Firefox verliert immer weiter an Boden, und das hat mehrere Gründe

Ausgerechnet eine hauseigene Statistik zeigt, dass Firefox immer mehr Nutzer verliert. Ein Blick auf die Gründe verschafft Klarheit.

von Sören Diedrich,
06.08.2021 17:49 Uhr

Der einstige Browserkönig Firefox findet noch immer kein geeignetes Mittel, um die Nutzer zum Bleiben zu bewegen. Der einstige Browserkönig Firefox findet noch immer kein geeignetes Mittel, um die Nutzer zum Bleiben zu bewegen.

Wohl kaum jemand hätte vor zehn Jahren gedacht, dass sich der Firefox-Browser plötzlich mit rasanter Geschwindigkeit der Bedeutungslosigkeit nähert. Doch genau dieses Szenario bahnt sich mehr und mehr an, wenn man sich die Statistiken anschaut. Zahlen allein verraten aber noch nichts über die Gründe, die zu dieser Entwicklung geführt haben.

Nutzerschwund in Millionenhöhe

Ausgerechnet der von Mozilla erhobene »Firefox Public Data Report« stellt den voranschreitenden Nutzerschwund anschaulich dar. Der Report umfasst die Zeitspanne von Januar 2019 bis Ende Juli 2021. Vergleicht man, wie die Nutzerzahlen Anfang 2019 ausschauten und wo sie zuletzt lagen, beträgt der Verlust etwas mehr 46 Millionen User.

Beim Verlauf der Kurve fällt zwar auf, dass die Nutzerzahlen schon immer gewissen Schwankungen unterlagen, doch ein anhaltender Abwärtstrend ist dennoch nicht zu verleugnen:

In den vergangenen Jahren wendeten sich immer mehr Menschen vom Firefox ab. (Quelle: Mozilla) In den vergangenen Jahren wendeten sich immer mehr Menschen vom Firefox ab. (Quelle: Mozilla)

Deutschland ist eine der letzten verbliebenen Hochburgen des feurigen Fuchses. Hierzulande kam der Browser laut Statista im Juni 2021 noch auf Platz 2 mit knapp 21 Prozent Marktanteil. Das mag zwar zunächst gut klingen, doch auch hier ging die Kurve in den vergangenen Jahren steil nach unten - im Jahr 2017 war der Firefox mit knapp 38 Prozent noch Spitzenreiter.

Nicht nur Chrome ist schuld

Bei einer solchen Entwicklung ist natürlich die Frage nach den Gründen eine überaus wichtige. Im Falle des Firefox ist jedoch nicht nur die Konkurrenz für die Problematik verantwortlich, auch wenn sie natürlich eine gewichtige Rolle spielt:

Chrome ist überall: Dieser Punkt sollte niemanden überraschen, der sich schon mal in dieses ominöse »Internetz« gewagt hat. Der Browser aus dem Hause Google war vor allem in seinen Anfangstagen nicht zuletzt dank der Suchmaschine fast schon omnipräsent. Ständig bekam man empfohlen, doch mal diesen tollen, neuen Browser auszuprobieren.

Beim weltweiten Marktanteil musste sich Firefox zuletzt sogar dem Microsoft Edge geschlagen geben. (Quelle: Statcounter) Beim weltweiten Marktanteil musste sich Firefox zuletzt sogar dem Microsoft Edge geschlagen geben. (Quelle: Statcounter)

Heute hat man dieses Bewerben zwar zurückgefahren, doch vor allem weniger technikaffine Nutzer werden bestimmt noch immer froh darüber sein, dass Google einem bei der Browserwahl hilft. Das sorgte dafür, dass Chrome rasant zulegte - zu Lasten des damaligen Platzhirsches Firefox.

Heute krallt sich Chrome laut aktueller Statcounter-Daten weltweit bereits erdrückende 68 Prozent des Kuchens, nicht zuletzt auch dank Android auf Smartphones. Sogar Microsofts Edge konnte mittlerweile hauchdünn am alten Konkurrenzen vorbeiziehen.

Mozilla verärgerte die Stammuser: In den vergangenen Jahren hat zudem der Ruf von Firefox etwas gelitten. Viele User zeigten sich verärgert über die regelmäßigen Neugestaltungen der Oberfläche und des bekannten Fuchs-Logos, was die Entwickler sogar zu einem Statement bewog. Aber auch Experimente mit Werbeanzeigen direkt im Browser sorgten nicht gerade dafür, dass sich die Gemüter beruhigten.

Doch dann entschieden sich die Entwickler auch noch dazu, ausgerechnet bei der für viele User größten Stärke des Firefox Hand anzulegen: Seiner Anpassbarkeit und Vielseitigkeit in Form von Addons. Denn man entschied sich zu einem Wechsel auf einen neuen technischen Unterbau namens »WebExtensions«. Vor allem kleinere Addons, die dennoch sehr populär waren, wurden von ihren Erstellern nicht auf die neue Schnittstelle portiert und funktionierten nicht mehr:

Firefox-Erweiterungen bald inkompatibel   86     0

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Es bleibt abzuwarten, ob Firefox in Zukunft noch einmal das Ruder herumreißen und wieder mehr Nutzer für sich gewinnen kann. Ein Weg hierzu könnte das heutige Reizthema Datenschutz sein. Denn viele Menschen geben mittlerweile aufgrund zahlreicher Skandale in der Vergangenheit mehr auf ihre Daten im Internet acht und möchten wissen, was damit geschieht.

Aus diesem Grund haben die Firefox-Entwickler bereits im vergangenen Jahr die Sammlung der Nutzerdaten komplett transparent gestaltet. Auf einer speziellen Website kann man sich alle gesammelten Telemetrie-Daten anschauen.

Welchen Browser benutzt ihr? Haltet ihr dem alten Fuchs noch die Treue, oder seid ihr auch bereits auf einen Chromium-basierten Browser umgestiegen? Wenn ja, was war für euch der ausschlaggebende Grund? Lasst es uns gerne in den Kommentaren wissen!

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