The Outer Worlds - Diese Entwickler-Legenden stecken dahinter: Von Fallout über Vampire zu Diablo

Tim Cain und Leonard Boyarsky machen seit Jahren wieder ein gemeinsames RPG. Warum ist das so eine großartige Nachricht?

von Maurice Weber,
07.12.2018 04:21 Uhr

Von Fallout zu Vampire: The Masquerade - Bloodlines: Tim Cain und Leonard Boyarsky verdanken wir einige RPG-Highlights.Von Fallout zu Vampire: The Masquerade - Bloodlines: Tim Cain und Leonard Boyarsky verdanken wir einige RPG-Highlights.

Tim Cain stampfte die Engine fürs erste Fallout in monatelanger Alleinarbeit aus dem Boden, weil er die Schnauze voll von Wirtschaftssimulationen hatte und unbedingt ein Rollenspiel machen wollte. Rückwirkend können wir nur sagen: Gut so! Ohne ihn und seinen Kollegen Leonard Boyarsky wäre die RPG-Welt um einiges ärmer.

Nun arbeiten die beiden seit Jahren erstmals wieder gemeinsam an einem völlig neuen Projekt: The Outer Worlds für Obsidian. Zu diesem Anlass blicken wir zurück und zeigen, warum wir uns darüber so freuen.

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The Outer Worlds


Wir waren exklusiv bei Obsidian und haben das neue Rollenspiel der Genre-Veteranen angeschaut: The Outer Worlds, eine Mischung aus Fallout und Mass Effect mit Science-Fiction-Szenario, vielen Sandbox-Freiheiten und starkem Fokus auf Geschichte, Charaktere und Entscheidungen.

Und das Beste: The Outer Worlds ist ein reines Singleplayer-Spiel! Wir haben alle Infos, zeigen das Spiel im langen Gameplay-Video und sprachen mit den Entwicklern.


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Fallout gegen den Rest der Welt

Cain und Boyarsky arbeiteten erstmals beim Wirtschaftsspiel Rags to Riches: The Financial Market Simulation für den legendären RPG-Publisher Interplay zusammen. Cain war damals schon ein alter Pen-&-Paper-Fan und dürstete danach, ein eigenes Rollenspiel zu machen. Er wollte sogar schon während der Entwicklung von Rags to Riches Platz mit dem Programmierer von Interplays Herr-der-Ringe-Spiel tauschen! Aber die Firma sagte Nein.

Links: Fallout-Chefkünstler Leonard Boyarsky. Rechts: Producer und führender Programmierer Tim Cain. Heute arbeiten beide gemeinsam bei Obsidian an The Outer Worlds.Links: Fallout-Chefkünstler Leonard Boyarsky. Rechts: Producer und führender Programmierer Tim Cain. Heute arbeiten beide gemeinsam bei Obsidian an The Outer Worlds.

Danach war also klar: Jetzt muss es ein RPG sein! Nur sehr viel mehr war noch nicht klar. Das Projekt, das mal Fallout werden sollte, begann überhaupt nicht als postapokalyptisches Rollenspiel. Die einzige Bedingung der Interplay-Führung war, dass es kein Fantasy-Spiel werden sollte. Der Publisher hatte schließlich schon mehrere Dungeons-&-Dragons-Rollenspiele wie Baldur's Gate in der Pipeline. Und denen sollte das neue Spiel nicht ins Gehege kommen.

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Weil selbige D&D-Projekte so viel wichtiger schienen, werkelte Cain monatelang alleine vor sich hin und programmierte eine Engine für ein Spiel, das noch nicht mal ein Szenario hatte. Aber Cain ließ sich nicht beirren. Wenn er keine Entwickler für sein Projekt einstellen konnte, lockte er sie eben mit Pizza nach der Arbeit in die Meetingräume und überredete sie dort, ihn nebenbei zu unterstützen! Hier stieß auch sein alter Weggefährte Leonard Boyarski dazu. Er war es, der das postapokalyptische Szenario vorschlug und ikonische Designs wie den Vault Boy beisteuerte.

Cains Beharrlichkeit zahlte sich aus: Fallout fand immer mehr Aufmerksamkeit bei Interplay und wuchs sich schließlich zu einem seiner wichtigsten Projekte und größten Erfolge aus. Unter anderem, weil Cain und Boyarsky von Anfang an darauf pochten, dass das Spiel enorm viel Handlungsfreiheit in grauen moralischen Bereichen bieten sollte - eine Stärke, die auch ihre späteren Spiele zu etwas ganz Besonderem machte.

Fallout History - Teil 1 - Fallout (1997) 5:40 Fallout History - Teil 1 - Fallout (1997)

Von Fallout zu Vampire: The Masquerade

Cain und Boyarsky waren noch an vielen Kernelementen von Fallout 2 beteiligt, verließen Interplay aber vor dessen Release. Zusammen mit einem dritten Fallout-Macher, Jason Anderson, gründeten sie ihre eigene Firma Troika Games. An den Erfolg von Fallout konnte Troika aber nicht anknüpfen. Die ersten beiden Spiele der Firma, Arcanum und Temple of Elemental Evil, verkauften sich beide schwächer als erhofft.

Es war vor allem Troikas dritter Titel, der die Firma bis heute zu einer Kult-Legende machte: Vampire: The Masquerade - Bloodlines. Das First-Person-RPG in der Source Engine hatte auf den ersten Blick wenig mit dem isometrischen Fallout gemeinsam, punktete aber mit ganz ähnlichen Stärken. Es schickte uns in eine unverbrauchte Welt abseits klassischer Fantasy-Klischees, in der wir eine enorm faszinierende und vielschichtige Story rund um Vampire in der Neuzeit erlebten.

Vampire: The Masquerade - Bloodlines hätte mehr Erfolg verdient gehabt, als ihm beschieden war.Vampire: The Masquerade - Bloodlines hätte mehr Erfolg verdient gehabt, als ihm beschieden war.

Wir vergaben im Test 87 Punkte und kürten es zum besten Rollenspiel 2004. Und es hat bis heute leidenschaftliche Fans, die es sogar immer noch weiter patchen. Damals jedoch trübten technische Probleme den Release und Vampire verkaufte sich so schlecht, dass Troika seine Pforten schließen musste. Dabei hätte Boyarsky liebend gern noch ein neues Fallout gemacht, wie er in einem Interview schilderte:

"Ich war extrem enttäuscht, dass wir nicht die Chance bekamen, das nächste Fallout-Spiel zu machen. Das hat nichts mit Bethesda zu tun, nur fanden wir immer, dass Fallout uns gehörte und es nur eine Formalie war, dass Interplay die Marke besaß. Es fühlte sich an, als wäre unser Kind an den Höchstbietenden verkauft worden und wir mussten einfach zuschauen. "

Getrennte Wege und Wiedervereinigung bei Obsidian

Nach Troika gingen Cain und Boyarsky lange Jahre getrennte Wege. Cain arbeitete bei den Wild-Star-Machern an einem Fantasy-MMO, das jedoch nie erschien. Und Boyarsky? Der kam bei Blizzard unter und fungierte als Senior World Designer für Diablo 3 und Reaper of Souls.

Richtig gelesen: Der ursprüngliche Fallout-Designer hat die Welt von Diablo 3 gestaltet.Richtig gelesen: Der ursprüngliche Fallout-Designer hat die Welt von Diablo 3 gestaltet.

Erst 2016 fanden sich die beiden bei Obsidian wieder zusammen. Cain hatte dort schon seit 2012 gearbeitet und an Pillars of Eternity mitgewirkt, Boyarsky stieß später dazu. Er und Cain wollten dort an ihrem »Traumspiel« arbeiten. Wie das aussehen würde, blieb lange Zeit unklar - bis jetzt, bis zur Enthüllung von The Outer Worlds.

Und was ist das nun für ein Spiel? Wir haben es als eines der ersten Magazine weltweit gesehen! Lest jetzt die große GameStar-Titelstory zu The Outer Worlds:

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