Star Citizen - Kickstarter-Backer will 3.800 US-Dollar zurück, verliert vor Gericht

Aufgrund von Verschiebungen und Abweichungen vom ursprünglichen Konzept wollte ein früherer Star-Citizen-Unterstützer sein Geld zurück. Ein Gericht entschied zugunsten der Entwickler.

von Martin Dietrich,
18.07.2018 18:34 Uhr

Star Citizen zieht sowohl Bewunderung als auch starke Zweifel an. Einem Backer waren die vielen Verschiebungen und die nicht kürzer werdende Feature-Liste nun zu viel und klagte. Star Citizen zieht sowohl Bewunderung als auch starke Zweifel an. Einem Backer waren die vielen Verschiebungen und die nicht kürzer werdende Feature-Liste nun zu viel und klagte.

Ein Gericht in den USA lehnte die Klage eines Backers von Star Citizen ab, der insgesamt 3.800 US-Dollar von Cloud Imperium Games (CIG) beziehungsweise Robert Space Industries (RIS) verlangte. Grund waren die zahlreichen Verschiebungen vom ursprünglich angepeilten Release Ende 2014 und der mit der Zeit immer deutlicher werdende Ausbau eines zunächst angekündigten Wing-Commander-Nachfolgers im Geiste hin zu einem ausgewachsenen, riesigen Weltraum-MMO.

Ken Lord gehörte zu den frühen Star-Citizen-Anhängern und unterstützte das Projekt in den Anfangsjahren in mehreren Intervallen mit rund 4.500 US-Dollar. Motherboard und Kotaku erzählte er seine Geschichte. Als Chris Roberts 2012 Star Citizen ankündigte, war er als großer Fan von Wing Commander und Freelancer schnell an Bord und rechnete damit, dass selbst nach einer möglichen Verschiebung das Spiel vielleicht 2015 oder 2016 in den Verkaufsregalen stehen würde.

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Unzufrieden mit der Ausrichtung als MMO

Es kam anders und Star Citizen entfernte sich mit der Zeit von seiner ursprünglichen Idee und wuchs zu einem Multi-Millionen-Dollar-Projekt heran. Mit einer derzeitigen Crowdfunding-Summe von 190 Millionen Dollar weckt es viele Erwartungen und, je länger die Entwicklung dauert, auch Enttäuschungen. Ken Lord gehört zu letzterer Gruppe, wollte nie ein MMO haben und gab sein Geld damals in dem Glauben, dass er eine reine Singleplayer-Erfahrung zurückbekäme.

Als dann noch klar wurde, dass die ausgekoppelte Singleplayer-Kampagne von Star Citizen, Squadron 42, auch Ego-Shooter-Elemente besitzen würde, wollte er seiner Unzufriedenheit Luft machen und das investierte Geld zurück. Lord leidet an der Nervenkrankheit Multiple Sklerose und wird voraussichtlich körperlich nicht in der Lage sein, diese Passagen ohne Hilfe abzuschließen.

Also schrieb er den Entwicklern mehrmals und bat um eine Rückerstattung, da er nicht mehr mit der Richtung einverstanden sei, in die sich Star Citizen bewege. Ein Sprecher von RSI lehnte mit der Begründung ab, dass er das 30-Tage-Zeitfenster überschritten hatte und damit laut den Nutzungsbedingungen kein Recht auf Rückerstattung besäße. Nachdem er seine Angelegenheit auf Reddit als »Firefly212« samt weiterer gesendeter Support-Nachrichten kundtat, die teilweise unbeantwortet blieben, entschied er sich für einen drastischen Schritt.

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Gerichtsurteil fällt schnell

Denn die Entwickler änderten ihre Nutzungsbedingungen im Laufe der Jahre insgesamt fünfmal und schränkten immer mehr das Recht für Backer ein, ihr Geld auch nach mehreren Monaten oder gar Jahren zurückzuerhalten und führten die 30-Tage-Regel ein. Auch kam eine Klausel hinzu, die verhindern soll, dass Nutzer vor Gericht ziehen, weil sie an einen tatsächlichen Release von Star Citizen nicht mehr glauben. Ein Teil seines Geldes erreichte die Entwickler aber, als noch eine ältere Version der Nutzungsbedingungen ohne diese Zusätze gültig war, meint Lord.

Er stellte RSI ein Ultimatum und drohte mit rechtlichen Schritten. Als diese Nachricht ebenfalls keine Antwort erhielt, machte Lord seine Drohung war und forderte nun in Form einer Klage 3.800 Dollar von den Entwicklern. Vor einigen Tagen dann kam es zum Treffen zwischen Lord und RSI-Repräsentanten in einem sogenannten Small-Claims-Court. Diese Schiedsgerichte in den Vereinigten Staaten beschäftigen sich mit kleineren Delikten - gerade wenn sich Kunden um Geld betrogen fühlen.

Wie Lord berichtet, sei das Verfahren relativ schnell zu Gunsten der Entwickler entschieden worden. RSI konnte den Richter überzeugen, dass die Nutzungsbedingungen in diesem Fall vollständig greifen und Backer auch bereits spielbare Versionen von Star Citizen erhalten haben. Damit seien einige der Kickstarter-Versprechen schon erfüllt.

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CIG erklärt Rückerstattungs-Praktik

Lord äußerste im Gespräch mit Motherboard sein Unverständnis über diese Einschätzung, da er seine Teilnahme an Beta-Tests eher als Dienst am Spiel sehe:

"Die Darstellung von Bug-Tests als richtiges Spielen war, wie ich fand, bestenfalls unaufrichtig, weil sie versuchten, es so hinzustellen, dass sie mir etwas für mein Geld gegeben hatten, obwohl sie tatsächlich kostenlose Dienstleistungen erhielten. "

Trotz der Niederlage möchte Lord aber weiterkämpfen und jetzt zusammen mit Anwälten die nächsten Schritte klären. Das Star-Citizen-Team erklärte in einem Statement, dass sie von ihrer 30-Tage-Regel überzeugt sind und in Ausnahmefällen auch darüber hinaus gehende Rückerstattungswünsche akzeptieren. Ken Lords Fall scheint aber wohl keine solche Ausnahme zu sein.

"Unsere Nutzungsbedingungen sehen eine Rückerstattung für 14 Tage nach jedem Geldeingang vor, aber die Firmenpolitik besteht darin, jedem Kunden bis zu 30 Tage nach dem Geldeingang keine Fragen zu stellen. Außerhalb dieses Zeitfensters berücksichtigen wir immer noch Erstattungsanträge für Ausnahmefälle, aber in der Regel müssen die Mittel zu diesem Zeitpunkt für die Entwicklung verfügbar sein. Diese Richtlinie ist im Vergleich zu fast jeder anderen Spielefirma sehr großzügig - die meisten Publisher würden keinerlei Rückerstattung zulassen, nachdem die Spieler mehrere Stunden gespielt haben."

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Star Citizen bleibt weiter umstritten

Als das größte Crowdfunding-Projekte der Welt mit Backern, die teils mehrere hundert oder tausend Dollar investierten, befindet sich Cloud Imperium Games in einer einzigartigen, verqueren Lage. Das macht es schwierig, auf solch verzwickte Sachverhalte zufriedenstellende Antworten zu finden.

Sie haben die Möglichkeiten zur Rückerstattung für ihre rund zwei Millionen Unterstützer wohl auch deswegen immer weiter eingeschränkt, um ihre ambitionierte Vision eines Weltraum-MMO stemmen zu können und eine berechenbare Finanzierung zu gewährleisten. Hätte sie vor Gericht verloren und Ken Lord Recht erhalten, hätten sich wahrscheinlich noch wesentlich mehr Backer mit ähnlichen Forderungen gemeldet. In der Vergangenheit kam es immer wieder zu teils fragwürdigen Geld-zurück-Forderungen.

Anfang Juli erschien das Update 3.2 für Star Citizen. Im September 2018 soll dann die Version 3.3 folgen.

Quellen: Motherboard, Kotaku

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