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Hakenkreuze erlaubt: Werden Nazis in Spielen gesellschaftsfähig? #entwicklungsland

Bis zum 8. August 2018 absolutes No-Go in Deutschland, tags darauf okay: Hakenkreuze in Computerspielen – mittlerweile sogar in Wolfenstein-Shootern. Muss man das eigentlich gut finden?

von Petra Fröhlich,
15.07.2019 08:00 Uhr

Petra Fröhlich kommentiert in ihrer Kolumnenserie #entwicklungsland den Zustand der deutschen Spielebranche, exklusiv bei GameStar Plus. Die USK-Entscheidung, Wolfenstein-Spiele mit Hakenkreuzen zu erlauben, stößt bei ihr auf Unverständnis. Petra Fröhlich kommentiert in ihrer Kolumnenserie #entwicklungsland den Zustand der deutschen Spielebranche, exklusiv bei GameStar Plus. Die USK-Entscheidung, Wolfenstein-Spiele mit Hakenkreuzen zu erlauben, stößt bei ihr auf Unverständnis.

In wenigen Wochen jährt sich ein Jahrestag, an dem das bis dahin Unvorstellbare Realität wurde: Seit dem 9. August 2018 nimmt die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle auch Spiele an, die verfassungsfeindliche Symbole zeigen - also in erster Linie Hakenkreuze, SS-Runen, Hitler-Abbildungen sowie Nazi-Parolen und -Gesten.

Zuvor war genau das in den Statuten der USK ausdrücklich ausgeschlossen: Wer ein PC- oder Konsolen-Spiel zur Prüfung einreichte, musste per Unterschrift zusichern, dass das Werk »sauber« ist. Im Einzelfall ging es um zweistellige Millionen-Umsätze: Spiele ohne USK-Freigabe werden von MediaMarkt, Saturn, Amazon oder Steam nun mal nicht ins (virtuelle) Schaufenster gestellt.

Die Folge: Spielehersteller mussten ihre Spiele aufwändig und mit großer Sorgfalt durchkärchern oder gar zwei Versionen parallel entwickeln - eine ohne Hakenkreuze (für Deutschland plus zwei, drei andere Länder), eine mit Hakenkreuzen (Rest der Welt). Mit dem Thema ist nicht zu spaßen: Wer in Deutschland »Propagandamittel verfassungswidriger Organisationen« verbreitet, dem drohen bis zu drei Jahre Knast oder empfindliche Geldbußen.

Die Autorin
Petra Fröhlich (45) war über 22 Jahre durchgehend Bestandteil der Redaktion von PC Games - von 2000 bis 2014 im Amt der Chefredakteurin. Im Juli 2016 startete sie das Nachrichtenmagazin GamesWirtschaft.de, inzwischen eines der führenden deutschsprachigen B2B-Angebote mit Schwerpunkt Computerspiele. Für GameStar Plus schreibt sie in ihrer Kolumnenserie #entwicklungsland regelmäßig über Wohl und Wehe der deutschen und internationalen Spielebranche.

Bethesda-Kritiker holen die Nazi-Keule raus

Dass es überhaupt zur USK-Neuregelung kam, lag nicht zuletzt an Spielen wie Wolfenstein 2: The New Colossus. Vorausgegangen war nämlich eine heftige Debatte um Zensur und Grundrechte, die weit über die Spielepresse hinausstrahlte und auch in Tageszeitungen oder auf SPIEGEL ONLINE verhandelt wurde.

Grund: Der »deutsche« Wolfenstein-Hitler verlor nicht nur sein Schnäuzbärtchen und bekam mit »Herr Heiler« eine neue Identität, auch die Story wurde umgeschrieben. Verweise auf die jüdische Biografie des Hauptdarstellers und auf »Vernichtungslager« verschwanden.

Der schlimme Vorwurf an Hersteller Bethesda: Dadurch werde das Dritte Reich verharmlost und bagatellisiert - mein Kolumnisten-Kollege Christian Schiffer sprach von einem »echten Skandal«, weil deutsche Geschichte kurzerhand »entsorgt« werde. Die WELT verstieg sich sogar zu der These, das Spiel leugne den Holocaust.

Podcast zur Wolfenstein-Zensur: Darf man den Holocaust ausklammern?

Freunde, mal halblang: Wir reden hier immer noch von einem Computerspiel, bei dem man mit Waffen wie dem »LaserKraftWerk« gegen Panzerhunde und Kampfroboter zu Felde zieht - nicht von einer Guido-Knopp-Doku im Zweiten Weltkrieg.

Laserwaffen und Panzerhunde: Wolfenstein ist kein historisch korrektes Spiel. Laserwaffen und Panzerhunde: Wolfenstein ist kein historisch korrektes Spiel.

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