Total War befindet sich in einer Sackgasse, doch es gibt Auswege

Meinung: Nach Troy und Three Kingdoms ist eine Sache klar: Total War hat ein Problem mit historischen Schlachten. Damit die Serie daran nicht zerbricht, müssen Innovationen her.

von Fabiano Uslenghi,
20.08.2020 16:20 Uhr

Wie geht es mit den Schlachten historischer Total Wars weiter? So wie es jetzt ist, kann es nicht bleiben. Wie geht es mit den Schlachten historischer Total Wars weiter? So wie es jetzt ist, kann es nicht bleiben.

Unter Total-War-Fans wird eine Ruf immer lauter: Warhammer hat die Strategiespiel-Serie ruiniert. Nicht weil diese Fantasy-Spin-Offs so katastrophal wären, dass man jeglichen Spaß an Nachfolgern verliert. Im Gegenteil. Warhammer revolutionierte die Feldschlachten. Das große Problem dabei: Diese Revolution kann von den klassischen weil historischen Total Wars nicht kopiert werden.

Wie soll ein Total War im Mittelalter denn auch mit einem Spiel konkurrieren, in dem Drachen über die Köpfe hinwegsegeln, Schwärme aus Fledermäusen für Verwirrung sorgen, gefallene Soldaten sich zu Untoten erheben, riesige Rattenbestien Frontlinien durchbrechen oder Magier einfach mal so Feuer vom Himmel regnen lassen? Und das alles ist erst die Spitze des Eisbergs. So viel Bombast, so viel Variation und damit auch taktische Spieltiefe kann ein historisches Total War gar nicht mehr bieten. Zumindest nach der momentanen Auffassung.

Der Autor
Fabiano versank in seiner Jugend am liebsten in historischen Strategiespielen wie Age of Empires, Stronghold und ganz besonders Total War. Doch ohne die aufwändigen Massenschlachten wäre er wahrscheinlich nie bei der Serie hängen geblieben. Wer als Kind mit den Herr-der-Ringe-Filmen aufgewachsen ist, für den waren diese Gefechte der beste Weg, um selbst solch epochale Schlachten zu inszenieren. Da störte es auch nicht, dass es weder Trolle noch Ringgeister gab. Immerhin war die reale Menschheitsgeschichte spannend genug. Doch gerade weil Geschichte und Massenschlachten für Fabiano so wichtig sind, muss die Total-War-Serie beides wieder besser miteinander vereinen.

Und wenn wir uns die Total-War-Spiele ansehen, die seitdem veröffentlicht wurde, fällt es noch schwerer dagegen zu argumentieren. Sowohl Three Kingdoms als auch Troy: A Total War Saga können sich auf dem Feld der Ehre mit Warhammer nicht messen. Sicher, beide Teile bieten auf der Kampagnen-Karte dank Diplomatie und neuen Ressourcen mehr. Trotzdem kann ich nicht ignorieren, dass die Schlachten ohne offensichtliche Fantasy-Einflüsse auf der Stelle treten. Das darf so nicht bleiben!

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Auf Geschichte zu verzichten ist keine Option

Wie reagieren die Entwickler darauf? Momentan wirkt es ein wenig so, als wollte Creative Assembly sich aus der Verantwortung ziehen. Die letzten beiden Total Wars entschieden sich für einen kuriosen Mittelweg. Three Kingdoms befasst sich mit einer Epoche, die sowohl historische als auch fiktive Wurzeln besitzt. Wir haben im Spiel sogar die Wahl, ob wir lieber ein geschichtliches Erlebnis serviert bekommen, oder gleich darauf verzichten und mit übermenschlichen Helden in die Schlacht ziehen. Letztlich fühlen sich die Schlachten aber selbst im romantisierten Modus nicht ansatzweise so fantasievoll an wie bei Warhammer.

Als nächstes entschied man sich bei Troy, mythologische Helden oder Kreaturen mit der realen (oft ziemlich eintönigen) Schlachtrealität der Bronzezeit zu verschmelzen. Ich sehnte mich während der Schlachten trotzdem viel öfter nach Warhammer zurück und malte mir ein Troy aus, in dem echte Minotauren einfache Speeträger auf die Hörner nehmen.

Zyklop und Minotaurus sind in Troy keine normalen Menschen, aber auch keine echten Monster. Zyklop und Minotaurus sind in Troy keine normalen Menschen, aber auch keine echten Monster.

Gleichzeitig schockierte mich diese Träumerei ein wenig. Denn auch, wenn ich ein rein mythologisches Troy begrüßen würde, will ich nicht auf historische Total Wars verzichten. Dafür bin ich ein zu großer Geschichts-Nerd, der von historischen Videospielen nicht genug bekommen kann. Meine Hoffnung besteht auch noch, dass sich Creative Assembly gerade das perfekte Medieval 3 zusammenexperimentiert. Doch noch fehlt mir der Geistesblitz auf den historischen Schlachtfeldern, von denen ein Medieval 3 profitieren könnte.

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Der Weg aus der Sackgasse

In ihrer Summe machen die Schlachten von Total War ja bereits viel her. Selbst wenn wir auf Monster und Zauberei eines Warhammer verzichten, bieten die Keilereien noch immer ein großartiges Gefühl einer epochalen Schlacht. Wir bauen Schildwälle, schneiden Kavallerie den Weg mit Speeträgern ab, lassen Feuerpfeile regnen, verstecken Plänkler im Wald oder zersprengen Formationen mit Katapulten.

Es ist also ein Irrglaube zu denken, historische Schlachten könnten unmöglich so mitreißen wie bei Warhammer. Meiner Meinung nach müssen die Gefechte an vier entscheidenden Stellen aber besser werden:

1. Nutzt das Umfeld

Schon Sun Tzu widmete in seinem legendären Ratgeber über die Kriegsführung viele Worte dem effektiven Nutzen des Umlandes. Genau hier scheint sich Creative Assembly auch bewusst zu sein, dass sie noch nicht das gesamt Potenzial ausschöpfen. Troy setzt beispielsweise auf neue Terrain-Typen wie Matsch und hohes Gras, um für Abwechslung zu sorgen. Die Kampfkarten von Troy bieten zudem mehr Engpässe, Hügel oder Senken als jedes andere Total War.

Hohes Gras, Wälder und Matsch. Troy hat das Terrain eines Schlachtfeldes erweitert. Aber spielerisch führte das alles zu keiner Revolution. Hohes Gras, Wälder und Matsch. Troy hat das Terrain eines Schlachtfeldes erweitert. Aber spielerisch führte das alles zu keiner Revolution.

Meiner Meinung nach gehen die Entwickler hier aber noch nicht weit genug. Das Umland einzusetzen kann in einer Schlacht mehr bedeuten, als ein paar Debuffs für schwere Einheiten. Schlachten könnten sich komplett wenden, wenn meine Krieger hohes Gras sicherheitshalber in Brand setzen und ganze Wälder plötzlich in Flammen stehen. Ein Hinterhalt könnte auch davon profitieren, wenn ich in einer Schlucht Steinbrocken auf Feinde fallen lasse. Eine Brücke wird zur Todesfalle, sobald sie plötzlich einstürzt und Feinde in die Tiefe reißt. Von diesen Optionen sollte es in künftigen Total Wars viel mehr geben!

2. Verbessert die Präsentation

Gerade weil die Echtzeitschlachten in Total War im Prinzip eine nette Dreingabe sind, die man auch problemlos simulieren kann, muss ihre Präsentation ihre Existenz rechtfertigen. Hier hat Total War in den letzten Jahren ein paar Rückschritte gemacht. Nicht grundlos. Bei Warhammer wäre an dynamisch animierte Zweikämpfe bei der Vielzahl an verschiedenen Rassen nicht zu denken gewesen. Mittlerweile hacken und stechen die Soldaten aber auch bei Mensch-gegen-Mensch-Gefechten aneinander vorbei.

Für die Atmosphäre sind so kleine Rangeleien abseits der Helden allerdings enorm wichtig. Diese Duell-Animationen zurückzubringen, würde historische Schlachten wieder aufwerten. Vielleicht kann man sogar einen Schritt weiter gehen und ganz neue Effekte einführen. Soldaten, die im Matsch ausrutschen, oder aufeinanderprallende Schildwälle, bei denen es richtig rummst.

Troy: A Total War Saga - Erstes echtes Gameplay von der Schlacht vor Troja 6:30 Troy: A Total War Saga - Erstes echtes Gameplay von der Schlacht vor Troja

3. Überdenkt die Truppen-Platzierung

Bevor eine Schlacht losgeht, platzieren wir unsere Einheiten. Das funktioniert jetzt schon seit Ewigkeiten gleich. Wir haben eine zugewiesene Zone, in der wir uns verteilen können. Allerdings könnte man genau an diesem Punk einhaken und ein wenig die Formel aufbrechen. Mit den Vorhut-Soldaten hat Creative Assembly schon einmal einen coolen Weg gefunden, der für mehr Varianz sorgt. In künftigen Total Wars könnte man aber auch darüber nachdenken, die Zonen etwas offener zu gestalten.

Vielleicht ist ein kompetenter General ja besser dazu in der Lage, seine Aufstellungszone in einem taktisch klügeren Bereich der Karte zu platzieren. Direkt auf einer Anhöhe oder bei einer Engstelle zum Beispiel. So müsste nicht jeder General nach der Aufstellung direkt seine ganze Armee zum nächsten Hügel schicken. Außerdem sollten wir mehr Kontrolle darüber haben, von wo die Verstärkung letztlich eintrifft. Momentan wirkt es oft wie zufällig, wo die Verbündeten schließlich die Kampfkarte betreten und welche Einheiten zuerst auftauchen.

So wie die Truppen-Platzierung im ersten Rome funktionierte, funktioniert sie auch heute noch. Es wird Zeit für neue Ideen. So wie die Truppen-Platzierung im ersten Rome funktionierte, funktioniert sie auch heute noch. Es wird Zeit für neue Ideen.

4. Eine größere Bandbreite an einzigartigen Einheiten

Hier schwankt die Qualität sehr stark von Ableger zu Ableger. Während es in Thrones of Britannia und Three Kingdoms jede Menge unterschiedliche Formationen für einzelne Truppen gab, verzichtet Troy wieder komplett darauf. Außerdem gab es in den historischen Ablegern seit Rome 2 keine großen kulturellen Unterschiede mehr. Immerhin spielten diese entweder nur in China, Griechenland oder Großbritannien.

Damit sich die historischen Fraktionen mit den ganzen Rassen aus Warhammer messen können, sollte das alles auf dem Schlachtfeld wieder stärker zu Geltung kommen. Die besonderen Einheiten jeder Fraktion sollten mehr spezielle Fähigkeiten haben. Sei es eine Schildkröte zu formen oder zwischen Nah- und Fernkampf zu wechseln. Vielleicht sogar mehr coole Einheiten wie die Azurdrachen in Three Kingdoms. Die bilden einen Speerwall in der vorderen Reihe, während die hintere mit den Kompositbögen feuert.

Sicherlich entstammen all diese Punkte letzen Endes einem Wunschdenken. Doch ich traue es den Entwicklern durchaus zu, Verbesserungen umzusetzen, die zumindest in diese Richtung gehen. Wie bislang kann es mit den historischen Schlachten nicht weitergehen. Solang das nächste Total War nicht Warhammer 3 heißt, sollte Creative Assembly kreative Energie in die Weiterentwicklung der Feldschlachten stecken. Nur so können sie verhindern, dass Warhammer den historischen Teilen wirklich den Garaus macht.

Habt ihr noch mehr Vorschläge, um die historischen Schlachten der Total-War-Spiele nach vorne zu bringen? Jeder Feldherr ist eingeladen, seine Meinung in die Kommentare zu schreiben!

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