Lego Star Wars Skywalker Saga: Crunch-Enthüllung überschattet Release-Bekanntgabe

Zur Lego Star Wars Skywalker Saga gibt es endlich einen Release und neues Gameplay - aber auch Vorwürfe von Crunch und Sexismus innerhalb des Studios TT Games.

von Vali Aschenbrenner,
21.01.2022 14:39 Uhr

Zu Entwickler TT Games unter Publisher Warner Bros. gibt es aktuell beunruhigende Meldungen. Zu Entwickler TT Games unter Publisher Warner Bros. gibt es aktuell beunruhigende Meldungen.

Lego Star Wars: The Skywalker Saga ist seit bereits drei Jahren in Entwicklung und nähert sich jetzt endlich seinem Release: dem 5. April 2022. Doch die Bekanntgabe und Enthüllung neues Gameplays wird von einem Bericht seitens Polygon überschattet, in dem Crunch und Sexismus innerhalb des Studios TT Games beschrieben wird.

Wir liefern euch euch einen Überblick zu den Vorwürfen, die kurz nach der Bekanntgabe des Release-Termins und der Vorstellung eines ausgiebigen Gameplay-Trailers aufkamen.

Die wichtigsten Vorwürfe

Für den umfangreichen Bericht der Zustände innerhalb TT Games hat Polygon über 30 verschiedene Mitarbeiter befragt, die bei dem Entwicklerstudio angestellt waren oder noch immer dort arbeiten. Laut Polygon entschlossen sich alle Befragten dazu, anonym zu bleiben, um gegen keine Verschwiegenheitsverpflichtungen zu verstoßen oder negative Konsequenzen erfahren zu müssen.

Crunch als fester Bestandteil des Arbeitsalltags

Alltags-Crunch: Aus dem Polygon-Bericht geht hervor, dass Überstunden beziehungsweise Crunch seit mindestens zehn Jahren fest in den Arbeitsalltag von TT Games verankert seien. Das bedeutet konkret, dass Mitarbeiter nicht nur in Ausnahmefällen länger und härter schuften müssen, sondern dies regelmäßig stattfand und teilweise sogar fest eingeplant sei.

Lego Star Wars: The Skywalker Saga soll lustig und familienfreundlich werden, ist aber offenbar unter alles anderen als lustigen Bedingungen entstanden. 6:12 Lego Star Wars: The Skywalker Saga soll lustig und familienfreundlich werden, ist aber offenbar unter alles anderen als lustigen Bedingungen entstanden.

Den Aussagen der befragten Mitarbeiter zufolge kam es in den schlimmsten Crunch-Wochen regelmäßig zu 80 bis 100 Stunden-Wochen. Exzessives Arbeiten und Überstunden wurden von der Führungsetage außerdem nicht nur als Selbstverständlichkeit angesehen, Angestellte wurden laut dem Polygon-Bericht sogar dazu genötigt. 

Überstunden als Selbstverständlichkeit: Ein Entwickler bezeichnete das Vorgehen der Vorgesetzten als leise ausgesprochene Erpressung. So soll es unter anderem vorgekommen sein, dass Angestellte von ihren Chefs angeschrien wurden, wenn sie pünktlich in den Feierabend zu gehen versuchten. Ansonsten ist noch von nicht weiter spezifiziertem Mobbing innerhalb von TT Games die Rede.

Sexismus und mangelnde Gleichberechtigung

Ungleiche Bezahlung: Im Bericht von Polygon wird auch ein Sexismus-Problem bei TT Games angesprochen. Weibliche Angestellte sollen nicht nur wesentlich schlechter bezahlt werden, als ihre männlichen Kollegen, es ist euch hier von zusätzlichem Mobbing die Rede.

Benachteiligung und Mobbing: Konkrete Vorfälle werden nicht genannt. Stattdessen ist von Beispielen wie zurückgehaltenen Beförderungen oder vertraglichen Abmachungen die Rede, während Frauen Kommentaren bezüglich ihres äußeren Erscheinungsbilds ausgesetzt wurden.

Mehr zum Thema Sexismus in der Spielebranche und was sich dringend ändern muss, erfahrt ihr in unserer ausführlichen Plus-Reportage zu dem Thema:

Was wir tun können und was sich ändern muss   58     31

Sexismus in der Spielebranche

Was wir tun können und was sich ändern muss

Entwicklungs-Probleme bei Lego Skywalker Saga

Zahlreiche der angesprochenen Probleme sollen sich direkt auf die Entwicklung von Lego Star Wars: The Skywalker Saga ausgewirkt beziehungsweise sich währenddessen verschlimmert haben. Crunch und Überstunden zählten auch während der insgesamt fünfjährigen Arbeit an dem Spiel zum Alltag.

NTT statt Unreal Engine: Besonders gravierend wirkte sich aber noch eine bestimmte Entscheidung der Führungsebene aus: Statt für das Spiel auf die Unreal Engine zu setzen, mit der zahlreiche Mitarbeiter bereits vertraut waren, bevorzugte man eine eigene Engine namens NTT, um so Lizenzkosten zu sparen. Entwickler äußerten bereits zuvor ihre Bedenken, da die eigene Engine für ihre Instabilität und Fehleranfälligkeit berüchtigt war.

Diese Entscheidung sorgte für zahlreiche interne Verschiebungen, teilweise fiel die Arbeit mehrerer Stunden regelmäßigen Abstürzen zum Opfer. Zusätzlich kam erschwerend hinzu, dass die Vorgesetzten oft immer neue Ideen in der bereits laufenden Entwicklung umgesetzt haben wollten - nur um diese später wieder abzuändern oder sogar völlig zu verwerfen.

Verschiebungen und Mitarbeiter-Verschleiß: Trotz des langen Entwicklungszeitraums sorgten die internen Probleme bei TT Games für insgesamt drei Verschiebungen des Release-Termins von Lego Star Wars: The Skywalker Saga. In den letzten zwölf Monaten verließen außerdem über 40 Angestellte das Unternehmen - was zehn Prozent der 400-Mitarbeiter-starken Firma ausmacht.

Wir haben dem Thema Crunch bereits eine umfangreiche Reportage bei GameStar-Plus gewidmet:

Unser schwierigster Report zu einem unsichtbaren Problem   49     26

Crunch bei Spielen

Unser schwierigster Report zu einem unsichtbaren Problem

Ist Besserung bereits in Sicht?

Dem Bericht von Polygon lässt sich übrigens ebenfalls entnehmen, dass Besserung für die Zustände von TT Games mittlerweile vielleicht sogar absehbar ist. Die Probleme während der Entwicklung von Lego Star Wars Skywalkers Saga sollen diverse Krisenmeetings nach sich gezogen haben. 

Mehrere Mitglieder der Führungsetage haben TT Games mittlerweile entlassen, es soll bessere Bezahlung, eine Überstundenbegrenzung und Arbeitsausgleichsregelung geben. Außerdem verabschiedet man sich für das nächste Projekt nun von der intern verhassten NTT-Engine und setzt jetzt tatsächlich auf die Unreal Engine.

Inwiefern das aber wirklich zu einer Besserung der Zustände bei TT Games führt, muss sich aber erst zeigen.

Wir haben selbstverständlich beim Publisher Warner Bros. Games ein Statement angefragt. Das Unternehmen äußert sich jedoch nicht zu den Vorgängen rund um TT Games.

Deutsche Entwickler über Crunch: Wir haben übrigens auch deutsche Spieleentwickler zu dem Thema befragt und ihre Meinungen eingeholt. In dem folgenden Plus-Video klären Entwickler hinter Spielen wie The Surge 2 und Fantasy General 2, wie es überhaupt dazu kommt:

Wieso kommt es immer wieder zu Crunch? - Deutsche Entwickler über den Stress in der Endphase PLUS 22:28 Wieso kommt es immer wieder zu Crunch? - Deutsche Entwickler über den Stress in der Endphase

Welche Konsequenz könnte das nach sich ziehen?

Aktuell bleibt offen, was für Konsequenzen die Enthüllungen des Polygon-Berichts nach sich ziehen. Es ist aber nicht auszuschließen, dass TT Games Probleme beispielsweise mit Lego selbst bekommen könnte. So wurden erst kürzlich im Anbetracht der Sexismus-Skandale um Activision-Blizzard angekündigte Overwatch-Sets auf Eis gelegt. Lego prüfe außerdem gemäß eigener Aussage die Partnerschaft mit Activision-Blizzard im Anbetracht der aktuellen Vorwürfe.

Lego-Lizenz in Gefahr? Um sich von den Zuständen und Vorwürfen gegenüber der internen Abläufe bei TT Games zu distanzieren, wäre eine vergleichbare Maßnahme seitens Lego nicht auszuschließen. Ob es die Lego-Lizenz bei TT Games damit wirklich auf der Kippe steht, muss sich aber erst zeigen.

Welche Konsequenz zieht GameStar? Wie Chefredakteur Heiko Klinge bereits in seiner Kolumne zum Sexismus-Skandal bei Blizzard ankündigte, weisen wir seitdem in unseren Testartikeln auf problematische Ereignisse im Zuge der Entwicklung explizit hin. Wir verzichten aber nach wie vor auf Abwertungen oder gar einen Boykott, weil darunter auch diejenigen leiden würden, die von solchen Vorfällen betroffen sind.

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