Im NFT-Spiel von Peter Molyneux wird fiktives Land für Unsummen verkauft

Über 50 Millionen Dollar für virtuelles Land, noch vor Release: Das NFT-Spiel Legacy setzt bereits Rekordsummen um. Was steckt dahinter?

von Christian Just,
17.12.2021 10:26 Uhr

Wie heiß das Thema NFTs derzeit in Kryptokreisen gehandelt wird, zeigt der gigantische Erfolg von Legacy. Noch vor Release der neuen Wirtschaftssimulation von Peter Molyneux wurden NFT-Grundstücke für über 50 Millionen US-Dollar verkauft. Legacy soll irgendwann im Jahr 2022 erscheinen.

Das teuerste Grundstück, das zentral in der Spielwelt gelegene Heart of London, ging für astronomische 914.499,84 US-Dollar über die virtuelle Ladentheke. Fast eine Million reale Scheine also - für ein digitales Grundstück in einem Spiel, das noch nicht erschienen ist. Andere Grundstücke rangieren preislich zwischen 3.300 und 125.000 US-Dollar.

Mit eigener Kryptowährung

Eine neue Kryptowährung für Legacy steht ebenfalls in den Startlöchern: Der LegacyCoin bildet die Grundlage für die Spielwirtschaft. Laut Blogpost von Entwickler 22 Cans sollen Spieler echtes Geld damit verdienen können. Das würde aber zum Beispiel eine Handelbarkeit auf Kryptobörsen wie Binance oder der Coinbase Exchange erfordern. Ob der LegacyCoin dort aber gelistet wird, wurde bislang nicht öffentlich kommuniziert.

Wie sich der Kurs der Währung entwickeln würde, steht ebenfalls in den Sternen. Und angesichts der Beteiligung vom in den letzten neun Jahren stark kritisierten Peter Molyneux ist zumindest eine gesunde Potion Skepsis angeraten. Hier informieren wir euch, was bereits bekannt ist.

NFTs sind derzeit aus dem Kryptosektor nicht mehr wegzudenken: Leute bezahlen Unsummen für das Pixelbild einer Influencerin, Publisher Ubisoft startet eine eigene NFT-Großoffensive namens Quartz und sogar die Entwickler von Stalker 2 wollten auf NFTs setzen, mussten aber kurz darauf zurückrudern.

Was es mit NFTs auf sich hat und wieso Kryptogaming unser Hobby nicht voranbringt, sondern neue Probleme schafft, besprechen wir ausführlich im GameStar-Podcast. Hört doch mal rein:

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Warum kaufen Leute die Grundstücke?

Für die große Nachfrage nach teuren Legacy-Grundstücke ist vermutlich nicht nur die schiere Popularität von NFTs verantwortlich. Sicherlich löst alleine der Begriff in Teilen der Kryptoszene eine gewisse Neugier aus. Aber dahinter steckt oft nicht die Lust auf teure Spielereien, sondern die kalkulierte Hoffnung auf eigene künftige Gewinne.

Vermutlich spekulieren die Käufer darauf, mit den Grundstücken bald selbst ordentlich Geld verdienen zu können. Wie das genau funktionieren soll, wurde von 22 Cans jedoch noch nicht abschließend beantwortet. Denn LegacyCoin wurde bislang weder veröffentlicht, noch erklärten die Entwickler genauer, inwieweit die Kryptowährung künftig überhaupt gehandelt werden kann.

So viel ist bekannt: LegacyCoin basiert auf der Ethereum-Blockchain. Da diese auf ein Proof-of-Work-System setzt, gilt sie als sehr rechenintensiv und bietet entsprechend Angriffsfläche für Kritiker. Die führen als Gegenargumente häufig Umweltbelastung durch hohen Stromverbrauch sowie zu erwartende Engpässe bei Grafikkarten an.

Spieler können in Legacy mit dem Coin handeln und so ihr Ingame-Geschäft vorantreiben. Sie können anderen Spielern, die kein Grundstück besitzen, selbst hergestellte Produkte im Spiel verkaufen. So sollen virtuelle Grundbesitzer auf damit erzielte LegacyCoin-Gewinne einen Anteil kassieren. Zudem soll es Events geben, die mit LegacyCoin als Belohnung locken. Tüchtige virtuelle Geschäftsleute sollen im Spiel also die spezielle Kryptowährung verdienen können. Lediglich die entscheidende Frage nach der Umwandlung in Fiatwährungen bleibt offen.

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Wer ist Peter Molyneux?

Das britische Spieldesign-Urgestein begründete in den 80er-Jahren das Studio Bullfrog Productions mit und war über die Jahrzehnte federführend unter anderem an innovativen Spiele wie Populous, Syndicate, Dungeon Keeper, Black and White und Fable beteiligt.

In den letzten Jahren hat sein Ruf allerdings gelitten, da er für die Göttersimulation Godus zunächst über eine halbe Million britische Pfund via Kickstarter einspielte, das Spiel aber anschließend nicht fertigentwickelte. Godus steckt offiziell seit 2013 im Early Access, erhielt aber seit 2016 auf Steam keine neuen Updates mehr.

Entsprechend sind Interessierte an Legacy gut beraten, nicht zu viel Vorschussvertrauen zu gewähren. Molyneux' Vergangenheit trübt aber offensichtlich den frühen Erfolg seines Spiels kaum, wie die stellaren Umsätze mit den NFT-Grundstücken beweisen.

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