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Der Lootbox-Shitstorm um CoD Modern Warfare und was dahinter steckt

Die positive Stimmung nach der Open Beta von CoD Modern Warfare wurde von einer Kontroverse um Mikrotransaktionen abgelöst. Wir klären, woher die ganze Aufregung eigentlich kommt.

von Philipp Elsner,
27.09.2019 11:35 Uhr

Das Gameplay von CoD Modern Warfare ist nicht das Problem, sondern die Sorge um das Finanzierungsmodell nach Release. Das Gameplay von CoD Modern Warfare ist nicht das Problem, sondern die Sorge um das Finanzierungsmodell nach Release.

Die Beta von Call of Duty: Modern Warfare rief bei Fans ein fast durchweg positives Echo hervor. CoD sei endlich wieder auf einem sehr guten Weg, so der Tenor aus der Community. Auch wir ziehen eigentlich ein positives Fazit.

Nur kurze Zeit später scheint die Stimmung auf Twitter, reddit & Co. zu kippen: Wütende Spieler fordern zum Boykott auf, stornieren Vorbestellungen und auf YouTube erscheinen Videos mit Titeln wie "Wird Activision Modern Warfare mit Supply Drops und Gier ruinieren?".

Was war passiert?

Die Angst: In der Beta hatten Spieler Hinweise auf Supply Drops entdeckt, das CoD-Pendant von Lootboxen. Die sind spätestens seit Black Ops 4 für viele Fans ein rotes Tuch, denn sie stehen für eine aggressive Monetarisierungspolitik. Denn neben einem Season Pass, Battle Pass und einzelnen Items, werden im Black Ops 4 auch DLC-Waffen in Form von Supply Drops gegen echtes Geld angeboten. Einer der größten deutschen CoD-YouTuber, HapticRush, hat beispielsweise jüngst erst 500 Euro ins Spiel stecken müssen, um für ein Video eine neue Waffe aus den Lootboxen zu ziehen. Leider waren seine Mühen (und Investitionen) vergebens.

Der Leak: Die Aussicht, dass auch Modern Warfare wieder Supply Drops haben würde, weckt also die schlimmsten Befürchtungen der Community. Als der Leaker TheGamingRevolution dann am 25. September behauptete, man könne sich tatsächlich neue Waffen durch Lootboxen verdienen, war der Aufschrei in der Community entsprechend groß.

Der Aufschrei: Viele sehen ihre Vorbehalte gegen Activision nun bestätigt und fordern, dass ausschließlich kosmetische Items wie Skins in Form von Mikrotransaktionen verkauft werden. Der Shitstorm kam für den Hersteller zur Unzeit, denn zeitgleich entbrannte eine Debatte über die Survival-Missionen in im Spec-Ops-Koop, die ein Jahr lang exklusiv auf PS4 spielbar sein werden.

Wie glaubhaft sind die Leaks?

TheGamingRevolution gilt in der CoD-Community als glaubhafte Quelle, da viele (jedoch nicht alle) seiner Prognosen und Voraussagen zu Call of Duty: Modern Warfare und zuvor bereits Call of Duty: Black Ops 4 eingetreten sind. Viele gehen deshalb davon aus, dass der Leaker über interne Quellen verfügt.

Dennoch musste TheGamingRevolution seine Behauptungen am 27. September zumindest teilweise revidieren: In einem internen Meeting zwischen Activision und Infinity Ward sei über Supply Drops debattiert worden.

Viele Vorbestellungen wären aufgrund des PS4-Exklusivdeals und der Mikrotransaktionen storniert worden. Man verfolge deshalb einen neuen Ansatz, so der Leaker:

"Sie denken darüber nach, dass sich Spieler [die Waffen] wieder verdienen können. Nichts im Bezug auf Mikrotransaktionen ist bisher in Stein gemeißelt und [...] der Prozess dauert weiter an. Meine Quelle wollte aber die Community wissen lassen, dass sie ihnen nicht egal ist."

Es besteht also durchaus die Möglichkeit, dass Waffen an einem gewissen Punkt in der Entwicklungsgeschichte von Modern Warfare für Supply Drops vorgesehen waren - letztlich entschieden ist aber offenbar noch nichts.

Was sagt der Entwickler?

Unterdessen hat sich auch Joel Emslie, der Art Director von CoD MW bei Infinity Ward, zu der aufgeheizten Debatte um Mikrotransaktionen geäußert. Zunächst ruft er aber zu einer zivilisierteren Diskussionskultur auf: Man verfolge das aktuelle Drama und höre den Spielern ganz genau zu, so Emslie.

Man lese auch die Hasskommentare, in denen den Entwicklern Dummheit, Gier und Inkompetenz vorgeworfen wird. Trotz "dickem Fell" gehe so ein Kommentar so manchem Mitarbeiter nahe. Man sei bei Infinity Ward nur daran interessiert, den Spielern das bestmögliche Spiel zu liefern. Zum Thema Lootboxen sagt Emslie:

"Es gab diese Woche ein paar offizielle Ankündigungen und ein paar Gerüchte. Meine Bitte an euch alle lautet, euch auf die gesicherten Fakten zu konzentrieren und euch nicht von schlecht informierten Leuten verunsichern zu lassen, die sich profilieren wollen, indem sie hetzerische Gerüchte streuen."

Offizielle Angaben zu Mikrotransaktionen im neuen Call of Duty gibt es bisher noch nicht. Bestätigt wurde lediglich, dass es keinen Season Pass geben wird und DLC-Maps nach dem Release von Modern Warfare am 25. Oktober auf allen Plattformen gleichzeitig kostenlos veröffentlicht werden sollen.

Mehr aus der Kampagne als der eigentliche Trailer: Making-of zu CoD MW stellt die Protagonisten vor 6:45 Mehr aus der Kampagne als der eigentliche Trailer: Making-of zu CoD MW stellt die Protagonisten vor


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