PewDiePie - Youtube akzeptiert Copyright-Strike, zwei weitere wären das Ende des Kanals

Auf Antrag des Firewatch-Entwicklers Sean Vanaman hat Youtube PewDiePies Let's Play zum Spiels gelöscht. Der sieht sich zwar im Recht, will die Entscheidung aber nicht anfechten.

von Maurice Weber,
15.09.2017 17:03 Uhr

Campo Santo hat erfolgreich die Löschung von PewDiePies Firewatch-Video bewirkt.Campo Santo hat erfolgreich die Löschung von PewDiePies Firewatch-Video bewirkt.

Youtube hat PewDiePies Let's Play zu Firewatch gelöscht. Zwar war es schon zuvor nicht mehr auf seinem Kanal sichtbar, aber da hatte es PewDiePie nach eigenen Angaben von sich aus privat geschaltet. Er habe damit die Wünsche des Entwicklers Campo respektieren wollen, erklärt er in einem neuen Video. Dessen Mitbegründer Sean Vanaman reichte einen Copyright-Strike bei Youtube ein, nachdem PewDiePie in einem Livestream ein rassistisches Wort über die Lippen kam. Als Reaktion darauf hat die Video-Plattform das Let's Play nun entfernt.

Was nur größere Probleme aufwerfen könnte: Denn die Regeln von Youtube schreiben vor, dass ein Kanal nach drei solcher Strikes komplett gelöscht wird.

Let's Plays: Eine rechtliche Grauzone

Die Krux der Sache liegt in der Frage, ob Let's Plays grundsätzlich legal sind. Die wurde bislang nie vor Gericht geklärt. Das habe laut PewDiePie einen einfachen Grund:

"Es ist weithin bekannt, dass Entwickler massiv von Streamern und Let's Playern profitieren. Minecraft ist zu einem großen Teil wegen Streamern und Youtubern zu einem Milliardentitel geworden. Genauso Playerunknown's Battlegrounds, ich glaube, es wäre ohne Streamer nicht ansatzweise so groß, und Entwickler wissen das. Ja, wir verdienen Geld mit eurem Spiel, aber es wird trotzdem als etwas Positives gesehen. "

PewDiePie ist allerdings zuversichtlich, dass das Recht im Zweifelsfall auf seiner Seite wäre. "Ich kann es nicht mit Sicherheit sagen, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass Let's Play unter Fair Use fallen." Dieses amerikanische Recht erlaubt es, urheberrechtlich geschütztes Material zu verwenden, wenn es zu einem "transformativen" Zweck stattfindet. Das kann beispielsweise eine Parodie, Kritik oder auch nur ein Kommentar zu dem entsprechenden Werk sein.

Aktuell gibt es keine Rechtsprechung, ob Fair Use für Let's Plays gilt. Ein von PCGamer befragter Anwalt ist skeptisch: "Der Schlüsselfaktor bei der Evaluierung von Fair Use ist, ob der Ersteller das ursprüngliche Werk transformiert. Ich denke, Let's Plays erfüllen diesen Standard selten, wenn überhaupt. Letzten Endes spielt da nur jemand das Spiel in den Rahmenbedingungen, die der Publisher vorgegeben hat und addiert seinen eigenen Kommentar obendrauf."

PewDiePie sieht das anders. Ihm zufolge wird jeder, der seine Let's Plays schaut, das Spiel auf eine andere Weise erleben als jemand, der es selbst spielt. Endgültig geklärt werden könnte das Ganze aber nur durch einen Gerichtsprozess, der leicht Millionen kosten könnte - ein weiterer Grund, warum es bislang niemand eilig hatte, das Thema zu vertiefen. Auch PewDiePie nicht: Obwohl er sich zuversichtlich gibt, vor Gericht gewinnen zu können, will er keinen Prozess anstreben. "Das alles war meine Schuld, ich habe dieses ganze Drama gestartet."

Gefahr für die Zukunft von Youtube?

Allerdings sieht PewDiePie in den Copyright-Strikes von Campo Santo noch ein größeres Problem: "Diese Gesetze wurden gemacht, damit Leute Inhalte entfernen können, und wann immer es die Macht gibt, das zu tun, wird das jemand missbrauchen - vor allem, wenn der Grund für den Strike gar nichts mit Copyright zu tun hat."

Tatsächlich könnte es massive Auswirkungen auf die komplette Youtube-Gamingszene haben, wenn es einmal ein definitives Urteil zur Frage von Let's Plays geben sollte. TotalBiscuit fürchtet gar, dass ein einziger technophober Richter so mit einem Schlag Millionen von Videos vernichten könnte.

PewDiePie könnte Campo Santo zwingen, ihre Ansprüche vor Gericht geltend zu machen, wenn er einen Gegenantrag bei Youtube stellt. In diesem Fall wird das Video wieder online geschaltet, wenn der Entwickler nicht innerhalb einer festen Zeitspanne eine formelle Copyright-Klage gegen den Youtuber einreicht. Aktuell scheint es aber nicht, als wolle es PewDiePie so weit treiben und das Let's Play wird wohl offline bleiben.

Folgen weitere Strikes und droht tatsächlich die Löschung des Kanals, könnte PewDiePie allerdings zum Handeln gezwungen werden - vorausgesetzt, ein Entwickler ist entschlossen genug, den Antrag ebenfalls bis vor die Gerichte auszufechten. Was aber zumindest miserable PR wäre, denn schon Firewatch musste einen Hagel negativer Steam-Reviews über sich ergehen lassen.


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