Wenn es um Videospiele und Berufe geht, wird ja meistens eher Spielejournalisten nachgesagt, sie hätten einen der leichtesten Jobs überhaupt. Schließlich sitzen sie den ganzen Tag vorm Monitor und zocken einen Titel nach dem anderen und werden dafür auch noch bezahlt [Anm. d. Redaktion: schön wär's].
Einen klassischen Beamten hat man dabei eher nicht im Kopf. Doch wie ein Report des Telegraphs kürzlich feststellte, ist genau das im Jahre 2024 in Großbritannien zur Realität geworden: Das Bildungsministerium hat offenbar Angestellte in einem steuerfinanzierten Projekt gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern GTA Online spielen lassen.
Für mehr Bürgernähe
Dem Bericht nach habe das Department for Education (DfE) damals Online-Fokusgruppen ins Leben gerufen, »um einen emotional sicheren Raum für die Teilnehmer zu schaffen«. Ziel des experimentellen Politikentwicklungsteams sei es gewesen, »aussagekräftige Erkenntnisse über die gelebte Erfahrung der Menschen zu liefern«. Damit möchte man neue Wege der Politikgestaltung erschließen.
Bei dem Projekt sollen Beamte gemeinsam mit Bürgern Missionen in GTA Online erledigt und über ihre Erfahrungen damit gesprochen haben. So gefalle den Spielerinnen und Spielern beispielsweise, dass das Herumfahren im Spiel und Reden mit anderen aus der Community »wirklich einfach« sei.
Besonders für Menschen in abgelegeneren Gegenden sei Online-Gaming ein guter Weg, mit anderen in Kontakt zu treten. Zudem würden sie es genießen, virtuelle Aktivitäten wahrzunehmen, die ihnen im realen Leben nicht offenstehen, wie das Führen eines erfolgreichen Unternehmens.
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»Ich habe den falschen Job«
Während der Telegraph diesem Experiment als rechtskonservatives Medium sehr kritisch gegenübersteht, findet ein großer Teil der Gaming-Community die Idee ziemlich clever. In einem Reddit-Thread zum Thema tauschen sich Spielerinnen und Spieler aktuell zu dem für den öffentlichen Dienst gewagten Projekt aus.
Während KeyanFarlandah schlicht feststellt: »Ich habe den falschen Job«, gehen andere Kommentare etwas tiefgründiger auf das Thema ein. So schreibt UbeeMac:
Um es auf den Punkt zu bringen: Ich wurde dafür bezahlt, GTA zu spielen. Die Wahrheit ist, dass man radikale Maßnahmen ergreifen muss, um Zugang zu bestimmten Menschen zu erhalten – insbesondere zu jungen, isolierten, zurückgezogenen Menschen usw., die Hilfe brauchen. Man muss diese Menschen dort abholen, wo sie sind, und ihre Sprache auf ihrem eigenen Terrain lernen. Dieses Terrain ist zunehmend ein virtueller Raum.
Wenn du also ein Gamer bist, gibt es gute Nachrichten: Du verfügst möglicherweise über ganz besondere Fähigkeiten – Zugang zu Menschen, die sonst nicht mit Ärzten, der Polizei, Lehrern usw. sprechen würden. Dieser Zugang ist wertvoll, schwer zu erlangen und kann Leben retten. Gamer sind in Schulen NÜTZLICH. Sie haben das gewisse Etwas. Es ist eine ganze Sprache, manchmal die einzige Sprache der Ausgegrenzten.
Das läuft so: »Ich bin von der Schule« – »Verpiss dich«
»Wie ist dein K/D?« – »Komm rein«
Antworten darunter pflichten ihm bei. So würde man insbesondere Jugendliche schon seit Ewigkeiten über außerschulische Aktivitäten wie Sport und AGs erreichen.
PerthNerdTherapist ergänzt: »Ich bin Therapeut und nutze Videospiele, um zu sehr isolierten jungen Menschen eine Verbindung aufzubauen und Vertrauen zu schaffen. Es gibt nichts Wirkungsvolleres, um zu einigen dieser jungen Menschen durchzudringen, als eine gemeinsame Aktivität in einem Bereich, für den sie sich begeistern.«
Wie denkt ihr denn über das Regierungsprojekt? Haltet ihr solche Experimente für zielführend oder seid ihr dem eher skeptisch gegenüber? Schreibt es uns gern in die Kommentare!

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