Microsoft verspricht nach Übernahme: Wir lassen die Skyrim-Macher in Ruhe

Wird durch die Microsoft-Übernahme von Bethesda bei The Elder Scrolls, Fallout & Co. jetzt alles anders? Xbox-Chef Phil Spencer will beruhigen.

von Vali Aschenbrenner,
23.09.2020 16:15 Uhr

Bei Bethesda und Zenimax bleibt trotz Microsoft-Übernahme alles erstmal so, wie es ist. Bei Bethesda und Zenimax bleibt trotz Microsoft-Übernahme alles erstmal so, wie es ist.

Stolze 7,5 Milliarden US-Dollar hat Microsoft auf den Tisch gelegt, um sich den Publisher Zenimax und damit das Entwicklerstudio Bethesda einzuverleiben.

Diese gravierende Entwicklung wird die Videospiellandschaft zweifelsohne prägen - zum Beispiel in Sachen Konsolen-Exklusivität oder Xbox Game Pass, worüber euch bereits GameStar-Redakteurin Kollegin Elena in ihrem ausführlichen Bericht aufgeklärt hat.

Bethesda macht weiter sein Bethesda-Ding

Bei Spielern kann so ein großer Deal Sorgen und Fragen aufwerfen. Wie wirkt sich das auf die Spieleenwicklung aus? Wird Microsoft sich jetzt zum Beispiel The Elder Scrolls 6 unter den Nagel reißen und komplett umkrempeln, bis von Bethesdas Konzept nichts mehr übrig ist?

Müssen Fans um die Identität beliebter Marken wie Doom bangen, das seit Jahren die unverkennbare Shooter-Handschrift von id Software trägt? Werden Studios umgebaut, womöglich Entwickler entlassen?

Derartigen Ängsten nimmt nun Xbox-Chef Phil Spencer höchstpersönlich im Gespräch mit CNET Wind aus den Segeln. Ihm zufolge wird Microsoft Bethesda (beziehungsweise der Mutterfirma Zenimax) zumindest aktuell nicht dazwischenfunken. Konkret erklärt er:

"Unser Plan ist aktuell, [Zenimax und Bethesda] in Ruhe zu lassen. Zenimax hat ein beeindruckendes Portfolio vorzuweisen, was die Entwicklung großartiger Videospiele angeht. Unser Ziel ist es, Zenimax zum bestmöglichen Zenimax zu machen, das es nur geben kann: Selbstständig mit seinen eigenen Studios auf der Plattform zu arbeiten, die wir ihnen zur Verfügung stellen und das Feedback ihrer Entwickler zu bekommen, was wir für sie leisten können."

Spencer fügt hinzu, dass die Entwicklerstudios unter Zenimax (also Arkane, id, Machine Games und Co.) nach dem Kauf »semi-unabhängig agieren« und die Arbeitskulturen dieser Teams erhalten werden sollen, zumindest vorerst. Die Message: Die Bethesda-Studios bleiben Bethesda-Studios und werden mit der Übernahme nicht automatisch zu Microsoft-Studios.

Inwiefern The Elder Scrolls 6 außerdem von Microsofts Übernahme von Bethesda beziehungsweise Zenimax profitieren kann, verrät euch unser Peter darüber hinaus ebenfalls im Zuge seiner ausführlichen Plus-Kolumne:

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Das bedeutet übrigens auch, dass beispielsweise die noch vor der Übernahme abgeschlossenen Sony Deals bezüglich Deathloop oder Ghostwire: Tokyo wirksam sind: Beide Bethesda-Titel sind für einen bestimmten Zeitraum auf exklusiv für PlayStation 5 und PC verfügbar und damit Besitzern der Xbox Series X vorenthalten.

Gewöhnlich, Ausnahme oder PR-Blabla?

Übrigens: Bei Phil Spencers Plänen, Bethesda & Co. »semi-unabhängig« weitermachen zu lassen, handelt es sich keineswegs um eine ungewöhnliche Maßnahme im Zuge von Firmenübernahmen.

Immerhin ist Zenimax Media ein völlig gesundes und rentables Unternehmen. Die Übernahme war schließlich keineswegs eine Rettungsaktion vor der Insolvenz, die normalerweise große Umstrukturierungen nach sich ziehen.

Nach dem Motto »repariere nichts, was nicht kaputt ist«, macht es für Microsoft allemal Sinn, Zenimax und Bethesda erst einmal so agieren zu lassen, wie bisher - solange die Entwicklerstudios qualitative Arbeit abliefert, die den entsprechenden Gewinn abwirft.

Eine ähnliche Übernahme-Strategie fuhr bereits Electronic Arts in den 90er-Jahren mit großem Erfolg, wie ihr in unserer ausführlichen Reportage nachlesen könnt:

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Floskeln, die beruhigen sollen

Aber klar ist auch: Solche Statements von großen Firmen sollen in erster Linie die wogen glätten. Denn natürlich möchte Microsoft keine Granate ins Wespennest werfen und kommunizieren, dass jetzt bei Bethesda alles anders und The Elder Scrolls 6 ein Service-Game voller Mikrotransaktionen wird - um ein rein hypothetisches Beispiel zu nennen.

Damit würde man lediglich dem eigenen Image schaden, Fans auf die Barrikade bringen und sich im schlimmsten Fall zahlende Kunden vergraulen. Mit entsprechender Vorsicht solltet ihr also Phil Spencers Statement ebenso genießen. Denn mit der Zeit können sich auch Strategien und Maßnahmen verändern - wie es eben schon bei EA und dem Umgang mit eingekauften Studios der Fall war.

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