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Seite 4: Chat: Sind Spiele anders?

Ursache und Wirkung

Moderator: Frage zun?chst an Herrn Mertens: Wirken "Killerspiele" anders als Filme?

Mathias Mertens: Was ist mit "Wirken" gemeint?

Moderator: L?sen Computerspiele mehr Aggression aus als beispielsweise andere Medien?

Mathias Mertens: Das wei? ich nicht. Ich kann es mir nicht vorstellen. Aber genauso k?nnen andere sich nicht vorstellen, dass sie das nicht tun. Und damit sind wir bei einem Hauptproblem: Da wir es mit einer ideologischen Debatte zu tun haben, beziehungsweise einer Glaubensfrage, ist es beinahe wichtiger, sich die Interessen der beiden Parteien anzusehen, die sich zur einen oder zur anderen Seite bekennen.

Matthias Kleimann: Es kommt nicht darauf an, was "mehr Aggressionen ausl?st". In der Forschung ist inzwischen relativ unumstritten, dass die Hauptwirkungen interaktiver Mediengewalt in den Bereichen der Desensibilisierung gegen?ber realer Gewalt und der ?bernahme gewaltt?tiger Rollenbilder zu sehen ist. Dabei gilt: Auch interaktive Mediengewalt ist in erster Linie als Verst?rkungsfaktor anderer ung?nstiger Rahmenbedingungen wirksam.

Mathias Mertens: Man kann immer sehr wohlfeil darauf verweisen, dass es "in der Forschung" inzwischen unumstritten ist. Das k?nnen wir jetzt alle nicht nachvollziehen, deshalb m?ssen wir es schlucken. Ich sage jetzt mal, dass es "in der Forschung" inzwischen unumstritten ist, dass es f?r alles Beweise und Gegenbeweise gibt.

Matthias Kleimann: Wenn Mediengewalt auf einen fruchtbaren Boden beim Rezipienten trifft, ist sie unter Umst?nden ein gro?es Problem.

Moderator: Nachfrage an Herrn Kleimann: Ist es wirklich eine Glaubensfrage, wie Herr Mertens sagt?

Matthias Kleimann: Theoretisch nicht, praktisch ja. In einer perfekten Welt g?be es perfekte Forschungsmethoden mit perfekten Forschungsbedingungen. Da es beides in unserer Welt nicht gibt, ist jede Forschung zu dieser Frage kritisierbar und somit bleibt es in gewisser Hinsicht eine Glaubensfrage.

Mathias Mertens: Vor allem g?be es in dieser perfekten Forschung Menschen, die keine Menschen mehr w?ren.

Matthias Kleimann: Eben.

Moderator: Aber dann ist ja jede Forschung eine Glaubensfrage?

Matthias Kleimann: Naja...

Mathias Mertens: Ja.

Matthias Kleimann: Wenn es keine Gewissheiten gibt, muss man sich mit Behelfsl?sungen zufrieden geben, zum Beispiel mit der wissenschaftlichen Mehrheitsmeinung. Und die war es, auf die ich eben verwies.

Moderator: Wie hart sind denn dann die Forschungen des Kriminologischen Institus Niedersachsen? Die sind ja h?ufig Grundlage f?r eine Verbotsdebatte in der Politik.

Matthias Kleimann: Wir bem?hen uns um gute Forschung, aber auch unsere Studien sind methodologisch kritikw?rdig. Ich selbst k?nnte eine Reihe von Kritikpunkten nennen, bin aber dennoch davon ?berzeugt, dass unsere Schlussfolgerungen mit den empirischen Daten so gut ?bereinstimmen, dass sie der Wahrheit doch sehr nahe kommen.

Mathias Mertens: Erst einmal: Tats?chlich geht es in diesem Streit wohl um die wissenschaftliche Mehrheitsmeinung - denn die ist noch sehr flexibel. Und je nachdem, wie stark man sich am Anfang bei der Durchsetzung dieser Mehrheitsmeinung engagiert, profitiert man danach von den Strukturen, die man mit geschaffen hat. Und dass Schlussfolgerungen, die man aus empirischen Daten gezogen und unter bestimmten Vorgaben gesammelt hat, mit diesen Daten ?bereinstimmen, ?berrascht mich nicht. Das hat noch bei jeder empirischen Studie geklappt. Auch hier m?chte man die Verantwortung auf die Wahrheit schieben, die mit Naturwissenschaft gleichgesetzt wird, obwohl diese Wahrheit der Naturwissenschaft seit Anfang des 20. Jahrhunderts durch Naturwissenschaftler selbst sehr in Frage gestellt worden ist.

Niko: Ist es wahr, dass es keinen erwiesenen Zusammenhang zwischen Computerspielen - insbesondere Killerspielen - und Gewaltverbrechen gibt?

Matthias Kleimann: Nein.

Moderator: Das hei?t, es gibt einen Zusammenhang?

Matthias Kleimann: Ja. Die Frage ist: Wie gro? ist er und bei wie vielen Gewaltverbrechen tritt er auf.

Mathias Mertens: Und was ist mit den anderen Studien, die das Gegenteil mit denselben Verfahren erwiesen haben?

Matthias Kleimann: Wird kaum welche geben. Ein Zusammenhang existiert ohne Frage. Die Kernfrage ist: Ist dieser Zusammenhang kausal.

Mathias Mertens: Oder liegt es vielleicht daran, dass man, wenn man nur diese Elemente zusammentut, nat?rlich auch irgendwelche Zusammenh?nge feststellen wird, vor allem den, in den sie mit der Untersuchung gestellt worden sind.

Matthias Kleimann: Klar gibt es diese Kritik. In unseren Studien bem?hen wir uns, ein m?glichst umfassenden Bild vom Leben der Befragten zu bekommen. Aber nat?rlich mag es Dinge geben, die man in einem drei?igseitigen Fragebogen nicht erfassen kann.

Knuut: Gibt es eine Korrelation zwischen Armut, schlechter Bildung und Gewaltverbrechen bei Jugendlichen?

Mathias Mertens: Ich bin kein Sozialwissenschaftler.

Matthias Kleimann: Ja. Klar. Beides sind ?brigens Faktoren, die wir als kriminologisches Forschungsinstitut immer erfassen. Auch wenn wir ?ber Mediengewalt forschen.

xy01: K?nnte man mit der entsprechenden Fragestellung nicht fast jeden Aspekt des t?glichen Lebens mit Gewaltverbrechen in Verbindung bringen?

Matthias Kleimann: Nein, nicht jeden. Aber viele. Wenn Sie sich die verschiedenen Faktoren anschauen, die zu Gewaltverbrechen f?hren, gibt es da ein ganzes B?ndel von Einflussgr??en. Mediengewalt ist eine davon und nat?rlich bei weitem nicht die Gr??te.

Mathias Mertens: Warum sind die Statements, die ich aus dem Forschungsinstitut h?re, dann immer so eindeutig?

Matthias Kleimann: Kurze Antwort auf Herrn Mertens: Niemand aus unserem Institut redet der Monokausalit?t der Medien das Wort. W?re auch Bl?dsinn, schlie?lich ist es unsere Wissenschaft, die ganze Bandbreite der Faktoren, die zu Gewalt f?hren, zu erfassen.

Mathias Mertens: Aber das ZDF schneidet das immer so zusammen. Dann m?sste Herr Pfeiffer (Direktor des Kriminologischen Forschungsinstitutes Niedersachsen, Anm. der Redaktion) doch aufh?ren, sich jeden zweiten Tag bei denen zu ?u?ern, wenn das so verst?mmelt wird.

Matthias Kleimann: Okay, auch hierzu ganz kurz: Wenn Sie ?ber Herrn Pfeiffer reden m?chten, m?ssen Sie das mit ihm tun. Aber ich kann versuchen, das ein wenig aufzul?sen. Wenn Herr Pfeiffer oder auch ich zu Mediengewalt gefragt werden, antworten wir ?ber die Wirkungen der Mediengewalt. Dass es neben Mediengewalt eine ganze Reihe anderer Faktoren gibt, ist klar und sollte auch jedem klar sein. Wir wollen aber auch sehr klar machen, dass auch Mediengewalt nicht wirkungslos ist, wie es h?ufig dargestellt wird.

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