50% aufs erste Jahr – nur für kurze Zeit!

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Ich habe den neuen Fantastic Four: First Steps gesehen und kann nicht glauben, dass solche Filme noch immer gemacht werden

The Fantastic Four: First Steps ist der erste Film von Marvels Phase 6. Aber in unserer Filmkritik wird schnell klar: So wirkt er nicht.

The Fantastic Four: First Steps holt die Marvel-Familie ins MCU. The Fantastic Four: First Steps holt die Marvel-Familie ins MCU.

Die Fantastic Four sind verflucht schwierig zu verfilmen. Oder generell zu schreiben. Andere Superhelden bringen dir das spannende Pulverfass gleich mit, das du als Autor oder Autorin in ihrer Geschichte explodieren lassen kannst. Iron Man zum Beispiel ist ein Playboy-Millionär mit Sci-Fi-Wunderwaffen, aber der emotionalen Reife eines 16-jährigen. Spider-Man hingegen ist ein 16-jähriger, der plötzlich Superkräfte bekommt und das irgendwie mit seinem Teeanger-Alltag in Einklang bringen muss. Und Batman kämpft häufiger mit inneren Konflikten als mit Superschurken.

Aber die Fantastic Four? Die verkörpern die harmonischste aller Familien. Reed und Sue Richards lieben sich, Ben »The Thing« Grimm mimt den Parade-Onkel und Johnny Human Torch Storm den ... anderen Parade-Onkel. Klar, hier und da gibt's mal Geschwisterstreit, aber in den Fantastic Four stecken kaum inhärente Fallhöhen, zumindest auf den ersten Blick.

Und dann gehört ihr Arsenal jetzt auch nicht zur Crème de la Crème der fancy Superkräfte. Reed Richards kämpft mit dehnbaren Gummiarmen, The Thing ist quasi ein orangener Hulk, Johnny ein fliegendes Feuerzeug und Sue kann sich unsichtbar machen und beherrscht telekinetische Superkräfte wie jedes zweite Mitglied der X-Men. Ajo.

Dass sich Filmschaffende an dieser Vorlage die Finger verbrennen, beweisen all die gescheiterten bisherigen Adaptionen, allen voran der 2015er Fantastic Four mit seinem unschlagbaren Rotten-Tomatoes-Score von 9 (!) Prozent und fünf Nominierungen zur goldenen Himbeere (von denen er drei gewonnen hat).

Marvels neuer Film The Fantastic Four: First Steps soll alles anders machen. Nicht nur innerhalb der Fantastic-Four-Umsetzungen. Als erster Film der Phase 6 stellt er die Weichen für die Zukunft des MCU, bereitet auf den gigantischen Avengers: Doomsday vor, soll zeigen, dass Marvel aus all den lauwarmen Aufgüssen der letzten fünf Jahre gelernt hat. First Steps soll Sue, Reed, Ben und Johnny endlich zum Durchbruch verhelfen.

Und genau das tut er nicht. Ich bin ehrlich verblüfft, dass nach all den Lektionen der Vergangenheit 2025 noch so ein zahnloser Superhelden-Film auf der großen Leinwand läuft.

Spoilerfrei: Was geht ab in Fantastic Four: First Steps?

Vorneweg: First Steps ist kein schlechter Film. Ihr könnt mit dem neuen Fantastic Four jede Menge Spaß haben; es explodiert viel, es gibt schicke Effektgewitter und der retrofuturistische 60er-Jahre Stil des Films ist klasse inszeniert. Außerdem habe ich gerade erst mit meinem Kollegen Sören geschrieben, der sich als junger Papa sehr in das ganze Wir müssen unser Baby retten-Szenario hineinfühlen kann.

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Im Kern fährt First Steps zweigleisig: Die Story spielt in einem alternativen Marvel-Universum, in dem alle technischen Errungenschaften im Look der 1950er- und 60er-Zukunftsvision verharren. Quasi wie Fallout vor dem Weltuntergang. Die Fantastic Four agieren seit fünf Jahren als die einzigen bekannten Superhelden der Erde und müssen auf der einen Seite den gigantischen Fast-Food-Junkie Galactus daran hindern, die Erde zu verspeisen, und gleichzeitig Sues und Reeds neugeborenen Sohn Franklin beschützen.

Euch erwartet also eine unheimlich klassische Superheldengeschichte: Bösewicht bedroht die Erde, die Helden probieren ein paar Sachen aus und hoffentlich klappt irgendeine von ihnen am Ende. Wer Lust auf diese Art von altbekanntem Action-Ritt verspürt, kann sich hier wunderbar berieseln lassen.

Aber es ist schon verblüffend, wie sehr dieser Film vermeidet, an irgendeiner Stelle mehr als 08/15-Genrekost zu sein.

Einfach nicht drüber

Weil die Fantastic Four in sich recht gefestigte Charaktere sind, müssen in der Regel externe Faktoren für Spannung sorgen. Die besten Comic-Autorinnen und -Autoren verstehen, was das bedeutet, und drehen in ihren Geschichten den Sci-Fi-Regler voll auf Anschlag.

Ich blättere just in dieser Sekunde zufällig durch einen Comic-Band. In einem Heft reisen die Vier zusammen mit Thor und Iron Man an der Seite tausender anderer Fantastic Fours aus anderen Zeitlinien ans Ende der Existenz, wo sie sich einen Schlagabtausch jenseits von Zeit und Raum liefern.

In der nächsten Geschichte stranden sie in einer alternativen Gegenwart, in der ein Roboter-Josef-Stalin den Kalten Krieg am Leben hält. Eine Story später verirren sie sich zusammen mit einem Trupp US-Spezialeinheiten auf eine verlorene Insel voller Dinosaurier. Und wieder ein Heft später taucht ihr hochbegabter Sohn Franklin aus der Zukunft in New York auf und lässt die Fantastic Four gegen die Fantastic Four aus den 1960ern kämpfen.

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Will sagen: Die Abenteuer der Fantastic Four sind in der Regel so drüber, dass nur Supergenies wie Sue und Reed Richards die Probleme lösen können. First Steps wird da sein eigenes Erbe als mittlerweile 37. MCU-Film zum Verhängnis. Zeitreise, Dimensionskrams und all die anderen schrägen Konzepte hatten wir schon oft; First Steps bleibt hier über weite Strecken sehr zahm.

Generell bietet der Film eigentlich nur zwei größere Actionszenen, stattdessen wird unheimlich viel geredet und rumprobiert. Erst gegen Ende fährt er dann mal ein paar wildere Ideen auf, für die ihr aber einige fiese Logiklöcher wegblinzeln müsst.

Kurzum: Das Abenteuer rund um Galactus ist nett, bleibt aber gemessen an der Vorlage weit hinter dem, was eigentlich möglich gewesen wäre.

All die tollen Ideen ... führen ins Nichts

Dass die Fantastic Four keine spannenden inneren Konflikte austragen, ist aber alles andere als in Stein gemeißelt. Im Gegenteil: Einige der besten Geschichten kitzeln ungeahnte Tiefen aus Reed, Sue und Co. heraus. Und First Steps deutet die tatsächlich an, macht aber leider nichts damit.

Ein Beispiel: Reed Richards. Gerade in den Ultimate Comics der 2000er ist Reed Richards eine ungemein komplexe Figur; ein Genie mit guten Absichten, aber einem völlig defekten emotionalen Kompass. Sein brutaler Vater hat ihn nie akzeptiert, in der Schule wurde er gemobbt, ihm blieb bloß die Wissenschaft. Reed Richards neigt zur Obsession, zu manischen Gedanken und nur Sue schafft es, ihn irgendwie zu erden. Als Sue ihm in den Ultimate Comics das Ja-Wort verweigert, verwandelt sich Reed in den Maker, den schlimmsten Schurken, den das Marvel-Universum je gesehen hat. Das alles steckt in Reed.

Auch die Hintergrundgeschichte von Galactus wird im Film bloß angedeutet. Schade eigentlich, denn der Kerl ist eine ziemlich tragische Figur. Auch die Hintergrundgeschichte von Galactus wird im Film bloß angedeutet. Schade eigentlich, denn der Kerl ist eine ziemlich tragische Figur.

First Steps kokettiert hier und da mit diesem Abgrund, Reed sagt sogar einmal zu seinem Kind Ich hoffe, du wirst nicht wie ich, aber dann wird der Gedanke nie wieder aufgegriffen.

Anderes, eher klassisches Beispiel: Dass Ben Grimm als einziges Mitglied der Fantastic Four äußerlich drastisch verändert wurde, lässt den starken Krieger in der Vorlage sehr leiden. Im Film wird dieser Selbstzweifel in einer einzigen Szene angedeutet ... und dann nie wieder aufgegriffen.

Eine nette Fassade

Auch dieses ganze retrofuturistische Setting ist letztlich bloß eine Fassade. In First Steps begegnet die Menschheit den Fantastic Four mit einer wilden Euphorie, der Film adaptiert den Technik-Optimismus der 1960er, das Wettrennen um die Mondlandung und, und, und. Und den ganzen Film über warte ich auf die Pointe, denn so eine Überzeichnung muss ja irgendwo hinführen ... nur tut sie das nicht. An einer einzigen Stelle im Film scheint die Stimmung zu kippen, dann hält Sue eine kurze Rede und alles ist wieder gut.

Auch hier: Was für ein vergeudetes Potenzial. Die Technik-Euphorie der 1950er und -60er fand vor dem Hintergrund des Kalten Krieges statt. Propaganda und Fortschritt gingen Hand in Hand, Fallout hat das zum Beispiel wunderbar verstanden. Nicht so The Fantastic Four. Hier zieht einfach die ganze Menschheit konstant an einem Strang und macht absolut alles, was die Fantastic Four sich von ihnen wünschen. Technophiler Weltfrieden.

Ein lustiger Zufall, dass The Fantastic Four und Superman so nah beieinander erscheinen, denn beide Filme streben in eine ähnliche Richtung: Sie wollen klassische Werte wieder cool machen. Superman verkörpert die Hoffnung, die Fantastic Four stehen für das Ideal einer (Welt-)Familie, ganz frei vom Zynismus der echten Welt.

Superman gelingt es ziemlich gut, die unsterblichen Ideen des Man of Steel ins Hier und Jetzt zu transportieren. Fantastic Four muss dafür hingegen eine komplett künstliche Realität erschaffen – und selbst dann noch drücken und quetschen, damit alles irgendwie zusammenpasst.

Das alles ergibt hinten raus schon ein rund aussehendes Ganzes; wie gesagt: Mit First Steps kann man seinen Spaß haben. Aber als Fan der Fantastic Four hätte ich mir gerade nach den bisherigen Filmumsetzungen so viel mehr gewünscht.

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