Es ist passiert: Distant Worlds hat Micha von Stellaris weggelockt

Michael Graf mag Stellaris, doch nun spielt er seit Tagen fasziniert Distant Worlds. Würde er das Spiel weiterempfehlen? Bei Palpatines Kutte, nein!

von Michael Graf,
13.03.2021 05:00 Uhr

Da grinst er, der Micha: Distant Worlds ist tatsächlich schuld daran, dass er Stellaris beiseite gelegt hat. Da grinst er, der Micha: Distant Worlds ist tatsächlich schuld daran, dass er Stellaris beiseite gelegt hat.

Ich gestehe, manchmal bin ich so flexibel wie ein Vogone. Ihr wisst schon, diese Erzbürokraten aus »Per Anhalter durch die Galaxis«, die erst Formulare in siebenfacher Ausfertigung ausfüllen und beglaubigen, stempeln und (nach normgerechter Lochung) abheften müssen, bevor sie einander »Guten Morgen« wünschen (wobei es bis dahin schon wieder Abend ist, und zwar vier Wochen später).

Seitdem ich mal beiläufig erwähnt habe, dass ich Weltraum-Strategiespiele wie Stellaris und Master of Orion 2 mag, habt auch ihr in mehrfacher Ausfertigung Formulare ausgefüllt - nämlich das Kommentar- und Nachrichtenformular auf GameStar.de -, um mich auf Distant Worlds: Universe hinzuweisen. Hey, Micha, probier das doch mal aus! Es gefällt dir bestimmt!

Seit Jahren geht das so. Doch ich vogonisierte vor mich hin und sah mich zu keiner Aktion veranlasst. Einerseits, weil eure Kommentare nicht ordnungsgemäß gestempelt und beglaubigt waren (ihr müsst euch dafür nicht entschuldigen, sowas passiert uns allen mal), andererseits hatte ich ja Stellaris.

Bis Slitherine im Januar Distant Worlds 2 ankündigte und mir eure unbeglaubigten und ungestempelten Kommentare wieder einfielen. Distant Worlds, damit muss ich mich jetzt endlich mal beschäftigen!

Also füllte ich die entsprechenden Formulare aus, damit Heiko mir erlaubt, es zu spielen, und hier sind wir nun endlich: Seit einer Woche spiele ich nichts anderes mehr als Distant Words: Universe, es hat mich sogar von Stellaris weggelockt. Von Stellaris!

Wobei »spielen« schon das falsche Wort ist.

Denn die Stärke von Distant Worlds besteht darin, dass es sich selbst spielt, bis ich die Schnauze voll habe.

Der Autor
Michael Graf hat sich 1996 unsterblich verliebt. In Master of Orion 2 natürlich, das Eichmaß der interstellaren Globalstrategie. 20 Jahre lang mussten sich für Micha alle anderen Weltraumreich-Simulatoren an diesem Klassiker messen, und 20 Jahre lang scheiterten sie daran. Bis 2016 Stellaris erschien und eine neue Liebe erblühte. Von Anfang an faszinierte Micha am Genre etwas, das nun auch Distant World zugutekommt: Aus pixeligen Schiffchen und Planeten formen sich vor seinem inneren Auge lebendige Universen voller Geschichten.

Das Spiel der 1.000 Hürden

Ja, Distant Worlds: Universe spielt sich von alleine. Das wäre normalerweise ein Todesurteil für ein Spiel, weil es mich zum Zuschauen verdammt, und Zuschauen macht nur Spaß bei etwas, auf das ich selbst keine Lust habe (zum Beispiel schaue ich gerne Kollegen dabei zu, wie sie arbeiten). Aber ich habe ja Lust darauf, ein interstellares Imperium zu regieren! Warum sollte ich mir anschauen wollen, wie der Computer das für mich macht?

Weil Distant Worlds anfangs absolut undurchschaubar ist, um nicht zu sagen: abschreckend. Nicht mal wegen der Grafik, die - selbst mit Graphics Enhancement Mod - aussieht wie von 1993, wohlgemerkt in einem Spiel, das 2010 erschienen ist. Aber Grafik, auch das wissen wir alle, ist nicht entscheidend. Dwarf Fortress destilliert die besten Geschichten des Strategiegenres aus simplen ASCII-Zeichen, da werde ich Distant Worlds doch nicht seinen, ähem, Retro-Look vorwerfen.

Der Weltraum, unendlich kleine Font. Distant Worlds enthält einige Storystränge, in 4K ist die Schrift aber kaum zu erkennen. Der Weltraum, unendlich kleine Font. Distant Worlds enthält einige Storystränge, in 4K ist die Schrift aber kaum zu erkennen.

Viel schwerer wiegt das abgründige Menüdesign, das schon damit anfängt, dass ich auf meinem 4K-Monitor mit der Nase am Bildschirm kleben muss, weil Distant Worlds zwar die Desktop-Auflösung übernimmt, die Menüs in 4K aber nicht ausreichend skaliert, um darin als leicht kurzsichtiger Mensch irgendwas entziffern zu können. Okay, stelle ich meinen den Desktop eben auf 1920x1080 um.

Das Diplomatiemenü zieht farblich alle Register. Das Diplomatiemenü zieht farblich alle Register.

Das macht die Menüs lesbar, aber nicht überall. Alleine die Farbgebung! Versucht ihr mal, zehn Pixel hohe weiße (!) Schrift vor einem hellen Milchstraßen-Bild zu entziffern. Oder rote Schrift auf grünem Grund, da bekomme ich schon beim Drandenken Kopfweh. Noch »besser«: dunkelbraune Buchstaben auf Hellbraun! Wird Distant Worlds von Guerilla-Optikern entwickelt, die aus meiner Verweildauer in unleserlichen Bildschirmen ableiten, welche Lesehilfe ich brauche, um dann vor meiner Wohnung aus dem Gebüsch zu springen und mir die perfekte Brille ins Gesicht zu pressen?