»Ein Monat lang Höllenqualen« - Entwickler von Life by You zieht bitteres Fazit nach dem Aus

Man habe alle internen Zielvorgaben übertroffen und wurde deshalb eiskalt von der Einstellung des Titels überrascht. Das verrät nun ein ehemaliger Designer.

Befand sich Life by You auf einem guten Weg in Richtung Release? Ein Entwickler sagt: Ja! Befand sich Life by You auf einem guten Weg in Richtung Release? Ein Entwickler sagt: Ja!

Vor einigen Tagen erhielten Fans der Lebenssimulation Life by You die traurige Bestätigung: Der aussichtsreiche Konkurrent für Die Sims wird eingestellt und somit nie das Licht der Welt erblicken.

Dieser harten Entscheidung ging eine Verschiebung des Release auf unbestimmte Zeit voraus, was für Spiele gemeinhin selten ein gutes Zeichen ist. Im Rahmen der Einstellung gab der Publisher ein Statement ab, dass eine Version des Spiels, mit der man zufrieden wäre, in weiter Ferne liege.

Dieser Aussage widerspricht nun ein ehemaliger Designer des Spiels. Er geht mit neuen Infos an die Öffentlichkeit und zeichnet ein ganz neues Bild der turbulenten Umstände rund um Life by You.

Ich bin ziemlich sauer …

Willem Delventhal, bis vor Kurzem bei Paradox Tectonic als Game Designer tätig, hat sich auf LinkedIn zu einem langen Post hinreißen lassen, in dem er seine eigene Sicht auf die Dinge rund um Life by You niederschreibt.

Entgegen der Darstellung des Publishers seien die Arbeiten am Sims-Konkurrent laut Delventhal bis zuletzt sehr gut verlaufen. Es habe interne Zielsetzungen gegeben und diese habe man nicht nur erreicht, sondern sogar noch übertroffen - inklusive eines Daumen nach oben seitens Paradox kurz vor dem angedachten Start des Early Access auf Steam.

So hätte sich Life by You gespielt, wenn es denn erschienen wäre. Video starten 13:29 So hätte sich Life by You gespielt, wenn es denn erschienen wäre.

Dann wurde der Release plötzlich doch noch abgeblasen. Delventhal zufolge habe das Team einen Monat lang Höllenqualen auf sich genommen, um das Projekt irgendwie zu retten. Unter anderem suchte man nach potenziellen Käufern und schlug Paradox sogar vor, sich zu trennen und Life by You als Indie-Studio forzuführen. Doch es half alles nichts.

Inzwischen haben alle im Team ihren Arbeitsplatz verloren - ein Schicksalsschlag, von dem die Betroffenen laut Willem Delventhal nur durch eine öffentliche Bekanntmachung erfahren haben.

Die Gründe dafür habe man ihnen nicht mitgeteilt. Der Designer hält in seinem LinkedIn-Post fest: Ich bin ziemlich sauer, ich will nicht lügen.

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Auslaufmodell Publisher: Brauchen wir die noch oder können sie weg?

Heutzutage kann jedes Studio seine Spiele selbst veröffentlichen. Braucht es da noch Gaming-Publisher? Unsere Gäste sind unterschiedlicher Meinung.

Delventhal macht keinen Hehl daraus, wo er die Schuldigen verortet:

Diese Branche ist zu einem Ort geworden, an dem man mehr liefern kann als erwartet, AA-Finanzen hinter sich hat und trotzdem zwei Wochen vor der Markteinführung den Boden unter den Füßen weggezogen bekommt.

Diese Worte der Enttäuschung und Desillusion hinsichtlich der aktuellen Zustände in der Spielebranche erinnern stark an viele der Aussagen rund um die Schließung von Tango Gameworks (The Evil Within, Hi-Fi Rush, Ghostwire Tokyo). Auch damals haben viele in der Branche arbeitende Menschen ihren Unmut in Social Media kundgetan.

Ob es irgendwann doch noch einmal mit Life by You weitergeht, ist ungewiss. Stand heute ist das Projekt auf Eis gelegt und Fans von Lebenssimulationen müssen wohl oder übel auf Die Sims 5 warten, das mit einem neuen Free2Play-Verkaufsmodell aufwarten soll.

Die wohl größte Besonderheit von Life by You werden wir aber sehr wahrscheinlich nicht im fünften Teil von EAs populärer Reihe vorfinden, nämlich den großen Fokus auf von Spielern erstellte Inhalte. Denn bekanntlich erscheinen für Die Sims immer zahlreiche kostenpflichtige Inhaltspakete und da würde eine solche Mechanik wohl nur stören - zumindest den Publisher.

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