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Seite 3: Call of Duty: Modern Warfare - Ein Shooter, der weh tun will

Dick aufgetragen, aber wirksam

Die Russen scherzen miteinander, während sie jedem vermeintlichen Leichnam noch eine Kugel in den Kopf schießen. Dick aufgetragen, keine Frage, aber der erzählerische Trick funktioniert: Wir fiebern mit den beiden Kindern mit, die angsterfüllt zusammenarbeiten, sich hier und da mal kurzatmig aufmuntern.

Die Dialogregie überzeugt, sowohl zwischen den Geschwistern, als auch im unerträglichen Geschwätz der russischen Soldaten. Taylor Kurosaki, der Narrative Director von Modern Warfare, hat vorher an The Last of Us und Uncharted gearbeitet. Das merkt man.

Call of Duty: Modern Warfare - Bilder aus dem Trailer ansehen

Am Ende der Demo beschließen Farah und Hadir, irgendwie einen Truck der Russen zu stehlen. Wir schleichen uns an einigen Wachen vorbei, schnappen uns am Verladeplatz des Trucks einen Revolver von einer Kiste und zielen auf den Wachmann mit Fahrzeugschlüssel. Mit dem Knall endet die Präsentation. Die gesamte Szene spielt 20 Jahre in der Vergangenheit. Im Rahmen der Kampagne tritt Farah als Rebellenanführerin auf, die uns im Kampf gegen die Terrormiliz im Nahen Osten unterstützt.

Infinity Ward will Fettnäpfchen vermeiden, keine Kultur oder Nation als alleinig gut oder alleinig böse darstellen. Wir kämpfen an der Seite muslimischer Rebellen gegen arabische Terroristen, an der Seite russischer Soldaten gegen die Armee des korrupten russischen Generals - und auch in den westlichen Mächten gibt es Helden wie Schurken, beteuern die Entwickler.

Modern Warfare will mehr sein als Michael-Bay-Action-Kino, die Serie stattdessen zu ihren provokanten Story-Wurzeln zurückführen. Das neue Szenario birgt große Chancen, eine erwachsene Geschichte zu erzählen - aber auch das Risiko, es umso mehr zu versemmeln.

Die Redaktion: Folge 52 - Modern Warfare 2 (UNCUT) PLUS-Archiv 7:51 Die Redaktion: Folge 52 - Modern Warfare 2 (UNCUT)

Gute Geschichte oder gute Provokation?

Call of Duty: Modern Warfare wird keine Anti-Kriegsgeschichte, das bestätigen uns die Entwickler im Gespräch. Kein Wunder, schließlich müssen Shooter häufig mit dem Widerspruch umgehen, auf der einen Seite zwar Kriegsgräuel zu thematisieren, auf der anderen Seite spaßige Ballereien anzubieten. Spec Ops: The Line erschuf gerade aus diesem Widerspruch ein wirksames Anti-Kriegsdrama, aber dieser Kniff lässt sich nur bedingt in anderen Geschichten wiederholen.

Modern Warfare stößt in eine andere Richtung. Die Taten der Kriegsverbrecher und Terroristen sollen abschrecken, ja, aber darüber hinaus vor allem emotional binden. Call of Duty möchte wieder gute Geschichten erzählen, uns mit Charakteren wie Price oder Farah verknüpfen, eine »Badass-Spec-Ops-Fantasie« anbieten, die mehr ist als reiner Selbstzweck.

Wir kämpfen nicht für eine bessere Welt, weil uns irgendwer das befiehlt, sondern weil wir erlebt haben, was Terrorismus anrichten kann. Taylor Kurosaki fasst es im Interview zusammen:

"Wir wollen, dass sich unser Spiel relevant anfühlt. Wie etwas, das von realen Ereignissen inspiriert wurde. Natürlich soll Modern Warfare nicht von echtem Leid profitieren, stattdessen möchten wir aufarbeiten. In unserem Call of Duty soll man einen Unterschied bei den Dingen machen können, die man sonst nur in den Nachrichten sieht."

Man denkt an »No Russian«

Demnach soll der Gasangriff auf Farahs Dorf auch mehr leisten, als bloß die alte »No Russian«-Mission aus Modern Warfare 2 an Provokation zu überbieten. Diese Flashback-Mission will aus Farah eine glaubhafte Figur machen, deren Schicksal uns wirklich am Herzen liegt.

Gleichwohl möchte man in anderen Missionen auch die Feinde ambivalent darstellen, um dem eigenen »Graue Moral«-Mantra gerecht zu werden. So zumindest der Plan. Wir haben aktuell zu wenig von Call of Duty: Modern Warfare gesehen, um eine sichere Prognose abzugeben, inwieweit all das gelingt.

Call of Duty: Modern Warfare legt viel Wert auf eine »graue Moral«, auch beim Kampf gegen arabische Terroristen. Inwieweit das gelingt, bleibt freilich abzuwarten. Call of Duty: Modern Warfare legt viel Wert auf eine »graue Moral«, auch beim Kampf gegen arabische Terroristen. Inwieweit das gelingt, bleibt freilich abzuwarten.

Die Entwickler wissen, dass sie mit solch heiklen Darstellungen immer an der Grenze zur Geschmacklosigkeit balancieren. Wer Kriegsgräuel gegen Kinder und Zivilisten nur zeigt, um die Spieler heiß auf den Kampf gegen Terroristen zu machen, riskiert viel.

Modern Warfare will mehr sein als das, doch um so ein Unterfangen umsetzen, benötigt man sehr, sehr viel Storytelling-Feingefühl. Die Zukunft wird zeigen, ob Modern Warfare wirklich einen neuen Story-Meilenstein erschafft. Aber bis dahin steht zumindest eine Sache fast: Call of Duty war lange nicht mehr so spannend wie 2019.

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