Wieso Ark auf Steam viel Kritik erntet - und trotzdem durch die Decke geht

Mit dem Release des DLCs Ark: Genesis explodieren die Spieler- und Verkaufszahlen von Ark. Doch zufrieden sind längst nicht alle.

von Dimitry Halley,
02.03.2020 15:38 Uhr

Ark: Survival Evolved erlebt gerade einen zweiten (oder dritten?) Frühling. Ark: Survival Evolved erlebt gerade einen zweiten (oder dritten?) Frühling.

Ark: Survival Evolved geht gerade auf Steam durch die Decke wie nie zuvor. Am 2. März 2020 spielten es 154.000 Fans gleichzeitig, ein historischer Rekord für das Survival-MMO. In den Verkaufscharts rangierte es auf Platz 1 und Platz 5, weil sowohl der neue Season Pass als auch die Originalversion sich verkaufen wie geschnitten Brot.

Gleichzeitig gehen die Steam Reviews für das neue Addon Genesis fies in den Keller. Die Community bewertet das Spiel in den letzten 30 Tagen »größtenteils negativ«. Was ist da los? Wie kann Ark gleichzeitig auf dem Gipfel der Beliebtheit und massiv in der Kritik stehen? Dröseln wir die Sache mal auf.

Warum explodieren die Spielerzahlen von Ark gerade?

Der offensichtliche Grund für den Spieleranstieg: Ark: Survival Evolved ist gerade um 80 Prozent reduziert, war übers Wochenende kostenlos spielbar. Der Season Pass kommt im Paket mit dem Hauptspiel immerhin um 50 Prozent günstiger daher.

Zudem ist das mittlerweile vierte Addon Genesis ist erschienen. Dieser DLC wird in zwei Etappen veröffentlicht - der erste Teil launcht im Frühjahr, der zweite erst im Winter 2020. Im Vorfeld sorgte der DLC durchaus für hohe Erwartungen, im Paket sollten einige sehr interessante Neuerungen stecken:

  • Die PC-Version erhält erstmals Story-Missionen in einer neuen, virtuellen Welt.
  • Eine neue Map mit Sümpfen, tiefen Untersee-Gräben, eisigen Berggipfeln und vulkanischen Höllenlandschaften kommt.
  • Die neue Begleiter-Drohne HLN-A wird integriert und fungiert auch als Auftraggeber für die Missionen.
  • Neue Kreaturen, beispielsweise gruselige Spinnen, ein glühender Dinosaurier und ein Weltraum-Wal mischen das Spiel auf.
  • Ein Ingame-Shop kommt, in dem ihr aus Missionen erhaltene Hexagons in neue Items investieren könnt.

Auf den folgenden zwei Bildern seht ihr recht deutlich, dass der DLC durchaus interessante neue Biome und Kreaturen anbietet:

Die Spielerzahlen belegen, dass die Ark-Community sich direkt auf den neuen Battle Pass gestürzt hat, um die Genesis-Inhalte auszuprobieren. Doch mit dem neuen DLC läuft offenbar einiges schief.

Woher kommt all die negative Kritik?

Der Release von Ark: Genesis sollte ursprünglich am 25. Februar gegen 19 Uhr starten, doch der Launch verzögerte bis zum Folgetag. Aber interessanterweise ist dieser Release-Schluckauf gar kein großer Anstoß zur Kritik, die Beschwerden der Fans auf Steam reichen deutlich tiefer:

  • Die Größe der neuen Karte enttäuscht viele Fans. Ark: Genesis sei viel zu klein.
  • Es gibt viel zu wenige Baumöglichkeiten im neuen Gebiet.
  • Der Schwierigkeitsgrad werde durch bewusst knappe Platzierungen von Ressourcen und dem eng gestauchten Gegner-Angebot künstlich in die Höhe getrieben.
  • Gezähmte Flugtiere lassen sich im neuen Gebiet nicht reiten.
  • Die deutsche Übersetzung sei eine Katastrophe.

Außerdem befinde sich das Addon - so die Kritiker - in einem miserablen technischen Zustand, der einfach nicht das Geld rechtfertige, das die Leute in den Season Pass investieren müssen (30 Euro). Während Entwickler Wildcard die Bugs und Übersetzungspatzer wahrscheinlich durch Patches in den Griff bekommen wird, dürfte die enttäuschend kleine Karte deutlich schwieriger zu »fixen« sein. Mehr zu den Details dieser Kritik findet ihr bei unseren MMO-Experten von Mein-MMO.

Was bedeutet das für die Zukunft?

Dass die Spielerzahlen trotz der Kritik so exorbitant hoch ausfallen, könnte natürlich auf ein Phänomen hindeuten, das wir häufig bei vermeintlich kontroversen Spielen wie FIFA 20 beobachten: Die Kritiker spiegeln eine sehr laute Minderheit wider, während der Mainstream Gefallen am Spiel findet.

Eine alternative Interpretation: Die Vorfreude auf Ark: Genesis führt zu extrem hohen Kauf- und Ausprobierzahlen, die langfristig aber in sehr enttäuschte Kundenmeinungen umschlagen könnten, wenn Wildcard die Probleme nicht bald in den Griff bekommt. Sascha Asendorf, der Ark-Experte unserer Schwesterseite Mein-MMO schätzt die Lage und Zukunft kritisch ein:

Sascha Asendorf: In den Tagen vor dem Genesis Release hat Wildcard immer wieder neue Infohappen veröffentlicht, ohne auf Details einzugehen. Genesis war für viele mit dem neuen angekündigten Missions-Design weiterhin ein Rätsel, die neuen Dinos wie der Space-Wal und die Riesenschildkröte hingegen haben den Hypetrain angefeuert. Genesis wurde veröffentlicht und jeder, der sich für Ark interessiert wollte in das Addon hineinschauen.

Neue Spieler wurden mit einer Aussicht auf eine Einzelspieler-Erfahrung dank der Missionen gelockt, da die den Fokus auf die Story legen sollen. Daher wohl die hohen Spielerzahlen. Genesis ist aber nicht das, was sich viele Spieler vorgestellt haben. Die fünf Biome sind zu klein und das Gefühl der Freiheit geht verloren, die Missionen sind teilweise banal und die nicht bebaubaren Missionszonen stören. Fliegen ist auch verboten, obwohl es neue Varianten der Dinos gibt und der Schwierigkeitsgrad ist für die neuen Spieler zu hoch angesetzt.

Die Entwickler arbeiten daran, diverse Probleme zu lösen. So soll es auf bestimmten Servern bald möglich sein, wieder zu fliegen und Missionen fallen weg. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass die Biome zu klein und die Spieler damit unzufrieden sind. Auf lange Sicht werden die meisten Spieler wohl wieder abhauen. Ark im gesamten wird es jedoch weniger schaden. Die alten Maps sind noch immer sehr beliebt bei den Spielern und Modder kreieren immer wieder neue Inhalte, die Spieler bei Laune halten.

Teilt ihr Saschas Einschätzung? Kommentiert gerne unter seinem Meinungsartikel auf Mein-MMO. Wir halten euch natürlich auf dem Laufenden, wie es mit Ark: Genesis weitergeht.


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