Warum 2020 ein fantastisches Spielejahr für Horrorfans wird

Während der Assassins-Creed-Trailer vom Event Xbox 20/20 für Frust sorgt, freut Elena sich lieber auf die Horror-Überraschungen Scorn und Medium.

von Elena Schulz,
09.05.2020 09:19 Uhr

Elena freut sich als Horrorfan besonders auf den Rest des Spielejahres 2020. Elena freut sich als Horrorfan besonders auf den Rest des Spielejahres 2020.

Die ganze Redaktion wartete am Donnerstag beim Xbox-Event gespannt vor allem auf einen Trailer: Assassin's Creed Valhalla. Am Ende sind wir über das Gezeigte aber genauso enttäuscht und irritiert wie viele Spieler - Wo ist denn nun das richtige Gameplay zum Wikinger-Spiel?

Doch während viele ernüchtert den Stream ausmachen, bin ich am Ende trotzdem begeistert. Zugegebenermaßen nicht wegen Assassin's Creed, auch wenn der Ingame-Trailer nicht schlecht aussah. Stattdessen haben mich vor allem zwei andere Spiele in ihren Bann gezogen: Scorn und The Medium.

Beide Horrorspiele zeigen für mich wunderbar, warum 2020 ein fantastisches Jahr für Gruselfans wird. Und mal ehrlich, wer braucht schon Assassinen, wenn er schaurigen Alienhorror im Stil von HR Giger haben kann?

Die Autorin:

Elena ist die Horror-Expertin der Redaktion und schaut ganz genau hin, wo andere sich die Hand vor die Augen halten - selbst wenn es ihr anschließend Albträume beschert. Dabei ist sie selbst eigentlich sehr schreckhaft, wie ihre Kollegen bezeugen können. Allerdings ist sie gleichzeitig zu fasziniert von Horror-Ästhetik, menschlichen Abgründen und der Anatomie des Schreckens, um Horrorspiele zu meiden. Deshalb wird sie auch 2020 wieder in Scorn, Little Hope, Ghostwire Tokyo und Co. versinken.

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Mal einfach gefragt: Warum stechen die beiden Titel überhaupt aus der Horrorlandschaft heraus? Für mich vermitteln die beiden Trailer vor allem zwei Dinge: eine unfassbar dichte Atmosphäre und eine herrlich schaurige und ungewöhnliche Ästhetik, die auch von der ansprechenden Grafik profitiert. Die macht den Horror zumindest rein optisch immer »echter«.

The Medium etabliert schon im Trailer spannende Kontraste: Ich sehe eine Schwangere bei der Ultraschallbehandlung, eine Träne auf ihrer Wange, eine Kirche, die zu Staub zerfällt und dann eine scheinbar hilflose Frau, die durch ein verlassenes Gebäude torkelt, während wie in der Serie Stranger Things immer wieder eine fremde Welt durch die Löcher der morschen Realitätsfassade blickt.

Meine Figur ist als Medium genau zwischen diesen beiden Wirklichkeiten gefangen, was sowohl erzählerisch, als auch spielerisch zu einem mächtigen Instrument in den Händen von Bloober Team werden kann, die mit Layers of Fear, dessen Nachfolger und zuletzt Blair Witch bereits ihr Grusel-Können bewiesen haben.

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Die Ästhetik des Horrors fasziniert mich als Künstlerin, seit ich denken kann. Und gerade HR Giger fängt bei den Alienfilmen für mich sehr wirkungsvoll ein, was ich persönlich mir darunter vorstelle.

Genau das finde ich auch in Scorn wieder: fleischige Fasern, starre Chitin-Platten, blutig plusierende Adern, die dort groteskes Leben vermuten lassen, wo eigentlich keines sein sollte. Organisches trifft auf Künstliches, scheinbar Menschliches mutiert und verwächst mit Außerirdischem. Das weckt verstörende Assoziationen, die ich eigentlich nicht haben möchte.

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Scorn präsentiert mir im Prinzip einen Rorschachtest in Videoform, bei dem ich Frame für Frame wieder meine Wahrnehmung hinterfrage. Phallische Formen, Muttlerleibe an künstlichen Körpern, verklumptes Blut, das wir Würmer aus Schädeln wächst ... urks, lassen wir das, ihr wisst, was ich meine. Scorn entfaltet schon jetzt meisterhaft Albtraum-Potenzial. Und das ohne Worte, sondern allein durch seine Spielwelt.

Auf die bin ich besonders gespannt - schon beim kostenlosen Horror We Went Back war das Raumschiff als Spielwelt mein Highlight, weil es sich stets verändert hat und mich durch schaurige Details das Fürchten lehrte.

Horrorspiele entwickeln sich weiter

Beide Spiele zeigen für mich, dass Horror in Spielen nicht immer für Monster in den ewig gleichen dunklen Gängen stehen muss. Grusel lässt sich wunderbar mit einer Ästhetik und Stimmungswelt verknüpfen, die teilweise sogar Triple-A-Blockbuster aussticht, weil sie nicht nur gute Grafik mitbringt, sondern auch erfrischend anders und unerwartet ist.

Wie gut gemachter Horror funktioniert, haben wir für euch auch in einem umfangreichen, zweiteiligen Plus-Report beleuchtet – mit einer schummrig leuchtenden Taschanlampe natürlich.

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Und auch auf Spiel- und Erzählebene experimentiert das Horrorgenre mittlerweile fleißig: Carrion will mich 2020 zum Beispiel selbst zum Monster machen und Maid of Sker tötet einfach meine Spielfigur, wenn ich nicht rechtzeitig auch vorm Bildschirm die Luft anhalte. Ein Little Hope möchte mir eine spannende Geschichte voller Charaktere liefern, die ich unbedingt am Leben erhalten will und ein Ghostwire Tokyo lässt mich komplett in eine fremde Sagenwelt voller böser Geister eintauchen.

Horrorspiele haben für mich auch in Zukunft noch großes Potenzial, weil sie mich wie kaum ein anderes Genre komplett in einer virtuellen Welt versinken und zwischendurch die Realität um mich herum vergessen lassen.

Weil ich mich erschrecke, angespannt bin und irrationalerweise selbst Angst um mich habe, obwohl nur meine Spielfigur in Gefahr ist, wird das Erlebnis ungleich interaktiver und intensiver - gerade wenn das Horrorspiel auf ein neues Konzept setzt und mich damit mit einer bislang unbekannten Erfahrung konfrontiert.

Da bekomme ich 2020 noch Einiges geboten, worauf ich mich jetzt schon freue. Für mich waren die beiden Horror-Vorstellungen deshalb schon ein toller Vorgeschmack und das unangefochtene Highlight von Microsofts Xbox 20/20-Stream, trotz Assassin's Creed.

Alle aktuellen Horrortipps, die dieses Jahr noch kommen oder gar schon jetzt spielbar sind, findet ihr übrigens in unserer großen Liste zu den besten Horrorspielen 2020. Auf die Plätze, fertig, gruseln!

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