Battlefield 5 - Reddit-Moderatoren reicht's: »Schluss mit dem Geheule über historische Ungenauigkeit«

Das Battlefield-Subreddit macht die Diskussion um historische Genauigkeit in Battlefield 5 dicht. Die Moderatoren sehen keine zivile, respektvolle Diskussionsgrundlage.

von Stefan Köhler,
15.06.2018 17:08 Uhr

Schluss mit der Diskussion um historische Genauigkeit: Die Moderatoren des Battlefield-Subreddits verbieten das Eröffnen weiterer Diskussionsthemen dieser Richtung.Schluss mit der Diskussion um historische Genauigkeit: Die Moderatoren des Battlefield-Subreddits verbieten das Eröffnen weiterer Diskussionsthemen dieser Richtung.

Wer in Zukunft über die historische Ungenauigkeit von Battlefield 5 diskutieren möchte, muss das außerhalb des Battlefield-Subreddits tun. Die Moderatoren ziehen Wochen nach dem kontroversen Reveal des Weltkriegs-Shooters jetzt die Notbremse und verbieten das Erstellen weiterer Themen in dieser Richtung.

Ein letzter Diskussion-Thread mit aktuell über 600 Beiträgen ist noch offen, mehr werden nicht mehr zugelassen.

"Hasst uns, so viel ihr wollt, aber wir haben keine Lust mehr auf diesen Mist."

Gründe für den Schnitt

Die Ankündigung ist so knapp wie deutlich und beginnt mit dem Hinweis, dass das Reddit-Team hinter r/battlefield nichts mit EA und DICE zu tun hat und von den Firmen auch nicht bezahlt oder kontrolliert wird.

Als Hauptgrund für den harten Schritt geben die Moderatoren Brigading an: Der Begriff beschreibt eine Brigade an Usern (aus anderen Reddit-Communities, Foren oder Fans von YouTube-Kanälen), die eine Diskussionsplattform wie eben das Battlefield-Subreddit gezielt angreifen und durch ihre Masse jegliche Diskussion entgleisen lassen.

Weiter heißt es, dass die User des Battlefield-Subreddits schlicht alles besprochen haben. Jegliche Kritik wurde hervorgebracht, jetzt drehe sich alles aber nur noch im Kreis und das in einem mehr als rauen Tonfall. Wer noch etwas zu sagen habe, kann das im letzten, offiziellen Diskussions-Thread tun, neue Themen dieser Art sollen aber nicht mehr eröffnet werden.

Battlefield 5 - Screenshots ansehen

Debatte um historische Freiheiten

Wer nicht weiß, worum es geht: Die Ankündigung von Battlefield 5 wurde in der Community äußerst gemischt aufgenommen. Hauptgrund waren ein extrem chaotischer Ankündigungs-Trailer und die Darstellung der Kämpfer. Spieler genießen in Battlefield 5 nämlich große Freiheiten bei der kosmetischen Ausgestaltung ihrer Spielfigur und können auf männliche und weibliche Soldaten, verschiedene Ethnien und unerwartete Individualisierungsoptionen wie Prothesen statt Arme, Samurai-Schwerter als Nahkampfwaffen und ausgefallene Gesichtsbemalungen zurückgreifen.

EA und DICE wollen damit dem Spieler absolute Freiheit bei der Ausgestaltung des eigenen Charakters erlauben und verweisen auf Einzelfälle, die es im Zweiten Weltkrieg gab. Die Gesichtsbemalungen sind beispielsweise von der US-Einheit »Filthy Thirteen« inspiriert, das Samurai-Schwert soll an Kämpfer wie Jack »Mad Jack« Churchill erinnern, der mit einem schottischen Breitschwert in den Kampf zog. Alle Optionen seien in irgendeiner Form aus dem Zweiten Weltkrieg entnommen, ein authentisches Erlebnis sei Battlefield 5 (wie auch die Vorgänger) aber nicht.

Vielen Fans gingen diese historischen Freiheiten allerdings zu weit, da sie vielleicht das am Rande vorstellbare, nicht aber die Realität des Krieges zeigen. Die Linie zwischen Realismus und Authentizität ist ein schmaler Grat. Kein Thema war dabei so sehr im Mittelpunkt der hitzigen Debatte wie die Möglichkeit, weibliche Soldatinnen spielen zu können.

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Es brennt lichterloh

Wer ein wenig durch die Ankündigung der Themensperre scrollt, wird das Ausmaß der Situation schnell überblicken können. Viele User werfen den Moderatoren Zensur vor, auch wenn das natürlich grober Unfug ist. Mit staatlicher Zensur hat eine Diskussionssperre in einem privat geführten Forum schließlich nichts zu tun. Andere User geben zumindest zu bedenken, dass eine komplette Themensperre zumindest ungeschickt ist.

Dass normale Diskussionen kaum mehr möglich sind, dürften Besucher des Battlefield-Subreddits in den letzten Wochen deutlich gespürt haben. Gerade eine Debatte um weibliche Charaktere mag vor dem Hintergrund einer ehrlichen und fairen Diskussion gestartet worden sein, endete aber früher oder später in Beleidigungen oder frauenfeindlichen Äußerungen.

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Ein besonderer Fall hatte für Aufmerksamkeit auch außerhalb des Battlefield-Subreddits gesorgt. Ein vermeintlicher Historiker beschwerte sich, dass er nicht als ungebildet beschimpft werden möchte. Hintergrund war ein Kommentar des EA-Managers Patrick Söderlund, der Frauen an den Fronten des Zweiten Weltkriegs als »plausibles Szenario« und Gegner von weiblichen Charakteren eben als ungebildet bezeichnete.

Später stellte sich heraus, dass der Kritiker doch kein Historiker war und nicht die von ihm erwähnte Hochschule besucht hatte. Die Diskussion um den Begriff »ungebildet« wurde zur Selbstparodie. Dass die Moderatoren des Battlefield-Subreddits unter solchen Bedingungen einen Schlussstrich ziehen, mag man für richtig oder falsch halten, nachvollziehbar ist die Entscheidung aber allemal.

Hinweis der Redaktion
Die Ironie der Situation ist uns in Anbetracht der Meldung bewusst, wir haben aber dennoch den Kommentarbereich unter dieser Nachricht geschlossen, da der erwartbaren Moderationsaufwand zu hoch ausfällt. Unter der letzten Meldung zum Thema gab es über 1.200 Kommentare. Gerade zum Freitagabend bitten wir daher um Verständnis.

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