CoD Warzone begräbt in Season 2 viele Probleme unter neuem Content

Meinung: In Warzone tummeln sich jetzt Zombies und ein Nuklearschlag bahnt sich an. Aber was hat sich eigentlich bei den großen Baustellen getan? GameStar-Redakteur Phil sagt: Zu wenig!

von Philipp Elsner,
26.02.2021 11:59 Uhr

Untote überrennen Verdansk: In Warzone tut sich im Februar vieles - aber auch das richtige? Untote überrennen Verdansk: In Warzone tut sich im Februar vieles - aber auch das richtige?

Dass das neue Outbreak-Event jetzt buchstäblich Zombies an die Strände der Warzone-Map Verdansk spült, ist natürlich ein echter Hingucker! Zugleich öffnen sich überall auf der Karte Silos mit Atomraketen und deuten ziemlich unmissverständlich an: Bei Warzone steht ein großer Umbruch bevor.

Wird Verdansk zum Geburtstag des Spiels am 11. März 2021 wirklich gesprengt, weil die Zombiehorden nicht unter Kontrolle zu bringen waren? Wie wird die Spielwelt danach aussehen oder kommt gar eine ganz neue Warzone-Map? Doch so spannend diese offenen Fragen aktuell sind: Der Start von Season 2 fühlt sich an wie ein gigantischer Teaser.

In der Zwischenzeit wollen neue Waffen hochgelevelt, Operatoren freigeschaltet und Orte erkundet werden. Aber ist all dieser neue Content wirklich das, was Warzone jetzt dringend braucht? Ich schaue zum Start der Season 2 zurück auf unsere Bestandsaufnahme der Dinge, die bei Warzone schief laufen.

Neue Waffen: Bitte (noch) nicht

Ich will nicht undankbar klingen, aber neue Waffen braucht Warzone aktuell ganz sicher nicht - zumindest so lange, bis der Rest der Cold-War-Waffen bei einem vernünftigen Gleichgewicht angekommen ist. Was beispielsweise das übermächtige FFAR-Sturmgewehr und die Mac-10 derzeit anrichten, ist noch immer unverhältnismäßig.

Und die neuen Knarren aus Season 2 bereiten mir jetzt schon Kopfzerbrechen: Das neue FARA 83 reiht in Sachen Time to Kill unter den Top 10 ein, die CX-9 und das RAAL-Maschinengewehr machen selbst mit Spielern in voller Körperpanzerung kurzen Prozess. All das werte ich keinesfalls als gutes Zeichen für die Waffen-Balance von Warzone:

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Bevor man das Arsenal also immer weiter aufstockt, sollte man erstmal bestehende Probleme beseitigen. Denn was nützen mir gefühlte 500 Waffen, wenn zehn davon ganz klar die besten sind und ich mir mit allen anderen einen Nachteil einhandle?

Immerhin gehen die Warzone-Macher jetzt das Problem mit den fehlerhaften Waffenaufsätzen aus Cold War an und überarbeiten für Season 2 die flaschen Ingame-Beschreibungen. Trotzdem ist auch hier noch viel zu tun: Immer noch gibt es Attachments, die keinerlei Effekt haben und nur Platz wegnehmen.

So berichtet der CoD-Experte TheXclusiveAce, Handgriffe auf Cold-War-Waffen seien immer noch komplett nutzlos. Warzone muss beim Waffen-Nachschub dringend mehr auf Qualität als Quantität achten.

Anti-Cheat: Ein erster Schritt

Was Warzone statt neuer Waffen viel nötiger hat, wäre ein funktionierender Schutz vor Hackern. Denn viel zu oft haben Betrüger mir und tausenden anderen Spielern da draußen die Runde vermiest. Sogar auf YouTube und Twitch machten Videos von Cheatern ungestraft die Runde.

Hier kam bereits im Vorfeld von Season 2 endlich Bewegung in die Debatte: In einem Blogeintrag versprachen die CoD-Entwickler, man werde die Bemühungen im Kampf gegen Cheater intensivieren, die eigene Erkennungssoftware verbessern, mehr Ressourcen auf die Verfolgung von Verstößen werfen und regelmäßiger über Updates und Fortschritte mit Fans sprechen:

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Vom Tisch ist das Problem damit zwar nicht, aber ich bin froh, dass der Hersteller den Ärger der Spieler anspricht und sich zu mehr Einsatz verpflichtet. Ob wir im Verlauf von Season 2 weniger Ärger mit Cheatern haben werden, muss sich allerdings noch zeigen.

Dass viele Webseiten, die den aktuellen Status diverser CoD-Cheats ähnlich wie ein Down-Detector anzeigen, aktuell weitgehend grüne Häkchen anzeigen, stimmt mich zum Season-Launch leider nicht sonderlich optimistisch.

Technik: Die Dauerbaustelle

Inzwischen ist die Download-Größe von Warzone-Patches ja ein eigenes Meme, insofern bin ich fast positiv überrascht, "nur" knappe 20 GB an Daten herunterladen zu müssen. Dass wir uns inzwischen mit solchen Datenmengen abfinden, will mir aber immer noch nicht in den Kopf gehen. Warzone allein ist (ohne die Multiplayer-Varianten von MW oder Cold War) in Sachen Dateigröße vergleichbar mit Red Dead Redemption 2 samt Online-Modus!

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Activision selbst warnt kurioserweise jetzt PS4-Spieler vor dem enormen Speicherhunger: Das Basismodell der Konsole mit 500 GB sei inzwischen zu klein für Cold War, Modern Warfare und Warzone mit allen aktuellen Updates - man rät dazu, »nicht verwendete Spielinhalte zu löschen«.

Noch dazu hat sich die PC-Performance zumindest an meinem Setup mit dem Start von Season 2 sogar ein wenig verschlechtert - damit setzt sich der Negativ-Trend hin zu mehr FPS-Einbrüchen mit fast jedem Update seit Herbst 2020 fort.

Ich würde liebend gern ein paar Monate länger auf Map-Updates, neue Waffen oder Operator warten, wenn dafür eine gründliche Aufräumaktion im Code von Warzone für ein stabileres Gesamterlebnis sorgt.

Matchmaking: Man weiß von nichts

Nach der erdrückenden Kritik am SBMM-System in Warzone, reagierte Activision Mitte Januar auf die in meinen Augen schlechtmöglichste Art und Weise: Statt auf die Beschwerden der Fans einzugehen, schaltete man die API-Schnittstelle ab und stellte die Stats aller Spieler auf privat.

Damit waren Drittanbieterseiten wie SBMMWarzone über Nacht unbrauchbar geworden, das Problem aber nicht verschwunden. Was SBMM ist und warum die Debatte überhaupt entbrannt war, lest ihr hier:

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Inzwischen sind die Stat-Trackerseiten wieder online, an der Ausgangssituation hat sich aber leider rein gar nichts geändert: Auch in Season 2 weiß ich nicht ob ich auf Bronze- oder Platin-Niveau spiele und bemerke keinen echten Fortschritt (außer dass mit immer stärkere Gegner vorgesetzt werden).

Und mit fiesen Tricks mogeln sich Streamer und Pro-Gamer nach wie vor in Lobbys mit hoffnungslos unterlegenen Gegner. Ich hätte gehofft, dass Warzone endlich ein Rangsystem einführt und man Matchmaking-Manipulation einen Riegel vorschiebt.

Der Autor: Phil freut sich zwar über neuen Content - immerhin lebt mit Rainbow Six: Siege einer seiner absoluten Lieblings-Shooter seit inzwischen sechs Jahren von konstantem Nachschub. Die Frage ist aber: Zu welchem Preis kommt dieser neue Inhalt? Rainbow Six: Siege musste diese Frage irgendwann mit Operation Health beantworten und sämtliche DLCs, Events & Co. zugunsten einer längeren Reparaturphase zurückstellen. Warzone muss sich daran ein Beispiel nehmen. Natürlich sind die Zombies und die neuen Locations von Season 2 spannend, über den Spielspaß entscheiden aber die Grundlagen. Und das Fundament ist leider aktuell (immer noch) nicht solide genug.

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