Quickscope: Verwirr mich! - Warum es Spaß machen kann, nichts zu verstehen

Wer nicht weiß, was er tut, kann in Computerspielen großen Frust erleben - oder aber richtig viel Spaß haben.

von Rainer Sigl,
17.10.2018 08:00 Uhr

Dark Souls erklärt wenig - und gerade das macht den Reiz des Spiels aus, sagt Rainer.Dark Souls erklärt wenig - und gerade das macht den Reiz des Spiels aus, sagt Rainer.

Normalerweise legen Computerspiele sehr viel Wert darauf, verstanden zu werden. Das ist keine triviale Aufgabe, immerhin sind Games wegen ihrer Interaktivität das einzige Medium, das »richtig« oder »falsch« konsumiert werden kann. Und noch dazu sind viele davon sozusagen Prototypen, deren Bedienung jedes Mal neu erlernt werden muss.

Das klassische Handbuch, das man vor dem ersten Spielstart durchackern musste, ist längst verschwunden, stattdessen sind Tutorials fast überall Standard, vom simplen ersten Level eines Ego-Shooters bis hin zur aufwendigen, mehrteiligen Tutorialkampagne eines Globalstrategiespiels. Das Ziel ist klar: Je schneller Spielerinnen und Spieler die Konzepte, Mechanismen und Feinheiten des jeweiligen Spiels erklärt bekommen und verstanden haben, umso schneller kann der eigentliche Spaß beginnen.

Dementsprechend unspaßig sind die allermeisten Tutorials - nicht selten setzen besonders Komplexitätswunder auf geballten »Frontalunterricht« in möglichst kleingedruckten Beschreibungs-Textboxen.

Harald Fränkel über Tutorials - Steuererklärungen für Dummies
Wer darauf keine Lust hat, kann sich auch sozusagen blind ins jeweilige Abenteuer stürzen. Das funktioniert manchmal ganz gut, wenn man zum Beispiel schon viel Erfahrung mit einem bestimmten Genre hat oder das jeweilige Spiel weiterhin Hilfestellung bietet. In anderen Spielen erleidet man so hingegen krachend Schiffbruch, versagt bei simpelsten Bedienungselementen und kehrt im besten Fall reumütig zurück, nachdem man sich das Tutorial dann doch noch zu Gemüte geführt hat.

Einige wenige Spiele allerdings beziehen ihren Reiz aus genau diesen Momenten, in denen man ohne Vorwissen und völlig ohne Plan auf sich allein gestellt zum ersten Mal dem Spiel und seinen Konzepten begegnet. Zwei aktuelle Beispiele für den Spaß, den Verwirrung machen kann: Cultist Simulator und Dark Souls.

Der Autor
Rainer Sigl schreibt und spricht seit mehr als zehn Jahren für verschiedene Medien über Games, darunter der österreichische Jugendkulturradiosender FM4, die Tageszeitung Der Standard, Golem.de, das Games-Bookazine WASD und das von ihm ins Leben gerufene Gameskulturblog Videogametourism.at. In der exklusiv für GameStar Plus erscheinenden Kolumne »Quickscope« macht er sich über Feinheiten und Gemeinheiten diverser Spiele Gedanken. Und widerspricht auch mal unseren GameStar-Testern.

Ins Labyrinth der Esoterik

Cultist Simulator ist ein seltsames Spiel - ein Unikat, das mit voller Absicht sein Publikum ganz ohne jedes Tutorial zum Beginn ins Ungewisse entlässt. Spielmechanisch, so findet man schnell heraus, ist es eine Mischung aus Kartenspiel und Ressourcenmanagement, thematisch geht es um Esoterik, geheime Kulte und Okkultismus im England der 1920er-Jahre.

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