The Division 2 - Warum hetzt du immer so? Guck doch mal, ein Großstadt-Reh!

Während Autor Christian noch die Spielwelt von Division 2 bewundert, haben alle anderen schon Level 30 erreicht. Eine Kolumne über Entschleunigung.

von Christian Just,
20.03.2019 17:10 Uhr

Christian und seine Drohne Piepsi können der Postapokalypse in Division 2 eine Menge abgewinnen.Christian und seine Drohne Piepsi können der Postapokalypse in Division 2 eine Menge abgewinnen.

In der Beta von Division 2 hatte ich viel zu wenig Zeit. Es stand irgendein lästiger Termin im sogenannten echten Leben an, mir blieb nur noch eine Stunde Zeit, um das Spiel anzutesten. Also bin ich durch eine einzige Mission gehastet, habe alles weggeballert, am Ende noch einen Boss gelegt und allerlei Beute eingetütet. Kurz, knapp, bündig. Dann ab zum Termin und das Spielerlebnis erstmal völlig vergessen.

Als The Division 2 dann am 12. März in der Vollversion startete (zumindest für Leute mit Vorabzugang), fehlte genau dieser Termindruck. Endlich genug Zeit, das Spiel ausführlich auszuprobieren. Ganz unter uns: Ich finde Computerspiele auch privat ganz gut.

Also habe ich mir einen Eistee aufgemacht, diverse andere Süßigkeiten in Griffweite gelegt und das Spiel ganz in Ruhe begonnen. Dank neuer Grafikkarte auch auf Ultra, statt wie gewohnt eher zu den mittleren Einstellungen zu tendieren.

Ich ging die Mission dann nochmal an und erwartete zunächst das gleiche belanglose Tunnelgeballer. Doch offenbar hatte ich die Macht des richtigen Pacings unterschätzt, denn als ich Zeit und Ruhe hatte, füllten sich die leeren Eindrücke plötzlich mit Leben.

Gegenmeinung: The Division 2 ist toll, aber die vielen Details lenken Sascha zu sehr ab

Christian Just

Christian Just
@Akkat84

Chris hat entweder alle Hände voll zu tun oder er ist gerade beschäftigt. In seltenen Fällen ist er auch völlig unpässlich, dafür fehlt ihm aber meistens die Zeit. Scherz beiseite, er sitzt eh bloß vorm Computer.

In meiner Erinnerung bestand die Mission aus Räumen mit Gegnerwellen, da mal ein dunkler Tunnel, dann mehr Gegnerwellen und ab und an ein Boss. Nichts Besonderes, dachte ich. Nach kurzer Suche fand ich die Mission wieder - es war das Viewpoint-Museum.

Noch mal ganz langsam, zum Miterleben

Jetzt ging ich die Sache noch mal »entschleunigt« an. Keine Gruppe, die mich antreibt, einfach nur solo das eigene Tempo bestimmen. Die Kämpfe fielen entsprechend härter aus, aber dafür hatte ich nach den Gegnerwellen in Ruhe Zeit, mir alles anzugucken.

Als Mensch, der zwei, drei Museen im echten Leben von Innen gesehen hat, stellte ich fest: Das Viewpoint-Museum in The Division 2 steht echten Austellungen in nichts nach!

»Bleib stehen, entschleunige!« Das Reh hält offenbar nicht viel von meinen Ideen.»Bleib stehen, entschleunige!« Das Reh hält offenbar nicht viel von meinen Ideen.

The Division 2 & Co: Kommt mir nicht mit Endgame - Meinung: Lasst Spiele einfach enden!

In einem großen Raum beispielsweise wird die Geschichte des Buchdrucks und des Journalismus präsentiert, der in der Beta als dunkler Tunnel empfundene Gang ist in Wahrheit eine intelligente, erlebnisorientierte Lichtinstallation im Gang zwischen zwei Austellungsräumen. Und tausend mehr Details, die mich im Geiste ehrfürchtig den Hut vor den Spieldesignern ziehen ließen.

Während Christian ein Tor zur Dark Zone bewundert, rufen erste Spieler schon nach mehr Endgame-Inhalten.Während Christian ein Tor zur Dark Zone bewundert, rufen erste Spieler schon nach mehr Endgame-Inhalten.

Was ich daraus lernen will

Wie viel man verpasst, wenn man einfach nur ständig mit dem nächsten Ziel vor Augen durch die (Spiel-) Welt hetzt! Es ist ja kein Computerspiel-exklusives Problem, die große Beschleunigung ist überall zu spüren, nicht erst seit der freien Verfügbarkeit von Informationen im Internet.

»Höher, schneller, weiter« war schon immer eine ureigene Besonderheit des Menschen. Aber wenn einem das bewusst wird, kann man das Tempo hin und wieder auch mal rausnehmen. Ihr wärt überrascht, wie gut es sein kann, mal nirgends hin zu müssen, sondern einfach mal »sein« zu können. Das kann sich in der Arbeitswelt zwar kaum einer leisten, aber unser restliches Leben bestimmen wir hier zum Glück alle selbst.

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Euch wird auffallen: Die Detailfülle der Spielwelt von Division 2 ist wortwörtlich atemberaubend, keine Übertreibung. Hier ein flinkes Großstadt-Reh, da haufenweise Müll und Trümmer, da ein Abschnitt pflanzenbewachsenen Asphalts, dort ein schreckhafter Waschbär. Ich habe sogar einen Plüschtiger gefunden, während ich gemütlich durch die verfallene Hauptstadt getrottet bin.

Ich spiele Division 2 ab jetzt in meinem eigenen Tempo. So habe ich in 24 Spielstunden gerade einmal Level 20 erreicht, so sehr hat mich das reine Erkunden und Bestaunen des postapokalyptischen Washington DC in Beschlag genommen. Zwischendurch kann ich natürlich Tempo machen, wenn mir der Sinn danach steht. Aber eben nicht mehr immer, zwanghaft, ohne es zu merken.

Zwar sticht es ein wenig, wenn ich sehe, dass (Clan-)Kollege Robin mit weit über 400 Gear Score den Endgame-Designern das Fürchten lehrt. Aber dafür kann ich ihm wie sein Opa vom Krieg im Museum erzählen, während er sich allen Ernstes fragen muss, ob wir da wirklich von den gleichen dunklen Gängen und leeren Räumen sprechen.

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