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Stronghold Warlords im Test: Besser als befürchtet, schlechter als erhofft

Mit Warlords geht die Stronghold-Reihe viele neue Wege und findet gleichzeitig zu alten Stärken zurück. Doch wer genauer hinsieht, erkennt einige Risse im Mauerwerk.

von Fabiano Uslenghi,
08.03.2021 17:18 Uhr

Warlords ist das beste Stronghold seit Jahren - aber das heißt ja nicht mehr viel 17:44 Warlords ist das beste Stronghold seit Jahren - aber das heißt ja nicht mehr viel

Wir erkunden eine Burgruine. Als einst strahlendes Bollwerk aus Stein überragte sie das Land. Doch nach Jahrhunderten sind von diesem Bollwerk nur noch die Grundmauern übrig. Zinnen, auf denen früher noch Bogenschützen patrouillierten, sind lange abgetragen. An den Mauern wäre früher wohl jede Armee zerschellt, doch heute halten sie nicht einmal mehr einem erkundungsfreudigen Dreijährigen stand.

Und obwohl die Ruine viel von ihrem einstigen Glanz verloren hat, sorgt der Anblick für ein erhabenes Gefühl. Immerhin stand hier mal etwas, das selbst im Ruin noch Ehrfurcht gebietet. Wir erinnern uns einfach gerne daran zurück, wie die Welt hier wohl aussah, als die Burg in voller Blüte stand und mehr zu bieten hatten als heulenden Wind im Gemäuer.

Die Stronghold-Reihe ist so eine Burgruine. Wir wissen, dass vor 20 Jahren mal ein Strategie-Bollwerk errichtet wurde. Doch dieses Bollwerk lässt sich heute nur noch erahnen. Jeder neuer Teil trieb den Verfall voran, statt das Fundament zu stärken. Überfüllte Spielmechaniken, veraltete Technik, zahllose Bugs. Das sind die Mauerreste, die von Stronghold heute noch stehen. Doch jetzt könnte Warlords diese Ruine endlich grundlegend sanieren.

Wir bauen wieder unsere eigene Burg. Diesmal jedoch in Ostasien. So groß wie hier, werden die Festen jedoch nur sehr selten. Wir bauen wieder unsere eigene Burg. Diesmal jedoch in Ostasien. So groß wie hier, werden die Festen jedoch nur sehr selten.

Das Spielgefühl: Endlich wieder so wie früher

Jetzt könnte man auf den ersten Blick meinen, Warlords würde dafür mit dem Vorschlaghammer zu Werke gehen und selbst die letzten Mauerreste einreißen, die von Stronghold noch stehen. Denn als erster Ableger der Reihe spielt Warlords weder im mittelalterlichen Europa, noch im von Kreuzzügen geprägten Orient. Die Reise geht weiter gen Osten, nämlich nach Asien.

Absolutes Neuland und ein großes Wagnis - zumindest mit Blick auf die europäische Kundschaft. Erfahrungsgemäß können deutsche Spieler sich für asiatische Szenarien rund um China oder Japan deutlich weniger erwärmen als für die so romantische Vorstellung von klassischen Rittern und mitteleuropäischen Trutzburgen.

Wem eher danach ist, könnte sich statt Warlords aber ja mal Manor Lords ansehen:

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Was die ersten Spielminuten mit Warlords allerdings direkt offenbaren: Kein anderes Stronghold konnte das Spielgefühl des Originals von 2001 so gut wieder aufleben lassen. Klar stutzt man erstmal, wenn statt Fichten jetzt Bambusbäume gefällt werden und die ersten Einheiten aus halbnackten Stammeskriegern mit Blasrohren bestehen. Stronghold-Fans der ersten Stunde wird diese Abwandlung aber schnell egal sein. Denn auch, wenn das nicht nach Stronghold klingt, so fühlt es sich doch wie ein waschechtes Stronghold an!

Im Kern spielt es sich nämlich exakt so wie schon 2001. Als Burgherr sichern wir als erstes die Versorgung mit Baustoffen und bauen deshalb Holzfällerhütten und Steinbrüche inklusive Oxenjoch.

Um die Bambusbäume links ringen sich die Holzfäller, oben wird Stein abgebaut. Sind alle Bäume mal gefällt, bleibt nur noch der Handel. Um die Bambusbäume links ringen sich die Holzfäller, oben wird Stein abgebaut. Sind alle Bäume mal gefällt, bleibt nur noch der Handel.

Vor unserem Burgfried lümmeln anfangs noch Burgbewohner untätig auf einer Treppe rum. Erst wenn es Arbeit zu verrichten gibt, machen sie sich nützlich und verwandeln sich dann in Holzfäller oder Steinmetze. Und wir spielen nur zu gern den etwas aufdringlichen Burgherren, der seinen Untergebenen die ganze Zeit bei ihrer Arbeit über die Schultern guckt. Aber nicht weil wir pingelig sind, sondern weil es so viel Spaß macht.

Wir beobachten, wie die Raupenfarmerin Cui Min erst Maulbeerblätter pflückt, die auf ein großes Tablett legt, dann Larven hinzufügt und schließlich deren Kokons erntet. Die Konkons bringt sie zum Rohstofflager, wo die Weberin Liang Liu sie abholt, daraus Fäden spinnt und den Stoff einfärbt. Die Stoffe gehen wiederum ins Lager und von dort zu Schneiderin Tang Fang, die daraus wundervolle Seidenkimonos zaubert, über die sich die Leute freuen.

Bei jeder einzelne Ressource können wir alle Handgriffe verfolgen - fantastisch! Die Technik von Stronghold Warlords mag auf den ersten Blick nicht viel hermachen, aber liefert genau die Detailverliebtheit, die bereits im ersten Stronghold fasziniert hat.

Manchmal bleibt aber auch zu viel beim Alten. Uns fehlten etwa ein paar neue Komfortfunktionen. Ein zentrale Infoleist zu unseren Gebäuden oder Einheiten wäre durchaus sinnvoll gewesen. Auch die Option, das Spieltempo zu erhöhen, funktioniert weiterhin nur über die Tastatur und wird im Interface nirgendwo angezeigt.

Auge fürs Detail. Jedes Tablett für die Raupenlarven wird einzeln animiert und befüllt. Gleich nebenan kocht die Weberin gerade Konkons aus. Auge fürs Detail. Jedes Tablett für die Raupenlarven wird einzeln animiert und befüllt. Gleich nebenan kocht die Weberin gerade Konkons aus.

Die Schlachten: Episch … und dumm

Das klingt jetzt natürlich nach einem friedlichen Aufbauspiel, doch dann bräuchten wir keine Mauern. Die Wälle, Türme und Tore die wir dynamisch in die Landschaft pflanzen sind aber nicht nur da, um Eindruck zu schinden. Wir müssen unser Reich verteidigen. Und hier kommt die Würze ins Spiel.

Die Wirtschaft von Stronghold Warlords allein bietet nämlich noch keine Herausforderung. Dafür sind die Warenketten nicht komplex genug. Aber sie wurde wie schon im ersten Teil perfekt mit unseren militärischen Bemühungen verzahnt. Auch Waffen wollen etwa hergestellt werden. Zudem brauchen wir Gold aus Steuern und die werden nur geduldet, wenn die Bevölkerung zufrieden ist. Etwa durch besagte Kimonos, Tee oder wenn es mehr zu speisen gibt als Reis.

Ach, und sollten keine lümmelnden Treppenhocker mehr auftauchen, haben wir auch niemanden, den wir einen Bogen in die Hand drücken und zum Wachdienst verdonnern können. Hier greifen die Zahnräder gekonnt ineinander.

Gegen Soldaten mit schweren Rüstungen bringen Pfeile wenig, solche altertümlichen Flammenwerfer wirken aber wahre Wunder. Gegen Soldaten mit schweren Rüstungen bringen Pfeile wenig, solche altertümlichen Flammenwerfer wirken aber wahre Wunder.

Wenn der Feind anrückt, geht's ans Eingemachte. Die Belagerungsschlachten bleiben ein Highlight in Stronghold und leiden dieses Mal auch nicht mehr unter hunderten Bugs, wie noch in einigen Vorgängern. Wirklich großartig neue Verteidigungsmaßnahmen gibt es trotz des asiatischen Settings und Schwarzpulver aber nicht.

Wir bestücken unsere Mauer eben mit Bogen- oder Armbrustschützen. Manchmal noch mit Flammenlanzenträgern, die Feuer regnen lassen. Und auch sonst bleibt es bei Altbekanntem, dem lediglich ein asiatischer Anstrich verpasst wurde. Tiger- statt Wolfskäfige, Schießpulverlinien statt Pechgräben, Spreng- statt Trittfallen. In der Offensive gibt es aber zumindest dank Mörser, Raketen und Sprengkühe ein paar explosive neue Optionen, sodass mit Leitern, Katapulten oder Belagerungstürmen ein großes Arsenal bereitsteht:

Stronghold Warlords zeigt im Trailer, was Schwarzpulver für Belagerungswaffen bedeutet 11:24 Stronghold Warlords zeigt im Trailer, was Schwarzpulver für Belagerungswaffen bedeutet

In seinen besten Momenten sorgt das für eine grandiose Schlachtfeldatmossphäre. Hunderte Einheiten stürmen an, Feuerpfeile pfeifen durch die Luft, Verteidiger stürzen schreiend von den Wällen, Steine lassen das Mauerwerk bröckeln. Das ist Stronghold! Blöd nur, dass die KI diese Atmosphäre viel zu of trübt.

Schlau waren die Gegner ja noch nie in einem Stronghold, in Warlords rennen die Armeen aber derart stupide immer wieder dieselbe Seite unserer Burg an, dass darunter die Immersion leidet und die Herausforderung auch. Manchmal reicht ein einziger Pechgraben, damit jeder Angriff zuverlässig im Feuertod endet.

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