Far Cry 6 muss unbedingt wieder mehr Far Cry werden

Meinung: Ein Shooter mit Rollenspiel-Elementen? Davon gibt es laut Vali genug. Für Far Cry 6 wünscht er sich die Rückkehr zu alten Stärken und eine Abgrenzung von Assassin’s Creed.

von Vali Aschenbrenner,
16.07.2020 11:05 Uhr

Far Cry 6 erscheint schon nächstes Jahr für PC, PS5 und Xbox One - und beschert uns damit endlich mal wieder einen Singleplayer-Shooter in der Open World. Far Cry 6 erscheint schon nächstes Jahr für PC, PS5 und Xbox One - und beschert uns damit endlich mal wieder einen Singleplayer-Shooter in der Open World.

Far Cry muss wieder mehr Far Cry werden. Wie das aussieht? Darauf gibt's eigentlich eine recht simple Antwort: Für den erst kürzlich angekündigten sechsten Teil der Reihe mit Breaking-Bad-Baddy Giancarlo Esposito wünsche ich mir die Rückkehr zu alten Stärken und eine Abgrenzung von anderen Ubisoft-Titeln. Allen voran: von Assassin's Creed und The Division.

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Müsste sich Vali zwischen einem Multiplayer- und Singleplayer-Shooter entscheiden, würde er sich im Zweifel immer zu Letzterem entscheiden. Vielleicht liegt es an seiner Angst, neue Leute zu treffen (haha, Wortwitz). Vielleicht liegt es aber auch einfach nur daran, nach Feierabend eine gut geschriebene Geschichte in seinem eigenen Tempo erleben zu wollen - ohne Stress durch Loot- und Level-Zwang.

New Dawn als Schritt in die falsche Richtung

Ubisoft hat ein kleines Trendsetter-Problem. Alle paar Jahre entdecken sie ein neues Feature für sich, das im Anschluss nicht nur sie selbst, sondern auch zig andere Studios zu Tode reiten. Das Paradebeispiel dafür: Die berühmt-berüchtigten Ubisoft-Türme.

Von Assassin's Creed populär gemacht, tauchten die nach 2007 in beinahe jedem Titel des Entwicklers auf - unter anderem natürlich Far Cry, Watch Dogs oder sogar The Legend of Zelda: Breath of the Wild. Das ging sogar soweit, dass sich der Creative Director des ersten Assassin's Creed Patrice Désilet für seine Schöpfung offiziell entschuldigt.

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Aktuell scheint Ubisoft Gefallen an leichten RPG-Anleihen gefunden zu haben - wie sie natürlich in The Division, aber auch Assassin's Creed Origins und Odyssey zu finden sind. Selbst Far Cry blieb davon nicht verschont: Im Spin-off zu Teil Fünf New Dawn prangten plötzlich Lebensbalken und Levelanzeigen über den Köpfen der Gegner.

Klar, in Far Cry gab es spätestens seit Teil 3 Rollenspiel-ähnliche Skilltrees, die ich in Teil 6 keineswegs missen möchte. Denn die ergeben im Kontext der Spiele ja allemal Sinn: Dass sich beispielsweise Jason Brody oder Ajay Ghale während ihrer Feldzüge gegen Vaas Montenegro beziehungsweise Pagan Min mehr und mehr zu einer Ein-Mann-Armee mausern, ist essenzieller Bestandteil ihrer Story und Charakterentwicklung.

Bösewicht Vaas hat Protagonist Jason Brody in Far Cry 3 ans Limit getrieben - der lernte dadurch schnieke Messerwerf-Skills, die nicht nur im Dschungel nützlich sein können. Bösewicht Vaas hat Protagonist Jason Brody in Far Cry 3 ans Limit getrieben - der lernte dadurch schnieke Messerwerf-Skills, die nicht nur im Dschungel nützlich sein können.

Beutejagd statt Dschungelsafari

Doch mit New Dawn wurde Far Cry eine Einschränkung aufgezwungen, auf die Far Cry 6 dringend verzichten muss: Vorbei waren die Zeiten, in der ich mit meiner Lieblingsknarre im Anschlag durch den Dschungel pirschen und damit komplette Camps im Alleingang säubern konnte. Der ausschlaggebende Grund dafür: Das Level meiner Waffe ist zu schlecht, das meiner Gegner zu hoch.

Stattdessen treiben mich in New Dawn - wie schon in Assassin's Creed: Odyssey - auf einmal Zahlen voran der Grinden von Erfahrungspunkten und die Suche nach Loot. Ein Kritikpunkt, der schon Ghost Recon: Breakpoint (unter anderem) das Genick brach.

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Doch Vorsicht: Damit möchte ich keineswegs sagen, New Dawn sei kein gelungenes Spin-off geworden oder ich hätte keinen Spaß damit gehabt. Immerhin spielten Level von Gegnern und Waffen eine Rolle, bei weitem aber keine so große wie in den modernen Assassin's Creed-Spielen.

Trotzdem beunruhigt mich die Richtung, in die Far Cry treibt: Während in vorangegangenen Teilen der Shooter-Reihe noch das Gesetz des Dschungels herrscht, gehorcht das Spin-off auf einmal denen der Mathematik.

Was Far Cry 6 besser als New Dawn machen muss

Auf was Far Cry 6 also definitiv verzichten sollte: Gegner und Tiere mit Lebensbalken über der Rübe sowie Waffen, die einem bestimmten Level unterliegen. Gegner und Tiere dürfen nicht länger zu Bullet Sponges mutieren, die alleine aufgrund ihrer Zähigkeit zur Gefahr werden. Denn dafür könnte ich auch The Division spielen oder in Far-Cry-Spielen neben New Dawn mit einer Luftpistole in die Schlacht ziehen.

Stattdessen will ich wieder über die spielerische Freiheit verfügen, die mir bereits vorangegangene Teile der Reihe zugestanden haben: Selbst in Far Cry 1 - das noch nicht mal über eine Open World verfügte - konnte ich mit der Ausrüstung oder dem Vorgehen, das selbst bevorzugte, das komplette Spiel durchspielen. Und das ganz ohne RPG-Anleihen, an denen Ubisoft in den letzten Jahren gefallen gefunden hat.

Ubisoft hat doch bereits mit The Division 1 und 2 seine eigene Loot-Shooter-Reihe, die sich an Rollenspiel-Elementen orientiert. Far Cry muss nicht im selben Teich fischen, sondern sollte seiner eigenen Identität treu bleiben und eine starke Shooter-Erfahrung für Singleplayer-Fans bieten, die sich mal eine Auszeit vom Multiplayer-Getümmel eines Call of Duty: Warzone oder Rainbow Six Siege gönnen wollen.

Lebensbalken, Schadenswerte, Levelanzeigen - auf solche Aspekte würde Vali gerne in Far Cry 6 verzichten. Lebensbalken, Schadenswerte, Levelanzeigen - auf solche Aspekte würde Vali gerne in Far Cry 6 verzichten.

Auf den Stärken aufbauen, den Ballast kicken

Natürlich darf eine langlebige Videospielreihe wie Far Cry nicht stagnieren, muss Mut zur Innovation zeigen. Wenn wir aber bereits so unterschiedliche und eigenständige Marken wie Assassin's Creed, Watch Dogs und Far Cry haben, sollten die sich aber auch deutlich voneinander abgrenzen und nicht nur mehr vom Gleichen bieten.

Vor allem, da Open-World-Shooter mit einem Fokus auf eine für sich allein stehende Singleplayer-Kampagne heutzutage ohnehin genauso selten sind wie die Tiere, auf die wir in Far Cry Jagd machen. Es ist also umso wichtiger, dass sich Far Cry seine eigene Identität bewahrt und dort nachlegt, wo die Konkurrenz nicht geschlafen hat.

Konkret bedeutet das: Far Cry 6 muss in puncto Waffen-Handling, Gunplay und Treffer-Feedback nachziehen, um mit anderen Ego-Shootern wie Destiny 2, Call of Duty: Modern Warfare oder Battlefield mithalten zu können. Schmeißt dafür RPG-Anleihen, XP-Grind und die Jagd nach Loot über Bord!

Die Konkurrenz schläft nicht: Die Battle-Royale-Auskopplung Warzone von Call of Duty: Modern Warfare ist ein voller Erfolg. Sollte damit Far Cry ebenfalls auf Battle Royale setzen? Natürlich nicht. Die Konkurrenz schläft nicht: Die Battle-Royale-Auskopplung Warzone von Call of Duty: Modern Warfare ist ein voller Erfolg. Sollte damit Far Cry ebenfalls auf Battle Royale setzen? Natürlich nicht.

Wie stehen die Chancen?

Dass Ubisoft meinen Wunsch für Far Cry 6 erhört, ist nicht unwahrscheinlich. Nach dem Breakpoint-Debakel wurde der Loot-Kram per Patch aus Ghost Recon entfernt. Und die Kritik an Assassin's Creed Odyssey führte ebenfalls dazu, dass in Valhalla der Zwang zu besserer Ausrüstung abgeschwächt wird.

Wie schon bei den Türmen hat Ubisoft diese Aspekte in den letzten paar Spielen des Entwicklers zu stark ausgereizt. Entsprechend gut stehen die Chancen, dass Far Cry 6 tatsächlich wieder ein klassisches Far Cry werden könnte und das Experiment New Dawn in Vergessenheit gerät.

Viele Fans wollen von Ubisoft derzeit sehen, dass sie ihren eigenen Markenidentitäten die Treue halten - und das würde Far Cry 6 sehr, sehr gut tun.

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