Gerade wenn es darum geht, ein bewährtes Spielkonzept aufzugreifen und in Form eines neuen Spieles unter die Leute zu bringen, sind Innovationen nicht immer leicht. Pathfinder: Wrath of the Righteous hat sich von seinem direkten Vorgänger Kingmaker vor allem deshalb unterschieden, weil es neben den normalen Klassen noch sogenannte Legendenpfade einführte.
Diese Legendenpfade sind der Grund für unsere Macht in diesem hochkomplexen Rollenspiel. Denn unser Held oder unsere Heldin muss sich mit Dämonenfürsten messen, die schier göttliche Macht besitzen. Folglich muss die ganze Heldenparty ein ähnliches Niveau erreichen können.
Ebenfalls eine Folge dieser Idee ist das Szenario des Rollenspiels. Es geht um einen gewaltigen Krieg zwischen Kreuzfahrern und Dämonen. Unsere Party legt sich mit Mächten an, die die ganze Welt verschlingen könnten - und triumphieren wieder und wieder. Wrath of the Righteous erzählt also eine durch und durch epochale Saga.
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Pathfinder 2: Im zweiten DLC sind wir sehr weit davon entfernt, ein großer Held zu sein
Doch was wäre, wenn ihr keine legendären Kräfte hättet? Was, wenn ihr mehr Opfer des Krieges als eine agierende Partei wäret? Diese Seite soll der zweite DLC Through the Ashes zeigen. Ich habe in die Erweiterung reingespielt und gebe einen ersten Eindruck, der euch bei der Kaufentscheidung helfen soll.
Warum kein Test?
Eigentlich hätten wir Through the Ashes natürlich gerne vollumfänglich getestet, wie wir es auch bei Inevtiable Excess getan haben. Nur war das zum jetzigen Zeitpunkt bei Through the Ashes noch nicht möglich. Wir haben erst sehr spät einen Key bekommen und so fehlte mir bislang die Zeit, den DLC komplett durchzuspielen.
Einen Text wollte ich euch aber nicht verwehren, damit ihr zumindest zum Wochenende nach Release eine Einordnung habt. Nächste Woche wäre ebenfalls kein Test mit Wertung möglich gewesen, da ich meinen Urlaub antrete. Deshalb lest ihr nun einen ersten Eindruck, eine Wertung vergeben wir aber vorerst noch nicht. Verspätete Tests gehören bei Pathfinder inzwischen aber ja ohnehin zur Tradition.
Zu schwach für Heldenmut
Anders als der erste DLC, Inevitable Excess, setzt Through the Ashes nicht die Geschichte eures Kommandanten fort. Ihr beginnt den DLC mit einem komplett neuen Helden und einer frischen Gruppe aus Gefährten. Dabei unterscheidet sich diese Gruppe aus Charakteren in drei Punkten maßgeblich von den Gefährten des Kommandanten:
- Keine Legendenkräfte: Through the Ashes wirft sehr bewusst eine der größten Neuerungen des Hauptspiels über Bord. In diesem DLC könnt ihr keine außergewöhnliche Legendenkräfte erringen. Damit gehen nicht nur mächtige Skills verloren (kein Fettbär!), es gibt auch keine alternativen Entscheidungsoptionen wie im Hauptspiel, die an die Legendenkraft geknüpft sind.
- Niedrige Level: Der DLC soll circa 10 Stunden dauern (wahrscheinlich länger) und in dieser Zeit wird eure Gruppe nicht viele Level-Ups erleben. Allgemein wird kein Held ein höheres Level als 5 erreichen.
- Viele generische Begleiter: Es gibt in Through the Ashes nur zwei neue Gefährten, die Partygröße steht aber weiterhin bei sechs Leuten. Deshalb werden drei Begleiter (und euer Charakter) im Verlauf der Geschichte erstellt. Ähnlich wie die Söldner im Hauptspiel haben diese Gefährten keine Geschichte. Aber dafür könnt ihr komplett frei entscheiden, welche Fähigkeiten sie mitbringen sollen.
Das Konzept des DLCs sieht vor, dass eure Heldengruppe zu schwach für Heldenmut ist. Viele Gegner, die ihr im Verlauf trefft, sind mit reiner Waffengewalt nicht zu bezwingen. Das variiert natürlich je nachdem, mit welchen erstellten Partymitgliedern ihr umherlauft.
Manche Klassen sind in dem Levelbereich des DLCs nämlich deutlich hilfreicher als andere. Beispielsweise sind Tierbegleiter sehr viel wert und auch Kleriker können öfter zaubern als beispielsweise Druiden.
Damit sich diese Gruppe aus schwächlichen Anfängern aber trotzdem durchschlagen kann, wurden ein paar neue Gameplay-Features eingebaut.
Ein Gameplay-Experiment
Owlcat Games versucht sehr offensichtlich mit den DLCs zu Wrath of the Righteous nicht einfach nur mehr von dem zu liefern, was das Grundspiel auszeichnet. Das kann man sehr kritisch sehen, immerhin wird Wrath of the Righteous sehr geschätzt und Fans wünschen sich im Grunde immer das, was ihnen erwiesenermaßen Spaß macht. Bei Inevitable Excess sorgte die Experimentierfreude bereits für viel Enttäuschung.
Auch jetzt steuert Owlcat Games wieder in eine andere Richtung und präsentiert einen DLC, der sich wie das Gegenteil der Machtfantasie von Wrath of the Righteous anfühlt. Statt mächtige Dämonen im Kampf zu schlagen, müsst ihr dieses Mal drastisch umdenken.
Schleichen spielt beispielsweise eine viel größere Rolle. Gelegentlich hat man keine andere Wahl, als an Feinden vorbei zu huschen. Außerdem dürft ihr viel öfter die Umgebung zu eurem Vorteil nutzen. So könnt ihr eine große Gruppe an Zombies beispielsweise vor einen rollenden Baumstamm locken und sie damit platt walzen. Das ist eine interessante neue Spielerfahrung, bringt aber zwei Probleme mit sich:
- Schleichen macht vielleicht keinen Spaß: Ich für meinen Teil schleiche in Oldschool-RPGs recht selten, da es mir einfach keinen großen Spaß macht, sehr lange dauert und wenn es nicht klappt, steht man in der Regel sehr schlecht da. Wenn ihr damit aber keine Probleme habt, dann könnte euch dieser neue Fokus gut gefallen. Leisetreter kommen nicht mehr ganz so kurz.
- Die Umgebung ist umständlich: Feinde mit der Umgebung zu überlisten, klingt auf dem Papier spaßig, ist in der Praxis aber sehr umständlich. Zumindest in den ersten Gebieten sorgt die Mechanik für mehr Frust als Freude. Denn Feinde lassen sich nicht so leicht dorthin locken und manche Optionen wie eine brennende Öllache scheinen recht uneffektiv. Im rundenbasierten Modus könnt ihr die Mechanik sowieso vergessen, da ihr Gegner nicht wirklich sinnvoll an eine Stelle lotsen könnt.
Ebenfalls neu sind Gefährten, die nicht an eurer Seite kämpfen. Zur Story gehört eine Gruppe an Flüchtlingen, die ihr in Sicherheit bringen sollt. Manche davon haben besondere Talente und die könnt ihr einsetzen.
Allerdings können diese Gefährten auch sterben, sich verletzen oder an Krankheiten verenden. Dann fehlt euch diese Option in Zukunft. An einigen Stellen müsst ihr außerdem entscheiden, welcher Gefährte sich für welche Aufgabe am besten eignet. Das gefällt mir wiederum ausgesprochen gut!
Für wen ist dieser DLC geeignet?
Noch habe ich Through the Ashes nicht komplett durchgespielt und kann deshalb zu einigen Punkten noch wenig sagen. Beispielsweise, wie die Geschichten der beiden neuen Begleiter sich entwickeln werden und welchen Einfluss der DLC tatsächlich auf das Hauptspiel hat (das soll er nämlich).
Wichtig ist vor allem, dass Through the Ashes wieder mehr neue Figuren einführt und eine spannendere Geschichte erzählt, als der erste DLC. Hier sind packende Dilemmata vorhanden, die mich zu schwierigen Entscheidungen zwingen. Gibt es Charaktere, die ich zurücklassen muss? Schicke ich den mutigen, aber einhändigen Handwerker oder den gesunden, aber feigen Musiker in die Dunkelheit zum Erkunden?
Genau solche Entscheidungen machen den Kern von Through the Ashes aus. Die neuen Gameplay-Mechaniken sind aber eher umständlich und mehr als einmal musste ich frustriert neuladen, weil der Plan nicht so gut in die Tat umzusetzen war.
Wenn ihr also eine weitere, schöne Pathfinder-Geschichte erleben wollt, dann hat dieser DLC alles, was ihr braucht. Rein spielerisch kann der DLC auch aufgrund der niedrigen Levelgrenze mit dem Hauptspiel aber nicht mithalten.
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