The Wild zeigt: Minecraft ist schon lang nicht mehr, was es einmal war

Meinung: Minecraft wird mit seinem Update 1.19 die Open World weiter für uns öffnen. Für Géraldine ist das ein wirklich guter Grund, um das Spiel nach einem Jahr wieder auszupacken.

von Géraldine Hohmann,
24.10.2021 10:03 Uhr

Wir schreiben das Jahr 2019. Ich weiß es zu diesem Zeitpunkt noch nicht, aber in einem Monat werde ich mich bei der GameStar bewerben und nach München ziehen, in einer Stunde wird auf unserer LAN-Party die Pizza ausgehen und in zehn Minuten werde ich das erste Mal seit Langem wieder Minecraft spielen. 

Wir haben gerade viele Stunden Call of Duty 2 hinter uns, in denen ich wie der letzte Feigling an einem Fenster gecampt und damit einige Glückstreffer erzielt habe. Da sagt jemand die magischen Worte: »Wie wär’s mit Minecraft?«

Also suchen wir nach unseren steinalten Login-Daten, machen uns eine Dosensuppe warm (Pizza ist für Anfänger) und nisten uns auf dem Multiplayer-Server des einzigen Minecraft-Ultras in der Gruppe ein. Und ich möchte es in diesem Moment nicht zugeben, aber ich bin ziemlich überrascht. In meiner schwammigen Erinnerung war Minecraft kaum mehr als eine klotzige Aufbau-Sandbox. Aber plötzlich gibt es spannende Dungeons, Herausforderungen und verschiedene Spielmodi. Auch die anderen sind plötzlich Feuer und Flamme.

Es folgen einige exzessive Wochen auf unserem kleinen Multiplayer-Server. Jeden Abend haben wir eine feste Minecraft-Verabredung - ein kleiner Trost, als ich kurze Zeit später nach München ziehe. Aber irgendwann pflückt jemand unsere heilige Stadt-Blume, die zur Gründung des Servers gepflanzt wurde. Ich werde fälschlicherweise beschuldigt und zur Strafe von Hunden gefressen. Danach ist irgendwie die Luft raus. Nach und nach kommen weniger Leute zu den abendlichen Runden und irgendwann liegt unser Server auf dem Datenfriedhof. 

Die Autorin
Géraldine erhielt ihren Twitter-Handle @mighty_dinomite an jenem geschichtsträchtigen LAN-Party-Wochenende, als sie in CoD 2 einige glückliche Kopfschüsse verteilte und Minecraft nach langer Zeit wieder für sich entdeckte. Danach kehrte sie immer wieder in die Welt zurück - aber nur, wenn es auch einen Anreiz gab. Und mit der Ankündigung von The Wild hörte sie plötzlich ihren inneren Villager leise »Hurrgh« rufen.

Das perfekte Minecraft-Modell

Ich bin zwar zurückgekehrt, aber erst lange Zeit danach. Und mein letzter Besuch liegt auch schon wieder ein Jahr zurück. Die Wahrheit ist: Als reine Aufbau-Sandbox gibt mir Minecraft nur wenig. Ich weiß, dass es viele da draußen gibt, die seit Jahren an beeindruckenden Kunstwerken tüfteln, aber ich gehöre nicht dazu. 

Wann immer ich Minecraft gespielt habe, war es für ein spaßiges Survival-Abenteuer mit meinen Freunden und weil es mit einem Update einen neuen Anreiz gab. Etwas Neues zum Ausprobieren. Ich habe Minecraft seit seinem Release immer nur in Wellen gespielt. 

Aufnahmen unserer LAN-Party-Gang. Ich bin der Bär mit der Karotte. Tödliche Hunde links im Bild. Aufnahmen unserer LAN-Party-Gang. Ich bin der Bär mit der Karotte. Tödliche Hunde links im Bild.

Mit dem kommenden Update The Wild trifft Minecraft für mich genau ins Schwarze: Der Fokus liegt auf dem Erkunden der Welt und neuer Biome, es gibt neue Gegner und eine neue Unterwelt. All das ist aber trotzdem kompatibel mit unserem geliebten alten Multiplayer-Server. Den brauche ich auch, denn ich bin nicht nur in Call of Duty 2 ein mieser Camper, auch in Minecraft spiele ich sehr faul und ruhe mich gerne auf den Lorbeeren meiner Mitspieler aus, die mir ihr gemachtes Nest und Kisten voll mit Material zur Verfügung stellen (danke an der Stelle!).

Die regelmäßigen großen Updates wie Caves & Cliffs und bald eben The Wild sind das perfekte Modell, um möglichst viele Spielertypen abzuholen. Die Gelegenheitsspieler wie mich bekommen neue Biome zum Erforschen und neue Herausforderungen. Die seit Jahren treuen Fans erhalten eine nahtlose Anbindung der neuen Inhalte an ihre bestehende Welt. Und Neueinsteiger kriegen Minecraft jetzt sogar kostenlos im Game Pass - und das alles mit Crossplay. Mehr Zugänglichkeit geht fast nicht. 

Dazu kommen natürlich die zahlreichen Mods und Grafik-Spielereien, die einen Minecraft immer wieder neu entdecken lassen. Alleine mit der Installation von hübschen Shadern kann man Wochen verbringen:

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Minecraft ist nicht mehr, was es vor 12 Jahren war. Dass die kleine Sandbox von einem einzigen Entwickler mal so viele Survival- und Rollenspielelemente, so viele neue Inhalte und so viel Community-Liebe bekommen würde, hätte 2009 wohl keiner geahnt. Aber dadurch holt Minecraft seine Spielerschaft wieder und wieder zurück in seine Welt und ist heute relevanter als je zuvor. Was Kollege Peter übrigens mit gelinde gesagt gemischten Gefühlen sieht:

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The Wild und der große Hype, der die Ankündigung ausgelöst hat, ist für mich das Sinnbild dieser zwölfjährigen Reise. Es ist ein Spielplatz, der sich nach all der Zeit noch nach Zuhause anfühlt. Der geduldig auf mich wartet, wenn ich nach langer Zeit zurückkehre. Aber der trotzdem jedes Mal etwas Neues für mich gebaut hat, um meine Ankunft zu feiern.

Aber ja, vor allem ist das The Wild Update ein Grund für mich, mal wieder meine alte Minecraft-Gang zusammenzurufen, endlich den wahren Blumendieb zu schnappen und einige grandiose Wochen darin zu verbringen ... bis zum nächsten großen Update. 

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