

Cyberpunk 2077 - Video: 13 versteckte Details aus der Gameplay-Demo 6:03 Cyberpunk 2077 - Video: 13 versteckte Details aus der Gameplay-Demo

  • Es wird Autorennen geben. Das bestätigen uns die Entwickler im Interview.
  • Nebenmissionen beeinflussen die Hauptgeschichte. Beispielsweise spielen Gangs eine große Rolle in der Open World. Verscherzen wir es uns mit einer Fraktion, kann sich das auf den Verlauf von Story-Missionen auswirken. Zum Beispiel bei der Maelstrom-Bande aus der ersten Demo.
  • Es lassen sich keine neuen Appartements kaufen. V besitzt eine Bude samt Garage. An beidem lässt sich nicht viel ändern.
  • Night City ist der einzige große Schauplatz des Spiels, allerdings bleiben die Entwickler noch recht vage, ob es gar keine Missionen außerhalb der Stadt gibt. Könnte gut sein, dass es uns auch an andere Orte verschlägt.
  • Quests machen den Großteil der Open-World-Aktivität aus. Ihr sollt haufenweise Haupt- und Nebenmissionen finden, die die Geschichte weiter vorantreiben oder eigene, abgeschlossene Storys erzählen.
  • Night City hat sechs Distrikte - und nicht jeder soll sich gleich spielen. Im heruntergekommenen Pacifica reagiert die Polizei beispielsweise viel später auf Verbrechen als in edlen Vierteln. Das können wir natürlich nutzen.
  • Die Welt wird vertikal. CD Projekt grenzt die Spielwelt bewusst vom sehr weiten The Witcher 3 ab und baut stattdessen in die Höhe. Einzelne Gebäudekomplexe lassen sich auf diversen Stockwerken erkunden.
  • Der Ripper Doc bleibt eine wichtige Instanz. Upgrades und Verbesserungen für V können wir nur in begrenzter Form zuhause freischalten. Für neue Implantate reisen wir zum Ripper Doc.
  • Es wird keine prozedural generierten Inhalte geben. Jeder Stein in Night City ist handgesetzt, auch die Aktivitäten setzen sich nicht dynamisch zusammen, sondern wurden bis ins Detail geschrieben und konzipiert.

Über der Open World schweben noch viele Fragezeichen. Wie werden die Nebenaktivitäten aussehen? Gibt es neben den Autorennen Kopfgeldjagden? Schleich-Infiltrationen? Hacking-Jobs? Oder Aufträge im Cyberspace? Hier bleibt uns CD Projekt noch Antworten schuldig.

Bietet die Open World genug?

Aus den bisher vorhandenen kleinen Puzzle-Teilen ergibt sich jedoch zumindest ein erstes Bild. Night City wird keine Ubisoft-Welt, kein Abklappern von Hotspots, auf der anderen Seite jedoch ebenso wenig eine dynamische Sandbox, in der wir immer wieder neue, prozedural generierte Herausforderungen erleben.

In Cyberpunk 2077 geht es um die Geschichte des Spielers, um Vs Reise vom Niemand zum Jemand. Die Quests stehen im Vordergrund - und davon dürfen wir reichlich erwarten. Aber genügt das, um die Open World wirklich spannend zu halten? Schließlich beteuert nahezu jeder Entwickler, dass die eigene Spielwelt ohne Füller-Inhalte auskommt. CD Projekt hat sich hier die bisher ambitionierteste Open World vorgenommen - und selbst The Witcher 3 hatte mit den Open-World-Inhalten zu kämpfen. Beispielsweise den Skellige-Fässern, die die Entwickler bis heute bereuen.

Aktuell kommt im Prinzip keine Story-Open-World ohne Kompromisse aus. Assassin's Creed: Odyssey mag sehr viele Formelhaftigkeiten hinter sich gelassen haben, trotzdem folgen viele Aktivitäten einem gleichbleibenden Muster. Und auch bei einem Meisterwerk wie Red Dead Redemption 2 beklagten viele Spieler das langsame Tempo. Warten wir mal ab, wie konsequent CD Projekt diese Design-Herausforderung bewältigt.

Für noch mehr Infos zur Open World empfehlen wir übrigens unsere diversen Interviews mit CD Projekt RED, darunter den grandiosen Jubiläums-Podcast sowie die folgenden Videos:

»Die ultimative Rollenspiel-Erfahrung« - Community-Interview zu Cyberpunk 2077, Teil 1 PLUS 22:00 »Die ultimative Rollenspiel-Erfahrung« - Community-Interview zu Cyberpunk 2077, Teil 1

»Es gibt in Cyberpunk 2077 Nacktheit, aber erwartet keinen Porno« - Community-Interview mit CD Projekt, Teil 2 PLUS 14:07 »Es gibt in Cyberpunk 2077 Nacktheit, aber erwartet keinen Porno« - Community-Interview mit CD Projekt, Teil 2


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