Über 10 Jahre ist es her, dass ich zum letzten Mal die ersten Schritte in einem echten Bethesda-Rollenspiel unternehmen durfte. Seitdem warte ich auf das nächste Fallout oder Elder Scrolls - auf kein anderes Spiel freue ich mich so sehr.
In all diesen Jahren habe ich erlebt, wie Bethesda oft zu Recht kritisiert wurde, wie Fans, ihre Geduld und ihr Vertrauen in das Studio verloren oder seinen Untergang herbeiredeten. Ich habe mir trotzdem nie ernsthaft Sorgen um The Elder Scrolls 6 gemacht und nie geglaubt, dass es mich enttäuschen wird. Vielleicht bin ich naiv, vielleicht sehe ich Dinge nur einfach gerne positiv.
Mit den Entlassungen bei Xbox und der neuen Strategie bei Microsofts Spielesparte ist aber jetzt doch der Moment gekommen, an dem ich um Bethesda, Elder Scrolls und Fallout fürchte – obwohl Xbox mir eine bessere Zukunft für die Franchises verspricht.
Ein leeres Versprechen
Kaum einen Monat ist es her, dass die neue Xbox-Chefin Asha Sharma einen Strategiewechsel ankündigte. Schon damals war klar, dass es kaum gute Nachrichten gab: Xbox steckt in der Krise, verursacht durch Fehlentscheidungen der Geschäftsführung, die jetzt andere ausbaden müssen. Viele Menschen würden ihren Job verlieren, Studios eingestampft und Spiele eingestellt werden.
Die einzige gute Nachricht für mich: Wenigstens Fallout und The Elder Scrolls waren sicher, denn Xbox wollte sich ab sofort auf genau solche großen und wichtigen Kern-Franchises konzentrieren. Laut einem Bericht sollte es hier mit neuen Spielen schneller vorangehen. Eine Entscheidung, die längst fällig war. Schließlich ist es schon über 8 Jahre her, dass The Elder Scrolls 6 angekündigt wurde. Und ein neues Fallout ist längst noch nicht in Sicht, obwohl man mit der äußerst erfolgreichen Amazon-Serie starke Synergie-Effekte ausnutzen könnte.
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Was nach einer grundsätzlich nachvollziehbaren Strategie klang, wirkt auf mich aber inzwischen wie Hohn. Vor einigen Tagen hat Xbox den nächsten Schritt angekündigt: Die Entlassung von über 3.000 Beschäftigten und der Verkauf von 5 Studios. Furchtbar für die Betroffenen, aber das alles führt schließlich auch dazu, dass Xbox sich auf seine großen Marken konzentrieren kann, oder?
Nein, denn es wird immer klarer: Auch Fallout und Elder Scrolls werden kaputtgespart. Die ZeniMax Online Studios haben offenbar die Hälfte ihrer Angestellten verloren. Die gesamte Zukunft von The Elder Scrolls Online ist plötzlich ungewiss, es wurde bereits kommuniziert, dass Roadmaps sich verschieben werden. Bei Fallout 76 sieht es offenbar ähnlich düster aus: Laut Berichten fürchtet die Belegschaft, dass wichtige Arbeit in Zukunft an externe Dienstleister vergeben wird, während die eigenen Talente gehen müssen.
Bethesda bekommt einen Pfeil ins Knie
Aber es geht nicht nur um die Online-Ableger, die hatten immerhin beide einen holprigen Launch und gelten wohl nicht als volle Erfolge. Xbox dezimiert jetzt auch die Bethesda Game Studios, also die Entwickler von Skyrim, Fallout 4 und The Elder Scrolls 6. Laut der Gewerkschaft des Studios wurden dutzende Programmierer, Designer, Künstler und Tester entlassen. Bethesda-Angestellte warnen bereits, dass die Entlassungen die Produktion von The Elder Scrolls 6 verlangsamen werden.
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Dabei geht es auch darum, wer entlassen wurde. Denn offenbar trifft es viele erfahrene Entwicklerinnen und Entwickler, wie auch die Gewerkschaft betont. Mit dabei sind etwa:
- Christiane Meister: Sie arbeitete 27 Jahre für Bethesda und erschuf etwa die Khajiit und Argonier aus The Elder Scrolls.
- Istvan Pely: Nach 28 Jahren bei Bethesda muss der Entwickler gehen, der den Look von Fallout 3 und 4 verantwortete.
- Ray Lederer: Der Künstler entwarf viele ikonische Designs für Skyrim, Fallout 4 und Fallout 76.
Allein diese drei Personalien zeigen eine große Stärke der Bethesda Game Studios: Viele Entwicklerinnen und Entwickler blieben hier für viele Jahre und oft sogar Jahrzehnte. Es gab lange Zeit einen soliden Kern erfahrener Mitarbeiter, die das Studio und seine Arbeitsweise in- und auswendig kannten.
Auf technischer Ebene ist deren Erfahrung besonders unverzichtbar. Da Bethesda mit seiner hauseigenen Engine arbeitet, müssen neue Programmierer erst einmal angelernt werden. Anfallende Aufgaben einfach an externe Dienstleister abzugeben ist also nicht ohne Weiteres möglich.
All das treibt mir tiefe Sorgenfalten auf die Stirn. Es wirkt, als würde Microsoft die Zügel enger schnallen und auf der einen Seite Kahlschlag bei Bethesda betreiben, um dann The Elder Scrolls möglichst schnell zur Tür hinauszuprügeln. Es würde mich nicht überraschen, wenn dabei die kreative Freiheit des Studios und das Herz und die Seele des nächsten Elder Scrolls leiden müssen.
Angesichts dessen kann ich mich auch nicht mehr so recht über die Leaks zu einem neuen Fallout freuen, das bei Obsidian entstehen soll - von oben verordnet. Auch diese Ankündigung kam schon mit einem faden Beigeschmack, verliert das Studio doch gleichzeitig ein Viertel seiner Belegschaft.
Wenn Xbox jetzt gleichzeitig alles auf die Karten Fallout und Elder Scrolls setzt, aber gleichzeitig die Arbeit der Studios erschwert, dann sehe ich schwarz, falls die neuen Spiele doch nicht die erhofften Riesenhits werden. Und das ist angesichts der riesigen Erwartungen gar nicht unwahrscheinlich. In diesem Fall werden die Konsequenzen wohl noch gravierender ausfallen.

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