Biomutant: Das fast vergessene Open-World-Spiel ist spannender denn je

Endlich meldet sich Biomutant mit einem neuen Trailer zurück! Im Interview verrät uns der Studiochef noch viele weitere Details zu Story und Gameplay. Alle bekannten Infos zum Panda-Rollenspiel fassen wir für euch zusammen.

von Natalie Schermann,
26.06.2020 13:15 Uhr

Genre: Action-Rollenspiel | Entwickler: Experiment 101 | Plattform: PC, PS4, Xbox One | Release: tba

Wir hatten schon fast nicht mehr damit gerechnet, dieses Jahr noch etwas von Biomutant zu hören. Doch die Entwickler melden sich überraschend zurück und zeigen sogar neues Gameplay-Material. Inhaltlich sei das Spiel schon fertig. Aber warum blieb der geplante Release 2019 einfach aus?

In einem Interview für GameStar Plus verrät und Studiochef Stefan Ljungqvist, mit welchen Herausforderungen das kleine Studio, das aus nur 20 Mitarbeitern besteht, zu kämpfen hatte und warum Biomutant sehr viel umfangreicher und komplexer wurde, als urspünglich geplant:

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Mit dem Open-World-Rollenspiel hat sich das kleine Studio Experiment 101 Großes vorgenommen. Unterstützt wird das ambitionierte Projekt von Publisher THQ Nordic. Worum es in Biomutant geht und was es so besonders macht, klären wir in diesem Artikel.

Was macht Biomutant besonders?

Das Open-World-Rollenspiel mit dem Kung Fu kämpfenden Panda in der Hauptrolle zog die Aufmerksamkeit durch seine bunte Optik, ausgefallene Gameplay-Mechaniken und einem besonderen Sinn für Humor auf sich.

Damit hebt sich Biomutant von anderen Spielen mit postapokalyptischem Setting ab. Im Fokus stehen weder düstere Umgebungen noch ernste Storys – Biomutant soll einfach »nur« ein Spiel sein, das möglichst viel Spaß macht.

Biomutant: Das Open-World-Rollenspiel meldet sich mit neuem Gameplay-Video zurück 9:25 Biomutant: Das Open-World-Rollenspiel meldet sich mit neuem Gameplay-Video zurück

Wir haben exklusiv mit dem Studiochef von Experiment 101 Stefan Ljungqvist gesprochen und konnten ihm noch viele weitere Details zu Story, Spielwelt, Gameplay und den Besonderheiten von Biomutant entlocken.

Story & Hauptcharakter

In der postapokalyptischen Welt von Biomutant steht die zweite Apokalypse kurz bevor. Denn sogenannte Weltenfresser drohen, den Baum des Lebens zu zerstören und damit die Welt und alles Leben auszulöschen.

Die Aufgabe des kleinen Mutanten-Pandas ist es, sich für eines der sechs Völker zu entscheiden und ihre Ziele zu verfolgen. Drei der Völker sehnen den Untergang der Welt herbei, während die anderen drei die Weltenfresser aufhalten und die Völker vereinen wollen. Stefan Ljungqvist deutet auch an, dass sich die Story stark mit dem Ursprung der mutierten Tiere beschäftigen wird: Wo kommen sie her? Gab es jemals Menschen in dieser Welt und wenn ja, was ist mit ihnen passiert? Doch mehr wollte er dazu noch nicht verraten.

Im Charaktereditor könnt ihr frei über das Aussehen eures Mutanten entscheiden. Im weiteren Spielverlauf könnt ihr auch eure Waffen und Kleidung selbst craften oder mit Upgrades versehen. Im Charaktereditor könnt ihr frei über das Aussehen eures Mutanten entscheiden. Im weiteren Spielverlauf könnt ihr auch eure Waffen und Kleidung selbst craften oder mit Upgrades versehen.

Zwar sehen wir in den Trailern meist den flauschigen roten Panda in der Hauptrolle, doch im Editor könnt ihr zu Beginn des Spiels eure ganz eigene Version des niedlichen Mutanten erstellen. Ihr entscheidet also frei über Aussehen, das Fell, die Farben und auch die primäre Mutation.

Diese gibt euch eine permanente Teil-Resistenz gegen beispielsweise Kälte - und das macht sich auch optisch bemerkbar: Blau-weiße Strähnen schlingen sich nun um den Arm eures Charakters.

NPCs & Dialoge

In der Welt von Biomutant wimmelt es nur so von quirligen Charakteren. Es gibt zwei Arten von NPCs: wichtige Schlüsselcharaktere und Nebencharaktere. Die wichtigen Figuren helfen euch dabei, in der Hauptquest voranzukommen und an bestimmte Ausrüstungen oder Fahrzeuge zu gelangen. Nebencharaktere versorgen euch hingegen mit weiteren Quests, die ihr zusätzlich zur Hauptstory erledigen könnt.

Die Tierchen in Biomutant sprechen Kauderwelsch. Ein Erzähler - der übrigens auch eine deutsche Vertonung bekommen soll - übersetzt das Gesagte. Denn auch Dialoge spielen in Biomutant eine Rolle. Die Entwickler verzichten allerdings auf ausschweifende Dialog-Bäume und konzentrieren sich auf kurze Gespräche. Der Studiochef Stefan Ljungqvist deutete außerdem an, dass der Erzähler eine noch viel größere Rolle spielt als nur den Übersetzer.

In der Welt von Biomutant trefft ihr auf viele Nebencharaktere. Sie helfen euch auch dabei, euch mit Ausrüstung und Fahrzeugen zu versorgen, die euch das Weiterreisen ermöglichen. In der Welt von Biomutant trefft ihr auf viele Nebencharaktere. Sie helfen euch auch dabei, euch mit Ausrüstung und Fahrzeugen zu versorgen, die euch das Weiterreisen ermöglichen.

Open World & Biome

Biomutant soll euch nach Aussage des Studiochefs etwa 30 Minuten an die Hand nehmen, zwei weitere Stunden noch unterstützen und euch dann ein vollkommen freies Erkunden der Spielwelt ermöglichen.

Abseits der Hauptquest könnt ihr die Welt erforschen, Nebenquests erledigen, Geheimnisse entdecken und Rätsel lösen. Biomutant weist auch einige Metroidvania-Elemente auf. So gibt es beispielsweise Türen, die ein spezielles Werkzeug benötigen, um sie aufzubekommen und die Areale dahinter erkunden zu können.

Bestimmte Zonen könnt ihr nur mit speziellen Fahrzeugen erreichen. Diese bekommt ihr als Belohnung dafür, dass ihr Aufträge für die NPCs in der Welt von Biomutant erledigt. Für die Unterwasserwelt benötigt ihr beispielsweise ein U-Boot. Bestimmte Zonen könnt ihr nur mit speziellen Fahrzeugen erreichen. Diese bekommt ihr als Belohnung dafür, dass ihr Aufträge für die NPCs in der Welt von Biomutant erledigt. Für die Unterwasserwelt benötigt ihr beispielsweise ein U-Boot.

Die sieben Biome benötigen spezielle Ausrüstung und/oder Fahrzeuge, um sie bereisen zu können. Für die Kältezone braucht euer flauschiger Held warme Kleidung - die übrigens ebenfalls wie die Waffen durch das Crafting-System mit Upgrades versehen werden kann. Für das verseuchte Biom benötigt ihr eine Gasmaske. Unterwasserwelten können nur mit einem U-Boot erforscht werden.

Eure Ausrüstung bestimmt auch darüber, wie lange ihr es in einer bestimmten Zone aushalten könnt. Damit euch weder Kälte, noch Radioaktivität etwas anhaben können, empfiehlt es sich natürlich, Upgrades für die Ausrüstung zu sammeln, um so hundertprozentige Resistenz zu erlangen.

Kämpfe, Waffen & Mutationen

Im Kampf stehen euch eine Menge Nah- und Fernkampfwaffen zur Verfügung, die sich auch ganz individuell zusammenbauen lassen. Jede Waffe besteht aus einem Griff und einem Hauptteil und kann darüber hinaus mit etlichen Add-ons versehen werden.

Biomutant wäre nicht Biomutant, wenn sich nicht auch hier der besondere Sinn für Humor der Entwickler widerspiegeln würde. So könnt ihr euren Pistolengriff durch eine Banane ersetzen, eure Waffen mit Tennisbällen oder Bleistiften upgraden oder einfach mit einer Zahnbürste in den Kampf ziehen.

Studiochef Stefan Ljungqvist ist großer Fan asiatischer Kampfkünste. Deshalb sind auch die Kämpfe in Biomutant davon inspiriert und verbinden wilde Schießereien mit fließenden Bewegungen des Kung Fu. Studiochef Stefan Ljungqvist ist großer Fan asiatischer Kampfkünste. Deshalb sind auch die Kämpfe in Biomutant davon inspiriert und verbinden wilde Schießereien mit fließenden Bewegungen des Kung Fu.

Bei den Kämpfen spricht der Studiochef übrigens vom »Free Flow«. Das bedeutet, dass ihr eure Aktionen jederzeit durch andere Aktionen unterbrechen könnt und nicht erst warten müsst, bis die Animation für einen Move vorbei ist, um den nächsten Angriff zu starten. Das erlaubt einen reibungslosen Wechsel zwischen Nah- und Fernkampf und bringt somit Geschwindigkeit in die Gefechte.

Es gibt außerdem zwei Arten von Mutationen im Spiel: Die biogenetische und die psionische Mutation. Beide Mutationen können nur an bestimmten Orten im Spiel verändert werden - etwa an radioaktiven Pfützen wie wir es bereits in einem der ersten Trailer gesehen haben. Mutationen verleihen euch bestimmte Resistenzen und spezielle Fähigkeiten. Viel mehr wollte Stefan Ljungqvist darüber aber noch nicht erzählen.

Gegner, Bosse und Entscheidungen

Natürlich braucht ein Action-Spiel auch viele Gegner, an denen ihr eure coolen Kung-Fu-Moves ausprobieren können. Biomutant überzeugt auch hier in den Gameplay-Videos mit kreativem Monster-Design.

Doch neben einfachen Gegnern und Bossen gibt es in Biomutant auch noch die vier Superbosse - die Weltenfresser. Vom Baum des Lebens, welcher sich direkt in der Mitte der Welt befindet, gehen vier Wege ab. Und am Ende jedes Weges wartet ein Weltenfresser auf euch. Um diese besiegen zu können - falls ihr euch denn dafür entscheidet - müsst ihr zunächst den Völkern helfen, um von ihnen die nötige Ausrüstung oder Fahrzeuge für den jeweiligen Bosskampf zu erhalten.

Biomutant überzeugt auch mit Kreativität beim Monster-Design. Im Spiel tritt der flauschige Held gegen Bosse und Weltenfresser an. Biomutant überzeugt auch mit Kreativität beim Monster-Design. Im Spiel tritt der flauschige Held gegen Bosse und Weltenfresser an.

Im Laufe des Spiels müsst ihr in Biomutant Entscheidungen treffen, die das Ende des Spiels beeinflussen werden. Dabei spielt auch ein Karmasystem eine Rolle. Stefan bezeichnet es bisher lediglich als rot und blau. Wie bereits erwähnt, gehören drei der Völker zu den Bösen - rot, und drei der Völker zu den Guten - blau. Je nachdem, wem ihr eure Hilfe anbietet, überwiegt euer rotes oder blaues Karma. Spannend: Die Allianz mit einem der Völker muss aber nicht endgültig sein. So kann man sich zu jeder Zeit im Spiel umentscheiden und sich auf die gegnerische Seite schlagen.

Für wen ist Biomutant interessant?

Die Gameplay-Trailer erinnern besonders in den Kämpfen an alte PlayStation-Klassiker wie Ratchet & Clank und Jak and Daxter. Stefan Ljungqvist selbst fügt dem Vergleich noch Batman: Arkham Asylum und Devil May Cry hinzu und beschreibt Biomutant als eine Mischung der genannten Spiele.

Biomutant konzentriert sich auf schnelle Kämpfe mit unterschiedlichen Waffen, die der Spieler nach Belieben selbst zusammenstellen kann. Für die Story verzichten die Entwickler auf große Inszenierungen mit Cutscenes und grenzen sich auch mit der bunten Optik von anderen postapokalyptischen Settings ab.

Biomutant hat auch gar nicht den Anspruch, mit AAA-Titeln zu konkurrieren. Wer sich also mal eine Auszeit von düsteren Geschichten mit ernsten Themen nehmen und sich einfach nur mit schnellen Kämpfen, verrückten Gameplay-Ideen und flauschigen Pandas die Zeit vertreiben möchte, könnte an Biomutant Gefallen finden. Wer hingegen einen Open-World-Blockbuster auf Assassin's-Creed- oder GTA-Niveau hofft, erwartet sicherlich zu viel.

Biomutant - Screenshots ansehen

Was gefällt uns bisher? Was gefällt uns bisher nicht?

Inhaltlich soll das Spiel laut Studiochef Stefan Ljungqvist bereits fertig sein. Das kleine Entwicklerteam konzentriert sich aktuell auf das Polishing, Qualitätskontrollen und das Beheben von Bugs.

Die Spielzeit soll für die Hauptstory bei mindestens 10 bis 20 Stunden liegen – je nachdem, wie vielen Völkern ihr helfen wollt. Aber natürlich kann man noch sehr viel mehr Zeit im Spiel verbringen, wenn man sich bei der Erkundung der Open World Zeit lassen möchte.

Stärken von Biomutant

  • Niedliche Charaktere und Gegner, die dem Spiel einen ganz besonderen Flair verpassen.
  • Eine offene Spielwelt mit unterschiedlichen Biomen und interessanter bunter Optik, die Abwechslung in das postapokalyptische Setting bringt.
  • Fokus auf Gameplay: Sowohl die Erkundung der Spielwelt als auch die Kämpfe sind geprägt von interessanten und ausgefallenen Mechaniken.
  • Große Freiheit: Die offene Spielwelt kann auf eigene Faust erkundet werden und unterschiedliche Orte - sofern man die richtige Ausrüstung hat - jederzeit bereist werden. Interessant ist auch das Konzept, dass man seine Entscheidungen und seine Allianzen jederzeit überdenken und sich anders entscheiden kann.

Schwächen von Biomutant

  • Besonders bei den großen Bossen im Gameplay-Trailer fallen Clipping-Fehler auf. Und auch sonst wirkt es, als könnte das Spiel noch an einigen Stellen etwas Polishing vertragen.
  • Während die Charaktere ausgefeilt und detailliert aussehen, wirkt die offene Welt dazu stellenweise sehr leer und detailarm.

Das 20-Mann-Entwicklerteam Experiment 101 will sich noch genug Zeit lassen, um die Kanten des Spiels zu glätten, um schließlich ein fertiges Spiel auf den Markt zu bringen. Über die Herausforderungen bei der Entwicklung spricht Stefan Ljungqvist in unserem Plus-Report.

Potenzial | Sehr gut

Natalie Schermann
@theycallme_lie

Nachdem so lange Funkstille um Biomutant herrschte, hat schon keiner mehr damit gerechnet, etwas vom Panda-Rollenspiel zu hören. Umso erfreulicher ist es, dass sich das Entwicklerteam nun mit neuem Gameplay zurückmeldet und so offen über die Herausforderungen bei der Entwicklung spricht. Das kleine Studio nimmt sich noch genug Zeit, um Biomutant nochmal ordentlich zu polishen. Die Qualität eines AAA-Titels sollte man hier dennoch nicht erwarten, schließlich spielt das Studio mit Teamgröße und Budget in einer anderen Liga.

Doch Ecken und Kanten sind bei Biomutant verzeihlich, denn das Spiel überzeugt schon jetzt mit sehr viel Charme und außergewöhnlichen Ideen. Die Leidenschaft der Entwickler ist in den Trailern zu spüren und Biomutant versucht auch gar nicht mehr zu sein als es ist: Das Spiel verzichtet auf grandiose Inszenierungen und konzentriert sich mehr auf ein spaßiges Spielerlebnis. Damit könnte es eine willkommene Abwechslung gegenüber den vielen betont ernsten Open-World-Abenteuern bieten.

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