Battlefield 5 - Leidensbericht: Wie feindliche Flieger ein Match ruinierten, weil sie Freunde waren

Battlefield 5 ist ja häufig eine haarsträubend ernste Angelegenheit, schließlich wollen beide Seiten gewinnen. Doch manchmal läuft es so schlecht, dass man drüber lachen muss.

von Dimitry Halley,
06.12.2018 15:37 Uhr

Battlefield 5 gibt geschickten Fliegern ein ziemlich mächtiges Arsenal an die Hand.Battlefield 5 gibt geschickten Fliegern ein ziemlich mächtiges Arsenal an die Hand.

Bomber in Battlefield 5 können ziemlich nerven! In den staubigen Gräben von Hamada müssen sich die stählernen Vögel schon ziemlich doof anstellen, damit man sie vom Boden mit Flaks vernünftig vom Himmel pusten kann. Wenn dann auch noch niemand im eigenen 32-Spieler-Team einen Flak-Panzer im Vorfeld ins Loadout gepackt hat oder einen goldenen Panzerschuss landen kann, dann schaut man als kläglicher Fußsoldat ganz schön in die Röhre, während die Bombenteppiche einen bis in den eigenen Spawnpunkt verfolgen.

Momente, die Frust schüren: Man rennt im Conquest-Modus mutigen Hauptes auf einen Kontrollpunkt zu, schießt endlich mit Ach und Krach paar feindliche Wachsoldaten über den Haufen, hievt sich schwer verletzt aber siegreich in die nun ungeschützte Eroberungszone - und zack, zerplatzt der ganze eigene Squad, weil die Bomber es regnen lassen. Wieder und wieder. Boom, Boom, Boom. Der einzig wirksame Konter: Eigene Flugzeuge in die Luft bringen. Den Feind abfangen.

Aber was passiert, wenn eigentlich verfeindete Jäger und Bomber nicht aufeinander schießen, weil die Leute im Cockpit Freunde sind? Genau das ist mir nämlich in einem Conquest-Match auf Hamada passiert - und das Ergebnis war so chaotisch, dass ich's unbedingt in diesem kleinen Artikel hier mit euch teilen möchte.

Der Autor: Dimi springt im Moment von den Schlachtfeldern eines Battlefield 5 zu den blaster-versengten Schützengräben eines Battlefront 2. In beiden Universen kämpften er durchaus mit Eifer und Ambition, doch der Sieg ist nicht das einzige, was in solchen Multiplayer-Spielen zählt. Auch die kleinen, absurden Geschichten, die er und seine Freunde erleben, schaffen einzigartige Erinnerungen, die einen mal fluchen, mal schmunzeln lassen.

Freundschaft bricht die Spielbalance

Denn natürlich kann ein Multiplayer-Shooter nur funktionieren, wenn beide Seiten aufeinander ballern. Doch in den Wolken über Hamada war nicht nur die Freiheit grenzenlos, sondern auch der Unwille, den anderen Bomber bei seinem Werk zu unterbrechen. Der Grund war simpel: Alle Flugzeuge gehörten zum selben Clan. Was spielen Zugehörigkeiten zu Achsenmächten und Alliierten schon für eine Rolle, wenn im feindlichen Cockpit Kumpels hocken?

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Ich kann nur mutmaßen, wie die Absprache im Vorfeld geklungen haben muss: »Sag mal Kollege, es wäre wohl korrekter, wenn wir uns an die Regeln halten und einander bekämpfen. Aber wenn wir stattdessen zusammenarbeiten, könnten wir dann nicht einfach 40 Minuten lang wehrlose Spieler erledigen? Wir wären die ultimativen Trolle - können wir das mit unserem Gewissen vereinbaren?« Gewiss eine rhetorische Frage, wir reden schließlich vom Internet.

Die aus dieser Freundschaft resultierende Spielbalance glich einer Katastrophe. Unsere Bodentruppen konnten den befreundeten Flugzeugen kaum mehr als einen Kratzer zufügen - und Bombenteppiche trieben die Truppen beider Seiten von einem Graben in den nächsten.

Die Abschuss-Ticker der eigentlich verfeindeten Bomber ratterten bei in den dreistelligen Bereich: 100,110, 120, über 130 Kills sackten die Clan-Piloten ein, während ich dreimal in Folge mitten in einer Feuerwand spawnte und durch die Luft geschleudert wurde. Nur leider nicht hoch genug, um den Säcken mein Gewehr in den Motor zu rammen.

Tolle Stimmung auf dem Boden

Durch den Frieden in der Luft änderte sich die komplette Spielweise unserer Conquest-Partie. Statt Punkte zu erobern und aufeinander zu ballern, spielten beide Seiten quasi Völkerball - nur dass die Bälle sich als feurige Bomberschneisen in die Map brannten. In der Folge entstand erwartungsgemäß natürlich eine absolut erstklassige Stimmung in den Teams.

Battlefield-Chats gehören ja ohnehin zu den freundlichsten Sozialräumen im Internet, kaum wer beschwert sich über sein Team, Sprüche wie »N00b« und »Get Cancer« kommen definitiv selten über jemandes virtuelle Lippen. Kein Wunder also, dass zumindest die Beleidigungen ohne Zweifel bis ganz nach oben flogen. Doch die Piloten wurden dadurch bloß noch bestärkt, ihren grausamen Tanz fortzusetzen. Wut schürt nun mal Wut.

Und auch in meinen Squad kroch der Frust. Ex-Kollege Johannes Rohe konnte man förmlich beim Zerbeißen seiner Tastatur hören, ich selbst wollte bisweilen überhaupt nicht mehr respawnen. Und nach knapp 20 Minuten begannen die ersten Leute, das Match hinzuwerfen. Die Schlacht verlor ihren Antrieb, weil niemand mehr daran teilnehmen wollte.

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Was lernen wir daraus?

Und was ist die Lektion hinter alldem? Gut, da finden sich einige. Dice sollte definitiv noch an der Balance feilen (wobei man wohl jeden Multiplayer kaputtmachen kann, wenn beide Teams nicht nach den Regeln spielen). Der Zyniker würde außerdem einwerfen, dass hier wunderbar illustriert wurde, zu welch diabolischem Verderben die falschen Freundschaften führen können. Wie fies die Leute doch sein können!

Aber tief unter meinem Frust über diese furchtbare, furchtbare Partie fand ich noch eine weitere optimistischere Erkenntnis: Dass Multiplayer-Spiele einfach wunderbar bekloppte Situationen hervorbringen können, weil eben echte Menschen aufeinander treffen. Das kann einen wie hier zur absoluten Weißglut treiben, aber zumindest werde ich dieses Match für lange Zeit in Erinnerung behalten.

Und den Clan-Namen habe ich mir natürlich gemerkt. Falls man sich mal wieder trifft.

Disclaimer: Die illustrierten Geschehnisse ereigneten sich vor dem jüngsten Update von Battlefield 5.

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