World War 3 spielt sich nicht so rund wie Battlefield 2042, aber ist trotzdem die bessere Alternative

GameStar-Redakteur Phil erklärt, warum er seine Zeit statt in BF2042 gerade lieber im hakeligen und sperrigen World War 3 verbringt.

von Philipp Elsner,
19.04.2022 15:09 Uhr

Ich sag’s ganz offen: Von dem Neustart von World War 3 hatte ich mir eigentlich mehr erhofft. Nachdem der Multiplayer-Shooter bei seinem ursprünglichen Release 2018 zu einem spektakulären Debakel geworden war, versprachen die Entwickler nicht nur Verbesserungen, sondern eine Wende.

World War 3 sollte das werden, was sich viele Battlefield-Fans seit Jahren wünschen: Ein Multiplayer-Shooter mit modernem Setting, großer Waffenauswahl, riesigen Maps, Fahrzeugen, Teamwork – das volle Programm eben. Auf das Feedback der Community wollte man hören, das träge Movement verbessern, die Soundprobleme in den Griff bekommen und endlich etwas gegen die Lags tun.

Erstmal die schlechte Nachricht: Vieles davon fehlt mir in der (noch kostenpflichtigen) Beta von World War 3 noch immer. Die gute Nachricht: In genau dieser Beta erlebe ich aktuell mehr Battlefield als in Battlefield 2042.

Stimmung und Struktur

World War 3 trifft nämlich genau meinen Nerv als Battlefield-Fan, indem es das Tauziehen um Flaggenpunkte mit haufenweise Details stimmungsvoll inszeniert: Soldaten brüllen in ihrer jeweiligen Landesprache nach Munition oder Medkits, Helme fliegen bei Kopftreffern durch die Luft, mein HUD flimmert durch feindliche Störsender auf und Rauchgranaten erzeugen realistischen Nebel. World War 3 bietet einen geerdeten und authentischen Gegenentwurf zum sterilen Szenario von Battlefield 2042.

World War 3 Grafisch kann sich das Spiel von The Farm 51 durchaus sehen lassen und erinnert stilistisch stark an BF4.

Battlefield 4 Derlei physikalische Zerstörung und Levolution-Events wie in Battlefield bietet WW3 nicht.

Aber nicht nur die Atmosphäre passt: Der Fokus auf Teamwork und Zielobjekte sorgt für einen schönen Spielfluss. Da ich auf jedem Mitglied meines Squads spawnen kann und das Einnehmen von Zielpunkten mit massenhaft Punkten belohnt wird, bleibt meine Gruppe meist eng zusammen und kooperiert, statt als Einzelgänger herumzurennen oder in Ecken zu campen. Auch Truppentransporter und Jeeps erhalten so auf den teilweise gigantischen Maps eine Berechtigung.

Generell belohnt World War 3 strategische Team-Entscheidungen: Da nur zwei miteinander verbundene eroberte Flaggen unserem Team Punkte bescheren, lohnen sich gezielte Angriffe auf Schlüsselpositionen und Patroullien mit Teamkameraden durch eingenommenes Gebiet.

Über den Autor: Phil hatte gehofft, Battlefield 2042 würde die Serie zu neuem Glanz zurückführen – und wurde bitter enttäuscht. Die deplatzierten Specialists mit ihren doofen Sprüchen, das halbgare NoPats-Szenario und nicht zuletzt das unausgereifte Map-Design scheuchten ihn schnell wieder zurück auf die Server von Insurgency Sandstorm, CoD und Rainbow Six Siege. Und auch bei World War 3 wurde Phil ernüchtert, denn die aktuelle Beta spielt sich zwar besser als das Early-Access-Desaster von 2018, wirkt aber noch immer unfertig und einfach nicht so richtig rund. Der Unterschied: World War 3 braucht jetzt vor allem Feinschliff, um ein richtig guter Shooter zu werden. Battlefield 2042 muss hingegen erstmal viele fundamentale Systeme von Grund auf überarbeiten. Für den Moment setzt Phil deshalb seine Wette auf den Indie-Außenseiter – und beobachtet gespannt, wer das Rennen macht.

Das bringt Struktur und klare Frontlinien ins Match und ich habe stets eine Vorstellung davon, wo wir als nächstes gebraucht werden. Während in Battlefield 2042 alle wie in einem Ameisenhaufen durcheinander wuseln und an Engpässen alles verstopfen, kann ich auf den Karten in World War 3 immer sinnvoll manövrieren.

Eine Prise Hardcore-Shooter

Auch die Schusswechsel selbst fühlen sich taktisch und anspruchsvoll an: Je nach gewählter Panzerung für meinen Soldaten bin ich schon nach ein bis zwei Treffern aus dem Spiel, doch die Waffen erzeugen ordentlich Rückstoß und sind vor allem im Vollautomatik-Modus schwer zu beherrschen.

Das macht sowohl kontrollierte Feuerstöße, als auch das Nutzen der Lehnen-Funktion überlebenswichtig: Auf Knopfdruck luge ich wie in Rainbow Six: Siege nach links oder rechts aus der Deckung und decke wichtige Sichtlinien ab oder gebe Sperrfeuer. Man kann sich sogar im Lauf umsehen:

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Per Spotting-Funktion gebe ich wichtige Beobachtungen an mein Team weiter, rufe Drohnen zur Feindaufklärung oder markiere als Squad-Anführer das nächste Missionsziel. Da Friendly Fire immer aktiviert ist, sollte ich mir außerdem gut überlegen, wo ich meine Granaten hinwerfe oder ob sich vielleicht dort, wo wir gerade die Artillerie platzieren wollen, Verbündete befinden.

Ähnlich viel Überlegung sollte übrigens auch ins Loadout fließen, denn World War 3 verzichtet auf Klassen und gibt mir stattdessen die volle Kontrolle über mein Kit: Riskiere ich mit leichtem Kevlar schneller, aber dafür auch verwundbarer zu sein? Lohnt sich ein sekundäres Rotpunktvisier, damit mein Sniper-Gewehr auch im Nahkampf was reißt? Packe ich einen alternativen Griff für das MG in den Rucksack, um ihn im Feld wechseln zu können? Gebe ich verdiente Punkte aus, um einen Panzer oder eine Predator-Drohne zu rufen? World War 3 ist vollgestopft mit Optionen, Equipment und mehr Attachments, als ich gefühlt in meinem Leben jemals freischalten werde.

Dazu kommen noch zahllose Uniform-Details wie Helme, Tarnmuster oder Abzeichen – alles authentisch und ohne Fantasy-Schnickschnack. Selbst Herkunft und Sprache meines Soldaten kann ich selbst individualisieren! In Sachen Umfang kann und muss Battlefield 2042 hier einfach nur noch anerkennend zur Seite treten. Hier könnt ihr euch anschauen, wie umfangreich die Ausrüstung in WW3 ist:

World War 3: Der Battlefield-Konkurrent zeigt die vielen Waffen-Optionen zum Beta-Start 3:38 World War 3: Der Battlefield-Konkurrent zeigt die vielen Waffen-Optionen zum Beta-Start

Gefährliche Baustelle

Ihr merkt schon: World War 3 ist ambitioniert ohne Ende! Und genau das tut dem Spiel nicht immer gut. Das merkt man vor allem am Movement und den Animationen: Wo Battlefield 2042 dank Frostbite-Engine und erfahrenen Entwicklern butterweich und geschmeidig läuft, bleibe ich in World War 3 immer wieder in der Geometrie hängen oder kann nicht über hüfthohe Hindernisse klettern, während ein Kollege neben mir eine zwei Meter hohe Wand spielend überwindet. Bewegungsabläufe wie das Nachladen oder Hinlegen sehen zudem oft steif und unnatürlich aus.

World War 3 Die Innenräume sind meist stimmungsvoll und mit vielen Details ausgearbeitet.

Battlefield 2042 Viele Räume wirken leer und leblos, die Beleuchtung ist flach und eindimensional.

Dazu kommt das noch immer problematische Sound-Design. Ich war zugegeben schon echt am Rande der Verzweiflung, weil ständig Schritte von Feinden so klingen als kämen sie von einem Stockwerk über mir – bis ich dann plötzlich doch wieder von hinten überrascht werde. Manchmal biegt sogar ein feindlicher Panzer geräuschlos um die Ecke, ohne dass auch nur etwas geahnt hätte. Ätzend! Dazu kommen nervige Kleinigkeiten wie die fummelige Menüführung oder die regelmäßig auftretenden Lags trotz stabiler Internetverbindung.

World War 3 merkt man einfach an vielen Stellen an, dass es mit kleinerem Budget als ein Battlefield oder Call of Duty und von einem im Multiplayer-Bereich nicht sonderlich erfahrenen Team entwickelt wird. Immerhin haben The Farm 51 mit Get Even und Chernobylite bisher zwar gute, aber eben auch überschaubare Singleplayer-Projekte geliefert! Man kann Battlefield 2042 viel vorwerfen, aber die tollen Effekte, butterweichen Animationen und satten Sounds zeugen eben doch von einem hohen Grad an »polish«, wie es so schön im Entwicklersprech heißt.

Wir gehen in unserem Report bei GameStar Plus übrigens der Frage nach: Haben die negativen Steam-Reviews BF2042 geschadet? Unterm Strich ist World War 3 technisch Battlefield nicht ebenbürtig – und trotzdem eine ernstzunehmende Bedrohung! Schon jetzt sind die Spielerzahlen beider Titel bei Steam fast gleichauf:

Der Grund dafür ist simpel: World War 3 liefert an vielen Stellen genau das, was Battlefield-Fans gerade vermissen: Ein Modern-Military-Setting mit düsterem Szenario ohne unpassende Specialists, eine große Waffenauswahl ohne fette Balance-Schnitzer, einen angenehmen Spielfluss ohne frustrierende Flaschenhälse.

Das mag vielleicht noch nicht reichen, um eines der teuren Closed-Beta-Pakete zu kaufen. Aber spätestens zum Free2Play-Start von World War 3 muss sich die Battlefield-Marke definitiv warm anziehen!

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