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Gänse sind nicht so fies wie in Untitled Goose Game dargestellt – meint Expertin

Allem Anschein nach erstellen sich Gänse keine Listen voller Streiche, um Menschen zu belästigen und traktieren, wie sie es im Indie-Hit Untitled Goose Game tun.

von Valentin Aschenbrenner,
27.11.2019 14:52 Uhr

Für viele Spieler der beste Schurke des Gaming-Jahres 2019: Die Gans des Untitled Goose Game. Für viele Spieler der beste Schurke des Gaming-Jahres 2019: Die Gans des Untitled Goose Game.

Wer schon mal von einer Gans gezwickt wurde, weiß fürs Leben: Mit diesen Federviechern legt man sich besser nicht an. So erfüllt das Untitled Goose Game eine Fantasie, von der viele Spieler vielleicht gar nicht wussten, dass sie die hatten: Als Gans in einer Kleinstadt Angst und Schrecken zu verbreiten und alles zu stibitzen, was nicht niet- und nagelfest ist.

Gegenüber Kotaku berichtet nun die die Doktorin Isabel Scheiber, die Gänse seit 2012 studiert, dass solche Schnattertiere eigentlich gar nicht so fies sind, wie in Untitled Goose Game dargestellt. Und nein, sie bezieht sich natürlich nicht darauf, dass der Gänse-Protagonist des Spiels sich eine Liste voller Streiche erstellt, um in dem Dörfchen das Maximum an Unruhe zu stiften.

Ist die gemeine Gans wirklich so ... gemein?

So beschreibt Scheiber, dass sich beispielsweise wilde Gänse so gut wie gar nicht für Menschen interessieren und größtenteils ignorieren. Gänse, die in menschlicher Obhut aufwachsen, sind wiederum neugieriger und neigen tatsächlich dazu, Dinge zu klauen und allgemein etwas frecher aufzutreten.

Dass die Gans in Untitled Goose Game einem Gärtner das Gärtnern schwer macht oder einem kleinen Junge die Brille stibitzt, wirkt mit Isabels Scheibers Perspektive nun gar nicht mehr so unrealistisch:

"Besonders als Jugendliche können [Gänse] sehr neugierig sein und sie lieben es, an Dingen wie Fäden, langen Haaren oder Ohrringen zu ziehen. [Unsere Gänse] haben sogar unsere Merkblätter geklaut, mit denen sie fröhlich durch die Gegend laufen. Das liegt daran, dass sie sich von Dingen ernähren die sie aus dem Boden (wie zum Beispiel Gras) oder aus dem Wasser ziehen. Ich könnte mir auch vorstellen, dass sie beispielsweise eine Tür öffnen, die mithilfe eines Seils verschlossen ist, wenn sie an diesem Seil ziehen."

Im Endeffekt ist die gemeine Gans noch immer ein Tier und wird sich auch stets wie ein Tier verhalten: Sieht sie sich selbst oder ihr Nest bedroht, geht sie zum Angriff über. Und wächst eine Gans unter Menschen auf, wird sie früher oder später um Dominanz ringen. Hat sie einmal damit Erfolg, wird dieses Verhalten bestätigt und kann öfter zustande kommen.

Dass Menschen eine gewisse Angst oder zumindest Respekt vor Gänsen entwickelt haben, überrascht Scheiber übrigens nicht: So sieht sie in populären Video-Clips auf Youtube, in denen Gänse Passanten attackieren, beispielsweise einen Grund dafür. Ihr zufolge wird es aber so gut wie immer einen triftigen Grund für den Angriff geben und derart aggressives Verhalten ist ihr zufolge nicht charakteristisch für Gänse. Doch vielleicht wollen uns die Gänse genau das glauben lassen...

Das komplette Interview mit Doktorin Isabel Scheiber findet ihr bei Kotaku und könnt dort beispielsweise auch nachlesen, inwiefern die Gans des Untitled Goose Game realistisch watschelt oder mit den Flügeln schlägt.

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