Forza Horizon 4 - Nach Emote-Klagen bei Fortnite: Zwei Tänze vorsorglich aus dem Spiel entfernt

Entwickler Playground geht bei Forza Horizon 4 offenbar auf Nummer sicher: Nach den Emote-Klagen rund um Fortnite wurden mit dem Carlton und dem Floss zwei Tänze aus dem Spiel entfernt.

von Elena Schulz,
16.01.2019 13:26 Uhr

Auch wenn man es auf den ersten Blick nicht vermutet, gibt es Tanz-Emotes in Forza Horizon 4 - nicht für die Autos, sondern die Avatare.Auch wenn man es auf den ersten Blick nicht vermutet, gibt es Tanz-Emotes in Forza Horizon 4 - nicht für die Autos, sondern die Avatare.

Mit dem aktuellen Update für Forza Horizon 4 fügen Microsoft und Playground Games nicht nur Mitsubishi-Fahrzeuge, ein neues Solo-Adventure und eine neue Horizon-Story hinzu, sondern auch Dinge wie Season-Events und mehr.

Zusätzlich zu ein paar kleineren Änderungen werden zudem zwei entfernte Tanz-Emotes aufgelistet: Der Carlton und der Floss. Der Entwickler kommentiert das nicht näher, es handelt sich aber wahrscheinlich auf eine vorsorgliche Reaktion auf die Emote-Klagen gegenüber Fortnite-Entwickler Epic.

Für den individuellen Spieler-Avatar stehen in Forza Horizon 4 eine Reihe von Tanz-Animationen bereit, die man freischalten kann. Neben den beiden entfernten Tänzen sind noch andere mit Popkultur-Referenzen wie Drakes »Hotline Bling« und ein Moonwalk im Stil von Michael Jackson darunter. Die verbleiben erst einmal im Spiel, vermutlich, weil sie nicht direkt von den Fortnite-Klagen betroffen sind.

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Drama um die Fortnite-Tänze: Worum geht es?

Im Fortnite gibt es viele Tanz-Emotes, die auf beliebten Popkultur-Phänomenen basieren. Dazu gehören auch zahlreiche Tänze wie zum Beispiel der Carlton-Dance aus Der Prinz von Bel-Air, der so auch schon in anderen Spielen wie Destiny verfügbar war. Bei Fortnite haben die Tänze aber so enorm zum Erfolg und zur Beliebtheit beigetragen, dass einige Künstler ihren Anteil fordern.

Los ging es letztes Jahr unter anderem mit einem Tweet von Chance the Rapper, der forderte, Epic möge die Künstler an den Gewinnen durch die Tanz-Emotes beteiligen. Die kosten schließlich ungefähr fünf Euro im Spiel. Die eigentlichen kreativen Köpfe hinter den Tänzen sehen aber keinen Cent davon, was unter anderem Rapper 2 Milly, dessen Tanz mit dem Swipe-It-Emote im Spiel ist, sauer aufstieß. Auch Rapper Blocboy JB ärgerte sich darüber, dass sein »Shoot Dance« ohne Genehmigung im Spiel auftaucht.

Weiter beschwerte sich Scrubs-Star Donald Faison über seinen Tanz im Spiel. Offenbar fragte Epic hier sogar beim Produzenten der Serie an und erhielt die Erlaubnis, Faison fehlt im Spiel aber ein Hinweis auf ihn, womit ihm der Tanz nicht mehr gehöre. 2 Milly ging schließlich noch einen Schritt weiter und klagte gegen Epic. Genauso wie Alfonso Ribeiro aus der Serie Der Prinz von Bel-Air, der für seinen Carlton Dance vor Gericht zieht.

Im Spiel heißt der Tanz zwar »Fresh«, nach dem englischen Namen der Serie »Fresh Prince«, es ist aber eindeutig sein Tanz. Er versucht jetzt, offizielles Copyright für seinen Tanz zu erlangen. Ribeiro klagt übrigens genauso wie Rapper 2 Milly zudem gegen NBA 2K, wo die Tanz-Emotes ebenfalls zum Einsatz kommen.

Zum Kreis der Fortnite-Kläger gesellte sich jüngst auch noch die Mutter des »Orange Shirt Kids«, weil der verwendete Tanz »das kreative Erzeugnis ihres Sohnes sei, das Epic ausbeuten würde«. Allerdings entstand der ursprünglich als Teil eines Wettbewerbes, der von Epic veranstaltet wurde. Auch wenn der Junge nicht gewonnen hat, macht es das fraglich, ob er hier Rechte geltend machen kann. In jedem Fall wird aber deutlich, dass die Fortnite-Emotes eine große Kontroverse nach sich ziehen, die sich auch auf andere Spiele ausbreitet.

Kann man sich Tänze schützen lassen?

Dabei ist natürlich interessant zu wissen, ob man sich Tänze überhaupt wie Texte, Noten oder andere kreative Erzeugnisse schützen lassen kann. Schließlich handelt es sich um eine Abfolge von Bewegungen. Zum Fall 2 Milly erklärte Business- und Entertainment-Anwalt Merlyne Jean-Louis im Gespräch mit CBS, dass es keine umfassenden rechtlichen Bestimmungen zur Nutzung von Choreografien gäbe, wie das bei Texten oder Melodien der Fall ist.

Ein Artikel von IGN zum Thema führt das weiter aus: Man kann sich zwar Choreografien als Gesamterzeugnis schützen lassen, ebenso wie Namen für Tänze, nicht aber einzelne Tanzschritte. Damit hätte der Carlton Dance, der aus mehreren Schritten besteht, bessere Chancen auf den Sieg vor Gericht gegen Epic als der eine Tanzschritt des Floss Dance.

Anwalt Kai Bodensiek sagte im GameStar-Interview: »Bisher haben die Leute immer gelacht, wenn ich an der Uni meine Urheberrechtsvorlesung halte und sage, Choreografien sind geschützt. Jetzt habe ich endlich konkrete Beispiele!«

Hinzu kommt, dass diese Tänze ihrerseits bestehende Schritte oder Bewegungen nehmen und etwas anderes daraus machen, was die Rechtslage noch komplizierter macht. Es bleibt also unklar ab wann und in welchem Umfang man sich einen Tanz schützen lassen kann und vor allem, wem er anschließend gehört. Im Fall von Donald Faison steht zum Beispiel auch zur Diskussion, ob nun die Serienmacher oder er als Tänzer über die Rechte zu seinem Tanz verfügt. Wir haben deshalb für einen separaten Artikel bei einem Anwalt nachgefragt, um uns ein wenig Klarheit zu verschaffen, insbesondere auch in Bezug auf das europäische und deutsche Recht.

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