Vor ein paar Wochen habe ich einen kleinen Schrank neben meinem Schreibtisch aufgebaut, seitdem wartet er sehnsüchtig darauf, von mir eingeräumt zu werden. Auf- und Umräumarbeiten schiebe ich gerne vor mir her und probiere stattdessen Indiespiele auf Steam aus.
Dabei bin ich auch auf Librarian: Tidy Up the Arcane Library! gestoßen. Ironischerweise geht es darin ausgerechnet ums Aufräumen. Am Wochenende habe ich also Stunden damit verbracht, eine magische Bibliothek zu ordnen, statt Hausarbeit zu machen und bereue nichts.
Absolutes Chaos
Eine dumme und gemeine Fee
hat laut einem Brief des Oberzauberers Merlin von der Universität Celesthall dafür gesorgt, dass ich aufräumen darf. Die über 3.000 Bücher der Bibliothek wurden aus den Regalen gerissen und liegen wild durchmischt überall in den Gängen verteilt. Als Bibliothekar und offenbar einziger Angestellter fällt mir die undankbare Aufgabe zu, das Chaos zu beseitigen.
1:42
In Librarian werden wir in unsere Bibliothek eingesperrt, bis sie komplett aufgeräumt ist
Klingt anstrengend? Am Anfang bin ich mir auch unsicher, ob ich nicht lieber kündigen sollte, um stattdessen meine eigene Wohnung aufzuräumen. Die riesigen Bücherhaufen wirken überwältigend, sie wollen in dutzende Regale verfrachtet werden, die in 31 Kategorien unterteilt sind, puh. Aber nein, ich habe 6 Euro für dieses Spiel bezahlt, also wird es jetzt auch gespielt!
Die erste halbe Stunde verbringe ich damit, verschiedene Strategien zu erdenken und zu testen: Soll ich zunächst nur nach Büchern einer Kategorie suchen? Mich von einem Stapel zum nächsten vorarbeiten? Die Bücher erst mal vorsortieren?
Alle Infos zu Librarian: Tidy Up the Arcane Library!
- Preis: 6,15 Euro
- Plattformen: PC (Steam)
- Spielzeit: durchschnittlich 8 Stunden (laut HowLongToBeat)
- Deutsche Übersetzung: Nein
Wunderschöne Ordnung
Als ich richtig anfange, gibt es aber schnell erste Erfolgserlebnisse: Ich lerne, Bücher verschiedener Reihen an ihrem Umschlag zu erkennen und werde immer effizienter. Langsam füllen sich einige der Regale, und ich vervollständige mehr und mehr Fächer. Für Unterhaltung sorgen bei einem Durchhänger auch die kreativen, wissenschaftlich klingenden, aber oft lustigen Buchtitel:
- Spoiler-Verhinderungs-Magie
- Das Credo des Kriegers: Nur Feiglinge werden Fernkampf-Magier
- Einführung zur Beschwörung: Grundlagen außerweltlicher Verträge
- Kein Healer Diff mehr: Ein umfassender Leitfaden
- 1.000 einfache Zauber für den Heimgebrauch
- Die Psychologie hinter dem Priorisieren von Gaming vor dem Aufräumen des eigenen Zimmers
Hihi ... Moment mal! Das letzte ist aber gemein!
Grr, wo war ich: Nach und nach wird das Spiel einfacher. Nicht nur, weil ich dazulerne und neue Strategien entwickle, sondern auch, weil ich für meinen Fortschritt mit Skillpunkten belohnt werde und praktische Fähigkeiten freischalte. So kann ich etwa kurzzeitig die Bücher einer Reihe aufleuchten lassen, mir das korrekte Regal für ein Buch anzeigen lassen oder Bücher automatisch in numerischer Reihenfolge sortieren lassen.
Das ist natürlich super praktisch; macht das Aufräumen aber irgendwann fast zu simpel. Setze ich auf maximale Effizienz, kann ich irgendwann innerhalb von wenigen Minuten ganze Regale einräumen. So schnell soll das Spiel doch nicht vorbei sein!
Ein wenig unglaubwürdig finde ich es auch, dass es nur komplette Bücherreihen mit drei, fünf oder zehn Bänden gibt. Alleinstehende Werke existieren gar nicht. Das Aufräumen ist so natürlich einfacher, es wäre aber auch schön, noch mehr einzigartige Titel entdecken zu können. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau: Es gibt ja immerhin schon über 300 verschiedene Buchreihen.
Und das Beste an Librarian kann ich bis zum Schluss genießen: Das tolle Gefühl, wenn ich ein Buch an der richtigen Stelle einsortiere, wenn ich langsam sehe, wie das Chaos langsam der Ordnung weicht und die hübsch gestalteten Buchrücken die Regale füllen. Herrlich. Und ich verspreche, wenn die Bibliothek aufgeräumt ist, dann räume ich auch endlich meinen Schrank ein. Ehrenwort.
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