r/place: Das Online-Experiment von 16 Millionen Menschen ist schon jetzt ein Highlight 2022

Was passiert, wenn Millionen fremder Menschen gemeinsam ein Kunstprojekt starten sollen? Das Reddit-Experiment r/place entpuppt sich als faszinierendes Erlebnis.

von Dennis Zirkler,
11.04.2022 20:20 Uhr

Auch in diesem Jahr gab’s wieder zahlreiche witzige Aprilscherze im Internet zu bestaunen. Doch keiner sorgte für so großes Aufsehen wie das Event von Reddit.

Die Social-Media-Plattform brachte nach fünf Jahren Pause mit r/Place eines der beliebtesten Online-Experimente aller Zeiten zurück. Über 16 Millionen User nahmen in diesem Jahr daran teil, denen das denkwürdige Event sicherlich noch lange in Erinnerung bleiben wird – nicht nur wegen seiner tollen Pixelkunstwerke.

Was ist r/Place überhaupt?

Erinnert ihr euch noch an die Eine-Million-Dollar-Homepage? Hier konnte man Mitte der 2000er-Jahre auf einer leeren Webseite einzelne Pixel kaufen und diese anschließend Einfärben. Nach genau demselben Prinzip funktioniert das Reddit-Event. Allerdings natürlich komplett kostenlos und viel, viel größer.

Da jeder Reddit-Nutzer nur alle fünf Minuten eine einzelne, winzige Kachel platzieren kann, ist es unmöglich, allein zu bauen. Stattdessen sind die Nutzer gezwungen, zusammenzuarbeiten und koordinierte Gemeinschaften zu bilden, um kollektive Pixelkunstwerke zu schaffen.

Da der Platz auf der Leinwand allerdings stark begrenzt ist und jede Community ihre eigenen Ideen verwirklichen will, sorgt das natürlich für ein unheimlich großes Konfliktpotenzial.

Einen kompletten Zeitraffer des Events könnt ihr in folgendem Video sehen:

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Kampf um jeden Pixel

Man könnte meinen, dass dieser Aprilscherz einfach nur ein nettes, kleines Experiment sei, bei dem man sinnbefreit Pixel auf eine große Karte klatscht. Doch sehr viele User nahmen r/Place sehr ernst, als ob in ihnen ein lang vergessenes Stammesbewusstsein reaktiviert wurde. Haben sie sich einem Projekt ihrer Wahl verschrieben, verteidigen sie dessen Platz auf der Leinwand auch mit Haut und Haar.

Große Reddit-Gemeinschaften mit vielen aktiven Usern sind hier natürlich im Vorteil und haben es deutlich leichter, ihre Kunstwerke langfristig zu etablieren.

Einige nennenswerte Beispiele:

  • Der verstorbene Streamer Reckful wurde in Form seiner Space-Ente, die oft mit ihm im Stream zu sehen war, verewigt.
  • Die Star-Wars-Community baute das Filmplakat zu Episode 4: Eine neue Hoffnung und eine Szene des Duells zwischen Anakin und Obi Wan aus Episode 3 nach.
  • Viele Gemeinschaften wollten auch eine Nachricht senden: Das Anti-Auto-Subreddit r/FuckCars baut beispielsweise einen riesigen Parkplatz, um zu zeigen, was für eine riesige Platzverschwendung diese in unseren Städten sind.
  • Die Niederländer haben das bekannte Gemälde De Nachtwache des Malers Rembrandt van Rijn nachgebaut.
  • Auch das deutsche Subreddit r/de war gleich mit zwei riesigen Deutschlandflaggen vertreten, die mit süßen Pixelbildchen versehen wurden – darunter Bernd das Brot, Käpt’n Blaubär und Hein Blöd, Beethoven, der Kölner Dom, die Merkel-Raute oder das Gemälde Wanderer über dem Nebelmeer von Caspar David Friedrich.

Die deutsche Flagge ist zugleich ein gutes Beispiel dafür, wie die verschiedenen Communities erfolgreich zusammenarbeiten können. So wird dem deutschen Bundesadler etwa ein ordentlicher Schluck des belgischen Starkbiers Duvel eingeflößt. Das sieht nicht nur witzig aus, sondern demonstriert auch die ausgeprägte Bierkultur der beiden Länder.

Solche kreativen Ideen werden von der r/Place-Gemeinschaft gerne gesehen. Ganz anders sieht es allerdings aus, wenn sich Twitch-Streamer mit ihren riesigen Communities ins Spiel bringen.

Die Streamer-Invasion

Den Namen xQc dürften die meisten von euch zumindest schon mal gelesen haben: Der kanadische Schreihals ist nicht nur der größte Streamer auf Twitch, sondern sorgt auch regelmäßig für Kontroversen. So auch während des r/Place-Events.

Einer der größten Streamer lebt im Müll   114     3

Twitch

Einer der größten Streamer lebt im Müll

Mit seinen über 200.000 gleichzeitigen Zuschauern, von denen viele ihrem Idol aufs Wort gehorchen, besitzt dieser die Möglichkeit, um schnell große Bereiche der Karte für sich zu beanspruchen. Als er jedoch den Platz des allseits beliebte Star-Wars-Poster mit seinem Logo (ein Icon des Affen Winston aus Overwatch) übermalen lassen wollte, machte er sich quasi zum Staatsfeind:

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Nicht nur wurden all seine Versuche, ein eigenes Kunstwerk auf r/place zu etablieren, fortan direkt zunichte gemacht – laut eigenen Angaben hat er für sein rücksichtloses Verhalten sogar zahlreiche Morddrohungen bekommen.

Wie man als Streamer deutlich produktiver an dem Event teilnehmen kann, zeigte hingegen Mizkif. Dieser lud immer wieder Vertreter der verschiedenen Communities zu diplomatischen Gesprächen in seinen Stream ein und versuchte zu vermitteln.

Beim Revierkampf zwischen Frankreich und Spanien allerdings ohne großen Erfolg, dafür aber mit witzigen Kommentaren:

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Immerhin konnte er in den finalen Stunden des Events alle großen Streamer und ihre Zuschauer vereinen, um das Denkmal für den verstorbenen Streamer Reckful zu verwirklichen.

Das kann sich sehen lassen!

Trotz allerhand Drama zeigt das finale Ergebnis die Schönheit und das Facettenreichtum der Internetkultur: Hass und Symbole von radikalisierten Gruppen sucht man vergeblich, stattdessen entstanden hunderte kleine und große Kunstwerke.

Wer sich wirklich jedes Detail ansehen will, kann Stunden damit verbringen, die fertige Leinwand zu erkunden:

Das finale Kunstwerk lädt zum Stöbern ein. Das finale Kunstwerk lädt zum Stöbern ein.

Millionen fremder Menschen wurden erfolgreich zusammengebracht und arbeiteten gemeinsam an etwas, das ihnen Spaß gemacht hat. Und auch wenn’s nur für ein Wochenende war – wer an diesem Teil der Internetgeschichte mitgewirkt hat, wird dieses sicherlich nicht so schnell vergessen.

Was haltet ihr von diesem Online-Experiment? Gibt es irgendein Kunstwerk, das euch besonders gut gefällt? Schreibt es uns in die Kommentare!

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