Die Sims 4: Warum die neuen Mini-Addons die Richtung für Sims 5 vorgeben

Meinung: Die Sims 4 überrascht sieben Jahre nach Release mit einem neuen Addon-Typ für 5 Euro. Das wirkt zunächst nicht spannend - ist aber in Wahrheit eine starke Ansage von EA.

von Géraldine Hohmann,
04.03.2021 11:45 Uhr

In Die Sims 4 könnt ihr ab sofort noch mehr Geld ausgeben. Neben den Erweiterungspacks für 40 Euro, den Gameplay-Packs für 20 Euro und den Accessoires-Packs für 10 Euro gibt es auf der Website seit Dienstagabend einen neuen Reiter: die Sets. Das sind brandneue Mini-Addons für 5 Euro mit Accessoires und Möbeln zu einem bestimmten Thema. Zum Beispiel Hausputz. »Ja, und?«, denkt ihr euch jetzt wahrscheinlich.

Ist doch nett, mehr Inhalte für ein sieben Jahre altes Spiel und das für nur 5 Euro. Muss ja keiner kaufen. Aber ich glaube: Dahinter steckt noch mehr. EA bringt mit ziemlicher Sicherheit allmählich die Geschütze für Die Sims 5 in Stellung. Und diese 5-Euro-Sets verraten viel darüber, wohin die Reise geht. Hier geht es um weit mehr als nur um Hausputz.

Die Autorin
@mighty_dinomite
Redakteurin Géraldine hat jahrelang sämtliche Erweiterungen für Die Sims gesammelt. Statt Bücher stapelten sich in ihren Regalen die Hüllen zu Sims-2-Addons. Selbst vor dem legendären H&M-Accessoires-Pack hat sie keinen Halt gemacht (im Nachhinein eine ihrer weniger klugen Entscheidungen). Und obwohl sie auch in Zukunft gerne Erweiterungen für ihre Sims-Spiele kaufen wird, verzichtet sie inzwischen darauf, alles zu besitzen - denn die Addon-Politik hat sich verändert.

Was sind diese neuen Addons?

Wie es der Zufall will habe ich gemeinsam mit meinem Kollegen Dimi gerade erst eine umfangreiche Empfehlungsliste zu allen 2021 existierenden Sims-4-Addons geschrieben. Da sehe ich es natürlich als meine Pflicht als Kuhpflanzen- und Lama-Fan, auch die neuen Addons erstmal ganz nüchtern unter die Lupe zu nehmen.

Diese Sets bekommt ihr aktuell:

  • Retro Fit & Chic: Bringt 23 sportliche Kleidungsstücke und Accessoires im Stile der 90er.
  • Landhausküche: Bringt 15 Möbel und Bauoptionen für Küchen im Vintage-Stil.
  • Hausputz: Bringt 5 verschiedene Staubsauger und neue Hausputzaktivitäten für Erwachsene und Kinder.

Wer aufpasst, wird hier sofort hellhörig. Landhausküchen, Staubsauger und 90er-Jahre-Jogginghosen? EA wird ja wohl kaum extra für diese drei ziemlich willkürlich wirkenden Themen eine neue Preiskategorie eingeführt haben. Also habe ich bei EA nachgehakt: Sind die 5-Euro-Sets etwas, womit wir in Zukunft häufiger rechnen können? Ihre Antwort:

"Es ist möglich! Wir sind gespannt zu sehen, wie Spieler auf die Kits reagieren und werden von dort weitersehen. "

So nett neue Inhalte prinzipiell sein mögen - dass man bereits jetzt 800 Euro in Die Sims 4 buttern kann, um alle Inhalte zu bekommen, sorgt natürlich für einen faden Beigeschmack. Zumal Sims-Erweiterungen schon seit einer Weile an Ideenarmut leiden und häufig an den Wünschen der Community vorbeientwickelt werden (auch wenn einige Packs auf Basis von Fan-Feedback entstanden).

Statt Jahreszeiten bekamen wir Wellness, statt Autos bekamen wir Star Wars und nun gibt es eben ein Staubsauger-Set, auf das so ziemlich niemand gewartet haben dürfte. Mit kostenlosen Community-Mods kann ich mir schon seit Jahren wunderschöne Landhaus-Küchen zusammenbauen. Es gibt einfach keinen Grund, jetzt noch 5 Euro dafür auszugeben. Wieso beharrt EA also auf dieser Strategie?

Mod-Inhalte wie diese Landhausküche von kardofe gibt es bereits seit Jahren kostenlos. Mod-Inhalte wie diese Landhausküche von kardofe gibt es bereits seit Jahren kostenlos.

Die undurchsichtige Addon-Politik von Die Sims

Die Sims-Addons sind über die Jahre unglaublich undurchsichtig geworden. Im originalen Sims gab es bloß schlichte Erweiterungspacks mit massig neuen Inhalten zu einem ganz bestimmten Thema wie Urlaub, Tiere, Nachtleben oder Magie. Mit Die Sims 2 kamen dann noch die Accessoires-Packs dazu. Seit Die Sims 4 tragen auch noch Gameplay-Packs zur Verwirrung bei. Und jetzt gibt es vier Arten von Addons.

Zumal viele der Addons wirken, als hätte man sie zwanghaft in mehrere Packs aufsplitten wollen. Das Gameplay-Pack Gaumenfreuden hat sich eigentlich ganz den Themen Essen und Restaurants verschrieben - sinnvolle Einrichtungsgegenstände bekommt ihr aber nur, wenn ihr noch Coole Küchen-Accessoires dazu kauft.

Und obwohl Vampire, Hexen, Aliens und Feen in Sims 3 noch in einem einzigen Paranormal-Addon zusammengefasst wurden, müssen wir sie uns in Sims 4 mühsam in vier unterschiedlichen Addons zusammensuchen. Mit Ab ins Schneeparadies hingegen kaufe ich zwangsläufig auch Sushi und japanische Bauwerke dazu, wenn ich eigentlich nur Snowboard fahren will.

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Bekommt Die Sims 5 ein Abo?

Vor kurzem tauchte ein Stellenausschreiben auf der Karriereseite von Entwickler Maxis auf. Darin wurde ein Game Designer für die Sims-Reihe gesucht, der »sich für neue Business-Modelle wie Abo-Services und Cross-Plattform-Spiele begeistert.« Und der Weg Richtung Sims-Abo wird meiner Meinung nach bereits seit Jahren geebnet.

Je unübersichtlicher und kleinteiliger Sims-Addons werden, je schwerer es wird, alles zu einem bestimmten Thema zu besitzen und je weniger es sich lohnt, alle Addons zu kaufen - desto mehr lohnt sich für Sims-Fans ein monatliches Abo, das euch alle Erweiterungen zur Verfügung stellt.

Die Sims 4: Ankündigungs-Trailer zu den Sets-DLCs 0:57 Die Sims 4: Ankündigungs-Trailer zu den Sets-DLCs

Es ist leicht, ein Abomodell für ein Vollpreisspiel schon vorab zu verteufeln - und auch ich sehne mich manchmal zu den einfacheren Zeiten von Die Sims 1 zurück, als ich mir von meinem Taschengeld alle sieben (nicht 37 wie heute) Erweiterungen kaufen konnte. Aber umgekehrt darf man eben nicht vergessen, dass Die Sims eine Simulation ist. Und das Simulationsgenre lebt von Kleinteiligkeit.

Für alle DLCs des Train Simulator 2020 etwa müsste man 8.000 Euro blechen. Deswegen bieten einige von ihnen ein Abomodell an - zuletzt Entwickler Paradox mit Crusader Kings 2.

Fazit: Sind die 5-Euro-Addons Fluch oder Segen?

Die Idee, separate Mechaniken und Mini-Sets zu kaufen, muss nicht schlecht sein. Wenn es sich dabei aber um fünf Staubsauger für 5 Euro oder 90er-Jahre-Jogginghosen handelt, überspannt EA in meinen Augen den Bogen. Zumal es zig schönere und kostenlose Modelle in den endlosen Mod-Katalogen gibt.

Umso ironischer, dass diese Addon-Überflutung wiederum zu einem vielversprechenden neuen Modell führen könnte: einem Abo-Service. Ganz ähnlich läuft es gerade beispielsweise bei Microsofts Games with Gold. Das alte Modell wird durch immer lahmere kostenlose Spiele und problematische Preiserhöhungen so unsexy gemacht, dass die Leute quasi zum Game Pass wechseln müssen - der Game Pass ist aber wiederum ein echt gutes Angebot.

Genauso kann ein Abo-Modell meiner Meinung nach sogar der richtige Schritt für die Sims-Reihe sein - allerdings nur, wenn es fair ist. Dazu gehört, dass wir nicht in ein Abo gezwungen werden, weil der Kauf einzelner DLCs immer unerschwinglicher und komplizierter wird. Die aktuelle Addon-Überflutung von Die Sims 4 ist kein schöner Weg dorthin.

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