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Seite 9: Die 100 besten PC-Strategiespiele aller Zeiten: Von Age bis Z

20. Rimworld

Entwickler: Ludeon Studios | Publisher: Ludeon Studios | Release: 17. Oktober 2018

Dennis Zirkler: Kennt ihr Dwarf Fortress? Dieses unheimlich komplexe Aufbauspiel generiert vor jedem Spielstart erstmal eine riesige Welt (inklusive einer über 1.000-jährigen Geschichte!), bevor man mit einer Gruppe Zwerge loszieht, um diese zu erkunden, eine Festung aus dem Boden zu stampfen und eine blühende Zwergengemeinschaft zu errichten. Ich finde diese Grundidee bis heute unfassbar faszinierend - leider fehlt mir aber schon seit Jahren die Geduld, mich in dies knallharten Spielmechaniken einzuarbeiten.

Zum Glück erschien mit Rimworld seit einigen Jahren eine zugängliche Alternative. Hier steuern wir eine kleine Gruppe Überlebender, die sich nach einem Raumschiffabsturz auf einem fremden Planeten ein neues Heim schaffen muss. Wir müssen für Nahrung sorgen, Ressourcen abbauen, Unterkünfte errichten, und, und, und. Typisch Aufbauspiel eben.

Aber Rimworld ist dafür berühmt geworden, dass dabei garantiert ständig irgendwas schiefläuft: Unzufriedene Einwohner laufen Amok, angreifende Weltraumpiraten zerlegen unsere liebevoll errichtete Siedlung und Pilzbefall vernichtet unsere komplette Ernte - sollten wir dann keine Reserven haben, müssen wir auch mal unsere Haustiere oder gleich einen Dorfbewohner opfern, damit die Gruppe überleben kann. Kannibalismus gehört bei Rimworld einfach dazu.

Eine besonders tragische Geschichte, die mir vor Jahren in einem meiner ersten Spielstände widerfahren ist: Meiner Gruppe sind im tiefsten Winter alle Reis- und Kartoffelfelder weggefroren, die Nahrungsreserven wurden zunehmend knapper. Während wir versuchten, als Jäger und Sammler gerade so über die die Runden zu kommen, ohne unser Nutzvieh zu schlachten, hatte eines unserer Hühner die glorreiche Idee, sich am Biervorrat zu vergehen. Anschließend ist der total besoffene Vogel im Schnee herum gewandert und eingeschlafen - bis ich dies bemerkt habe, hatte er schon beide Füße durch Erfrierungen verloren. Immerhin war danach klar, was am nächsten Tag auf den Tisch kommt.

Trivia:

  • Rimworld hat ein extrem detailliertes Schadensmodell. Eure Charaktere können alle möglichen Körperteile verlieren - vom kleinen Zeh bis zum kompletten Bein.
  • Gehirnverletzungen verursachen in Rimworld extreme Schmerzen. Im wirklichen Leben hat das menschliche Gehirn jedoch keine Schmerzrezeptoren.
  • Rimworld hat wohl eine der größten Modding-Communities überhaupt: Knapp 10.000 Mods und über 5.000 Szenarien stehen im Steam-Workshop zum Download bereit.

19. Into The Breach

Entwickler: Subset Games | Publisher: Subset Games | Release: 27. Februar 2018

Heiko Klinge: Kennt ihr noch die »Was passiert wenn«-Maschine aus der Sesamstraße? Als Kind gab es für mich kaum was Cooleres als Kermits irre Kettenreaktions-Konstruktionen. Kein Wunder also, dass ich schon Dutzende Stunden in das Taktik-Meisterwerk Into The Breach versenkt habe. Denn kaum ein anderes Strategiespiel ermöglicht derart clevere Kettenreaktionen, nach deren Abschluss ich mich wie ein wahres Genie fühle. Trotz oder gerade weil ich lediglich drei Einheiten rundenbasiert auf übersichtlich kleinen Schlachtfeldern gegen Alien-Invasoren ins Gefecht führe.

Der Trick von Into The Breach ist so simpel wie genial: Es zeigt mir schon während meines Zuges an, was meine Feinde direkt im Anschluss machen werden. Also positioniere ich meine Mechs so, dass mich die gegnerischen Angriffe nicht treffen, schubse ein Alien auf ein Feld, das gleich überflutet wird und versperre einem anderen die Schussbahn auf Zivilisten. Und wer das richtig kombiniert, kann eben die irrsten Kombinationen abfeuern und in nur einem Zug eine halbe Armee ausschalten.

Mit jedem Gefecht entdecke ich neue Taktiken, jeder Zug fühlt sich bedeutsam an … und jeder Verlust schmerzvoll, weil ich weiß, dass ich ihn hätte verhindern können. Into The Breach ist wie sein Quasi-Vorgänger FTL immer anspruchsvoll, aber nie unfair. Und vor allem nie langweilig: Jedes Gefecht erzählt seine eigene spannende Geschichte - nicht nur weil die Karten zufallsgeneriert sind, sondern auch, weil sie sich mit jedem Zug verändern. Wälder gehen in Flammen auf, das Meer tritt über die Ufer, Berge und Häuser fallen unter Beschuss in sich zusammen.

Ja, das Roguelike der FTL-Macher sah schon zum Release alles andere als zeitgemäß aus, aber in meiner Fantasie brennt es bis heute ein Feuerwerk nach dem anderen ab. Ein Indie-Kunstwerk, das auch in zehn Jahren noch als Lehrbeispiel für geniales Game Design gelten wird. Und damit völlig zurecht auch eines der besten 20 Strategiespiele der Genre-Geschichte.

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Trivia:

  • Entwickler Subset Games sitzt in Shanghai, die beiden Entwickler haben zuvor im dort ansässigen Studio von 2K gearbeitet.
  • Für Into The Breach gab es keinerlei PR, sondern Subset veröffentlichte den Titel nach vier Jahren Entwicklung quasi von heute auf morgen.

18. Stronghold

Entwickler: Firefly Studios | Publisher: Take 2 | Release: 17. Oktober 2001

Heiko Klinge: Kein anderes Spiel ist enger mit meiner persönlichen GameStar-Geschichte verflochten. Stronghold war mein erster Presse-Event (in einer Schwimmhalle!), meine erste Spiele-Entdeckung, meine erste längerer Preview, meine erste Auslandsreise (zu Firefly nach London) und meine erste Titelstory (der Test in Ausgabe 11/2001). Will sagen: Ich habe Stronghold viel zu verdanken, umgekehrt war ich aber sicher auch nicht ganz unschuldig daran, dass sich Stronghold in Deutschland zu einem solchen Hit mit weit über 100.000 verkauften Spielen entwickelte.

Insofern liegt mir auch kein Spiel in dieser Rangliste mehr am Herzen, ganz einfach weil ich so viele positive Erinnerungen damit verbinde. Seine hohe Platzierung verdankt Stronghold aber nicht meiner Nostalgie, sondern vor allem seiner Qualität. Natürlich war allein die Grundidee schon genial, nämlich mich meine eigene Burg bauen und gegen Invasoren verteidigen zu müssen. Zum Meilenstein wird Stronghold aber erst durch die vorn bis hinten nahezu perfekte Umsetzung dieser Idee.

Denn keinem anderen Spiel greifen komplexe Aufbaustrategie und monumentale Echtzeitschlachten so logisch und virtuos ineinander. Hier liefern Rinderfarmen eben nicht nur Käse für die hungrige Bevölkerung, sondern auch Leder für die Rüstungen unserer Soldaten. Wie in der Siedler-Serie kann ich jeden Handgriff in meiner Burg nachverfolgen und bekomme so ein klares Bild von der Infrastrukutur. Und wie bei Age of Empires behalte ich in den Gefechten stets die Übersicht, wo es warum gerade brennt und wie es sich theoretisch beheben lässt, so ich denn die passenden Einheiten am Start habe.

Die 2D-Pixeloptik war technisch gesehen zwar schon 2001 veraltet, erfüllte aber perfekt ihren Zweck. Kaum eine andere Strategieserie hat auch so unter dem Sprung zu 3D gelitten. Entsprechend wird das erste Stronghold bis heute verehrt und gespielt, auch weil die Entwickler so clever waren, es stets aktuell zu halten und etwa eine HD-Edition für Steam und GOG nachzuliefern. Stronghold ist im besten Sinne des Wortes ein Evergreen, der heute noch genauso spielenswert ist wie 2001.

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Trivia:

  • Beim Besuch bei Firefly in England ließ sich Heiko zu einem blöden Spruch über warmes Bier hinreißen, was die Entwickler dazu veranlasste, ihn auf eine abendliche Zwangs-Bier-Verkostung zu verpflichten. Die Preview ist trotzdem pünktlich fertig geworden.
  • Cooles Easter Egg: Wenn ihr den Hofnarren in eurer Burg mehrfach anklickt, singt er euch einen waschechten Blues.

17. Age of Mythology

Entwickler: Ensemble Studios | Publisher: Microsoft Game Studios | Release: 11.November 2002

Natalie Schermann: Vielleicht war ich etwas komisch als Kind. Schon in einem frühen Alter entwickelte ich ein großes Interesse für Mythologie und die Kulturen unterschiedlicher Länder. Und so wälzte ich Bücher über das antike Griechenland oder das alte Ägypten. Aus irgendeinem Grund hat es mir der altägyptische Gott Anubis besonders angetan. Der Gott mit dem Schakalkopf ist für die Totenriten und die Mumifizierung verantwortlich - ich sag ja, komisches Kind. Mein Interesse für Mythologie und meine Vorliebe für Strategiespiele kamen in Age of Mythology auf einen gemeinsamen Nenner.

Spielerisch bot mir das Spiel viele Ähnlichkeiten zu meinem Lieblingsstrategiespiel Age of Empires 2. Doch statt mit persischen Kriegselefanten und ercheateten Autos zog ich nun mit mythischen Wesen und Helden über das Schlachtfeld und machte Gebrauch von der Macht und Gaben der Götter.

Selbstredend entschied ich mich in den meisten Fällen für das Volk der Ägypter. Ab dem zweiten Zeitalter kann man nämlich Anubis anbeten und kleine Anubiten als Kampfeinheit ausbilden. Diese mythische Einheiten mit Schakalköpfen und Sicheln in den Händen ließen mein Mythologie-Fan-Herz höher schlagen. Auch heute kehre ich immer noch gerne zu diesem Strategiespiel zurück. Und weil ich in meiner Kindheit eine solche einseitige Spielweise entwickelt habe, gibt es für mich noch die anderen Völker, ihre Einheiten und Götter zu entdecken! Aber am Ende spiele ich dann doch wieder die Ägypter …

Trivia:

  • Das Volk der Ägypter in Age of Mythologie zeigt starke Einflüsse des hellenistischen Ägyptens auf. Deshalb findet man hier auch Katapulte, Kriegselefanten und Leuchttürme.
  • 2016 wurde die Erweiterung Tale of the Dragon veröffentlicht, die China als Volk einführt und das Spiel um neue Karten und eine neue Kampagne erweitert.

16. Jagged Alliance 2

Entwickler: Sir-Tech | Publisher: Topware Interactive | Release: 1. April 1999

Dimitry Halley: Hand aufs Herz, ich würde Jagged Alliance 2 auf sehr, sehr, sehr vielen persönlichen Listen auf Platz 1 wählen. Denn mein Ausflug nach Arulco bleibt bis heute eines der besten, intensivsten Spiele, die ich je gespielt habe. Jedes Mal, wenn die Kollegen über XCOM schwärmen, blutet mir ein wenig das Herz - denn Jagged Alliance 2 ist in meinen Augen viel besser. Klar, mit einem selbst gewählten Ensemble aus Söldnerinnen und Söldnern eine Bananenrepublik erobern - klingt jetzt nicht nach hoher Story-Kunst.

Aber die Geschichte entsteht in mir. Und die Söldner waren allesamt großartig. Beispielsweise Sprengstoffexperte Larry Roachburn, der regelmäßig vergisst, was ihr ihm befohlen habt, weil er zu viele Drogen konsumiert hat. Fox, Raven, Raider, Hitman, Mike (der Verräter aus Teil 1) - ich kann euch die Codenamen vieler Figuren heute noch auswendig runterbeten, all die unvergesslichen Erlebnisse. Als Raider mit zwei Pistolen im Anschlag völlig allein ein Dach verteidigt, während seine Ehefrau Raven mit dem Scharfschützengewehr verzweifelt den Spieß umdrehen will. Der nächtliche Überfall, in dem Fox beinahe erschossen wird. Oder der Verlust von Dimitri, als eine Granate vor seinen Füßen detoniert. Poor Dimitri.

Und natürlich die Blumen, die ich Diktatorin Deidranna schicke, um sie aufzuziehen, während sie ihren armen Knecht Eliott für jeden meiner Siege bestraft. Ich habe Wochen an Lebenszeit an Jagged Alliance 2 verloren, mir danach sofort den ersten Teil samt Addon gekauft, nur um im Anschluss eine zweite Runde zu drehen - diesmal mit selbst erstellter Mod, um zwei eigene Söldner ins Feld führen zu können. Es ist ein Jammer, dass Jagged Alliance 2 nie einen würdigen Nachfolger bekam. Aber auch ein Ritterschlag, dass es eben so verflucht schwierig ist, ein derartiges Meisterwerk zu beerben.

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Trivia:

  • 2018 erschien mit Jagged Alliance: Rage ein Spin-Off, in dem der geknechtete Eliott zum Hauptschurken aufsteigt. Leider war das Spiel nicht sonderlich gut.
  • Im Sci-Fi-Modus konntet ihr gegen riesige Aliens in einer Mine kämpfen. Noch ein Grund weniger, stattdessen zu XCOM zu greifen.

15. The Banner Saga

Entwickler: Stoic | Publisher: Versus Evil | Release: 14. Januar 2014

Elena Schulz: Ich liebe The Banner Saga, obwohl ich es beim Spielen manchmal sehr gehasst habe, weil es so ungemütlich zu mir war, so unfair, so fies. Eine kleine Unachtsamkeit und schwupps, ein Begleiter stürzt einen Abhang hinunter und stirbt. Er trug immer ein albernes, froschgrünes Gewand, mit dem ich ihn regelmäßig aufzog. Eine Kleinigkeit, die ihm Charakter verleiht und sympathisch macht, machte, denn er ist ja tot. Genauso wie unzählige andere Mitglieder meiner Karawane, weil ich die Vorräte nicht gut genug geplant habe, Banditen auf dem Leim gegangen bin oder von Schergen der feindlichen Armee überrascht wurde, die uns im Nacken sitzt.

Da erscheint der herannahende Weltuntergang fast wie eine Gnade. Denn die nordische Welt von The Banner Saga ist eigentlich ohnehin fast schon passé, jeder Kampf dagegen müßig. Aber ich will meine Karawane nicht aufgeben. Nicht nachdem ich so so viele Stunden durch das raue, unwirtliche Land geführt, schmerzhafte Entscheidungen getroffen und meine Schützlinge mit Speer, Bogen oder Axt in den Rundenkämpfen verteidigt habe.

All das hat bei bis heute einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Auch wenn ich mitunter machtlos war oder die Folgen meines Handelns nicht abschätzen konnte, hat The Banner Saga für mich wunderbar gezeigt, warum Spiele ein so besonderes Medium sind. Kein Film, keine Serie, kein Buch hätte mich so Rook und seiner Tochter Alette mitfiebern lassen. Denn ihre Entscheidungen waren meine, ihr Überlebenskampf der meine.

Spiele müssen nicht immer schön sein, nicht immer unterhaltsam oder spaßig. Wenn sie so gut geschrieben sind wie The Banner Saga, mich mit ihrer handgezeichneten Optik und vielschichtigen Welt verzaubern und dabei auch noch spielerisch fordern, dürfen sie auch richtig gemein sein. Am Ende habe ich die Reihe dadurch nur umso mehr lieben gelernt und mich noch mehr dafür eingesetzt, meinen geliebten Helden ihr verdientes Happy End zu bescheren.

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Trivia:

  • Beim Zeichenstil lässt sich The Banner Saga unter anderen bei alten Disneyfilmen wie Dornröschen inspirieren.
  • Der Charakter Eyvind wurde deshalb nach dem Künstler Eyvind Earle benannt, der den Film Dornröschen für Disney mitverantwortete.

14. Cities: Skylines

Entwickler: Colossal Order | Publisher: Paradox Interactive | Release: 10. März 2015

Peter Bathge: Cities: Skylines macht mich zum expressionistischen Maler. So schwungvoll darf ich hier den Pinsel schwingen, wenn auch mit reduzierter Farbpalette: Die Straßen im Städtebau-Simulator sind nun einmal nur grau und weiß, nicht pastellfarben. Aber hey, dafür kann ich sie mit der Maus in so herrlich schnittigen Kurven und Schleifen verlegen, dass es eine Freude ist!

Egal ob Einsteiger oder Profi, mit der intuitiven Steuerung von Cities: Skylines kommt jeder klar. Das Spiel ist so zugänglich wie EAs letztes SimCity, aber unendlich viel unterhaltsamer, komplexer und realistischer. Wer doch was zu meckern hat, etwa am komplexen, aber nicht immer perfekt fließenden Verkehr, der findet garantiert eine hilfreiche Mod im Steam Workshop - inzwischen gibt's dort 230.000 Downloads, von Fans erstellte Gebäude inklusive.

Und wenn ich all die schicken Häuser errichtet und meine Stadt in eine riesige Metropole verwandelt habe, dann speichere ich meinen Spielstand und aktiviere den Ekel-Tsunami, die größte und spaßigste Katastrophe in Cities: Skylines. Als Stadtplaner sammele ich die Abwässer meiner Bürger hinter einem riesigen Staudamm, bis die Kloake wortwörtlich zum Himmel stinkt.

Dann wird der Staudamm eingerissen und dank der authentischen Wassersimulation von Cities: Skylines ergießt sich ein regelrechter Shitstorm (haha!) über meine Feuerwehrstationen und Friedhöfe, meine Recyclingunternehmen und Windräder, füllt Autobahntunnel und sammelt sich in den Straßenschluchten der Downtown. Warum ich das mache? Weil ich's als gottgleicher Städteplaner kann. Danke, Cities: Skylines!

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Trivia:

  • Colossal Order arbeitet bis heute an Cities: Skylines, fast 30 DLCs und etliche Patches erschienen seit 2015.
  • Zur Zeit der Veröffentlichung waren beim finnischen Entwickler gerade mal 13 Mitarbeiter fest angestellt.

13. Anno 1800

Entwickler: Ubisoft Mainz | Publisher: Ubisoft | Release: 16. April 2019

Fabiano Uslenghi: Ich hatte bei Anno eine Zeit lang die Hoffnung ja schon aufgegeben, dass mich Ubisoft damit nochmal abholt. Nach dem grandiosen Anno 1404 orientierten sich die Entwickler in Richtung Science Fiction. Aber ich für meinen Teil genieße Anno am liebsten in der Vergangenheit. Was war ich also froh, als sich der aktuellste Teil der Reihe von der Zukunft verabschiedete. Und das schönste daran: Anno 1800 mauserte sich sogar zu einem der besten Annos überhaupt. Hätte beinahe sogar in der Wertungsdiskussion 1404 hinter sich gelassen.

Letztlich beflügelt Anno 1800 sein Setting in einer Weise, wie es die Zukunft-Annos niemals hätten vollbringen können. Anno 1800 kann nämlich beides. Den ländlichen Charme einer neuen Siedlung einfangen und meinen Wunsch nach Effizienz mit leistungsstarken Maschinen erfüllen. Anfangs fühlt es sich noch extrem bodenständig an. Fast schon altertümlich, denn wie im Mittelalter bestellen meine Bewohner ihre Felder, gehen zum Markt oder sammeln Holz in den Wäldern. Doch mit zunehmender Spieldauer wandelt sich das Stadtbild. Fabriken werden hochgezogen. Strommasten ragen zwischen den Häusern auf und in meinem Hafen ankern Panzerschiffe. Der Weg dahin verschlingt Stunden und vergeht trotzdem wie im Fluge.

Sei es die Wirtschaft mit den vielen Ressourcen, die Suche nach neuen Inseln oder der Versuch, irgendwie Effizienz mit einer sauberen Insel zu vereinbaren - es gibt so viel zu tun und jede Mechanik greift perfekt in die nächste. Lediglich das Item-System wirkte ein wenig deplatziert, was sich auch in einigen der etwas schwächeren DLCs widerspiegelt. Die Atmosphäre, die vielen Details und vor allem der motivierende Spielfluss machen aus Anno 1800 aber nicht nur eines der besten Annos, sondern eben auch zu einem der 100 besten Strategiespiele aller Zeiten.

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Trivia:

  • Wer seinen Zeigefinger keine Pause gönnt und insgesamt 12 mal hintereinander auf die selbe Stelle klickt, erzeugt damit eine kuriose Tier-Explosion. Ja, richtig. Eine Explosion, durch die zufällig gewählte Tiere in alle Richtungen davon geschleudert werden. Im Meer trifft es Fische.
  • Im Ego-Modus (Strg + Umschalttaste + R) kann man zahlreiche versteckte Geheimnisse finden. Beispielsweise hockt in manchen Handwerker-Häusern ein unheimliches Mädchen mit rot glühenden Augen und auf dem Friedhof der Kirche liegt der in Carbonit eingefrorene Star-Wars-Held Han Solo.

12. Die Sims

Entwickler: Maxis Software | Publisher: Electronic Arts | Release: 28. Februar 2000

Natalie Schermann: Es soll sie ja tatsächlich geben: Menschen, die Die Sims »richtig« spielen. Sie verdienen sich ihre Simoleons mit ehrlicher Arbeit, managen die lebensnotwendigen Bedürfnisse ihrer Schützlinge und kaufen sich nur das, was sie sich wirklich leisten können. Pff, Anfänger!

Ich muss zugeben: Nachdem ich mir Sims-Cheats auf dem Schulhof gegen Diddl-Blätter ertauscht habe, mussten meine Sims keinen Tag mehr arbeiten. Geldsorgen? Gab es bei mir nicht. Zum Glück, denn das Ressourcenmanagement wäre wahrscheinlich etwas nach hinten losgegangen, hatte ich doch ganz eigene Prioritäten. Karaoke-Bühne und Whirlpool sind doch wohl eindeutig wichtiger als ein Kühlschrank oder ein Feueralarm!

Reichtum und Luxus bedeutete allerdings nicht, dass es meinen Sims gut bei mir ging. Denn bald entdeckte ich die wundervolle Welt des Löschens. Zunächst löschte ich nur schmutziges Geschirr, nervige Nachbarn oder den Briefkasten, um keine Rechnungen mehr zahlen zu müssen - hach, würde das doch auch nur im wahren Leben gehen. Doch bald entfernte ich wohl auch jegliche Moralvorstellungen und so löschte ich fröhlich Poolleitern und Türen, um meine Sims in der Falle grausam sterben zu lassen. Oder ich löschte ihre Pläne, damit sie nicht mehr auf Toilette gehen oder schlafen können. Der Beginn einer dunklen Ära für meine Sims.

Der erste Teil der Sims-Reihe bleibt bis heute der Teil, zu dem ich am liebsten zurückkehre. Klar, die späteren Ableger bieten deutlich mehr Abwechslung, wenn es um die Wünsche und Bedürfnisse der Sims oder die Erkundung der Stadt geht. Allerdings habe ich genau mit dieser abgespeckten Version am meisten Spaß. Hier muss ich mir keine Sorgen um die riesige DLC-Flut machen (Die Sims hat »nur« sieben Erweiterungen). Hier werde ich nicht von den simlischen Bedürfnissen überrannt, sondern kann in aller Ruhe Gott spielen und mit meinen geliebten Cheats die Grenzen des Möglichen austesten.

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Trivia:

  • In Die Sims 4 können eure Sims ein Spiel am Computer spielen, welches den Namen The Sims Forever trägt. Dieses zeigt Gameplay-Aufnahmen aus dem ersten Teil der Serie und ist damit eine nette Hommage an den Grundstein, welcher der Serie zum Erfolg verhalf.
  • Die Idee für Die Sims entstand, nachdem Will Wright, der Lead Creator, sein eigenes Haus bei einem Feuer verloren hatte und sich dieses wieder aufbauen musste. Ursprünglich sollte Die Sims auch eine Architektur-Simulation sein, bei der es um das Bauen und Dekorieren von Häusern geht. Der Aspekt der Lebenssimulation kam später hinzu.

11. Starcraft 1

Entwickler: Blizzard Entertainment | Publisher: Blizzard Entertainment | Release: 1. April 1998

Nils Raettig: Die Spiele von Blizzard waren immer etwas ganz besonderes für mich, allein aufgrund der viel zu seltenen, aber aus meiner damaligen Sicht fantastisch inszenierten Videosequenzen. Ich habe sie stets als einen kleinen Kinofilm betrachtet, und Starcraft 1 bildet da keine Ausnahme - ganz im Gegenteil. Ich weiß gar nicht, wie oft ich mir mit meinen Brüdern allein das Intro angesehen habe. Kein Wunder, schließlich war es nicht lange her, dass unser älterer Bruder uns in den eigentlich erst ab 16 freigegebenen Kinofilm Starship Troopers mitgenommen hat (ich war zu der Zeit noch 15). Zwischen den fiesen Bugs und den Zerg gibt es viele Ähnlichkeiten, auch deshalb habe ich mich in Starcraft oft fast wie im Kino gefühlt.

Blizzard ist es in Starcraft außerdem wie in keinem zweiten Spiel gelungen, seine spannende Geschichte mit jeder Menge Wendungen nicht nur in den Zwischensequenzen, sondern auch im eigentlichen Spiel zu erzählen. Einerseits durch die darin eingebetteten Dialoge. Andererseits durch die oft clever aufgebauten Missionen. Sie konnten zwar auch verdammt frustrierend sein, weil man immer wieder völlig machtlos war (ich sage nur "Kerrigan"). Ich wollte aber trotzdem jedes Mal wissen, wie es weiter geht.

Die Aufteilung in drei Fraktionen, die sich stark unterschiedlich spielen, hat viel zu der Faszination beigetragen. Sie macht das Spiel (und vor allem seinen Nachfolger) nach wie vor zu einem beliebten Multiplayer-Titel. Ich persönlich hatte allerdings in der Singleplayer-Kampagne den meisten Spaß, weil sie nicht ganz so stressig und klick-intensiv war wie Gefechte gegen anderen Menschen. Dabei ist mir fast jede einzelne Einheit durch die tollen Sounds im Spiel sehr ans Herzen gewachsen. Mein klarer Favorit sind natürlich die edlen Protoss (auch wenn sie bei genauerem Hinsehen gar nicht ganz so edel sind). En Taro Adun!

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Trivia:

  • Starcraft erschien nicht nur für Windows und Mac OS, sondern auch für Nintendo 64.
  • Im Screenshot ist die Remastered-Version aus dem Jahr 2017 zu sehen, der laut Michael Graf allerdings die Liebe fehlt.

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